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Unschuldiger Lehrer muss auf Haftentschädigung warten

Fünf Jahren saß ein Lehrer unschuldig im Gefängnis, jetzt wurde er vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Auf seine Haftentschädigung könnte der 52-Jährige trotzdem noch einige Zeit warten.

Nach fünf Jahren unschuldig im Gefängnis muss ein vom Vorwurf der Vergewaltigung nachträglich freigesprochener Lehrer wohl noch lange auf seine Entschädigung warten. Diese könne erst nach einem rechtskräftigen Urteil beantragt werden, sagte der Anwalt des 52-Jährigen, Hartmut Lierow, am Donnerstag. "Wer die Verwaltung kennt, weiß, dass es lange dauert."

Das Landgericht Darmstadt hatte den Mann 2002 zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er eine Kollegin vergewaltigt haben sollte. Er saß die Strafe vollständig ab. Wegen neuer Beweise wurde das Verfahren neu aufgerollt, die Kasseler Richter sprachen den Mann am Dienstag wegen erwiesener Unschuld frei.

Eine Haftentschädigung ist laut Gesetz auf 25 Euro pro Tag festgelegt - abzüglich rund 6 Euro für die Kosten für Betreuung und Verpflegung während der Haftzeit. Sie wird gezahlt, wenn jemand unschuldig in Haft saß. Demnach bekäme der Lehrer für mehr als 1800 Tage hinter Gittern rund 34 000 Euro.

Zudem könne noch eine Entschädigung beispielsweise für das entgangene Einkommen beantragt werden, sagte Lierow. Dies werde "nach einem gerechten Maßstab" gewehrt. "Da hat die Behörde einen großen Spielraum", betonte er.

Lierow sagte, bei einem derart "groben Fehlurteil" könne man überlegen, bis vor den Europäischen Gerichtshof zu ziehen, um eine höhere Entschädigung zu erreichen. "Man weiß ja nicht, ob es auch noch in die Zukunft laufende Schäden geben wird. Vielleicht bekommt er nie wieder einen Job."

DPA/DPA

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