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3. Februar 2009, 08:47 Uhr

Liedermacher Demmler begeht Selbstmord

Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte DDR-Liedermacher Kurt Demmler ist tot in seiner Zelle aufgefunden worden. Offenbar hat er Selbstmord begangen. In wenigen Stunden hätte der Prozess gegen den 65-jährigen DDR-Nationalpreisträger fortgesetzt werden sollen.

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Der Liedermacher Kurt Demmler ist tot© Günter Gueffroy/DPA

Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte ostdeutsche Liedermacher Kurt Demmler hat sich im Gefängnis das Leben genommen. Wie ein Sprecher der Justizverwaltung Berlin am Dienstag mitteilte, wurde der DDR-Nationalpreisträger am Morgen tot in seiner Zelle im Untersuchungsgefängnis Moabit entdeckt. Demmler habe sich erhängt. Wenige Stunden später hätte der Prozess gegen ihn fortgesetzt werden sollen. Das Gericht wollte noch am Dienstag über eine Einstellung des Verfahrens entscheiden. Der Musiker war wegen sexuellen Missbrauchs von Mädchen von 1995 bis 1999 in mehr als 200 Fällen angeklagt.

Nach Angaben von Justizsprecher Daniel Abbou wurde der 65-Jährige um 6.20 Uhr von einem Justizbediensteten tot aufgefunden. Nichts habe zuvor auf einen Selbstmord hingedeutet, erklärte Abbou. Ein Abschiedsbrief wurde zunächst nicht gefunden. Es wird mit einer Einstellung des Verfahrens gerechnet, sagte Verteidigerin Nicole Bede. Im Laufe des Tages sollten weitere Einzelheiten zu den Todesumständen bekanntgegeben werden.

Er soll die Mädchen in seine Wohnung gelockt haben

Demmler soll die Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren zu so genannten Casting-Terminen für eine neue Girlgroup in seine Wohnung gelockt haben. Dabei soll es zu sexuellen Kontakten mit den Teenagern gekommen sein. Laut Angaben eines Opfers soll sich Demmler mehr als 180 Mal an ihr vergangen haben. Zum Teil soll der Künstler mehrere Mädchen zugleich missbraucht haben.

Gegen den Liedermacher war schon früher einmal wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt worden. Im November 2002 wurde er deswegen zu 1800 Euro Geldstrafe verurteilt. 2007 offenbarte sich ein weiteres Mädchen. Während der Ermittlungen zur jüngsten Anklage meldeten sich weitere Schülerinnen. Demmler wurde dann am 4. August 2008 verhaftet.

Zu Beginn des Prozesses am 22. Januar hatte Demmler die Aussage verweigert. In früheren Vernehmungen hatte der Liedermacher und Arzt die Vorwürfe pauschal bestritten. An diesem Dienstag sollten die ersten mutmaßlichen Opfer angehört werden.

Auch mit eigenen Liedern erfolgreich

Demmler galt als einer der erfolgreichsten Songtexter der DDR. So gut wie alle Rock- und Schlagerstars sangen seine Texte. Dazu gehörten Nina Hagen ("Du hast den Farbfilm vergessen"), die Bands Karat und die Puhdys aber auch Veronika Fischer, Frank Schöbel, Renft und die Stern-Combo Meißen, aber auch Katja Ebstein oder Karel Gott. Auch mit eigenen Liedern war der in Posen geborene Musiker bis zur Wende erfolgreich.

Demmler hatte 1985 hatte den Nationalpreis der DDR für einen Liederzyklus nach dem Buch "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry" erhalten. 1976 gehörte er zu den Mitunterzeichnern des Protests gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermanns aus der DDR. 1989 forderte er mit anderen Rockmusikern die Demokratisierung der DDR. Am 4. November 1989 trat er bei der ersten freien Massendemonstration am Alexanderplatz auf.

DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
sachsenwini (05.02.2009, 00:46 Uhr)
Zwar soll man Toten nichts Schlechtes nachsagen,
aber die widerlichen Details, die durch die Aussagen der missbrauchten Mädchen öffentlich wurden, erlauben wenig Nachsicht.
.
Er war nicht nur ein ausgezeichneter Liedermacher, sondern auch approbierter Arzt, tiefer kann man nicht fallen.
Da kann man nur noch froh sein, dass er als Arzt nicht mehr tätig war.
.
Er hat sich selbst gerichtet und damit den Opfern die weiteren Aussagen vor dem Gericht erspart.
Cmax (04.02.2009, 19:48 Uhr)
Kinder ...
Egal was der Mensch in seinen Leben geleistet hat, er stellt sich durch seine Tat auf eine Stufe mit all den anderen Kinderf***ern !! Man muß Ihm zugute halten, er hat seine Opfer am Leben gelassen und er hat sich selbst gerecht bestraft ! Kein Mitleid, nur WUT gegenüber solchem Abschaum !!
herrfreitag (03.02.2009, 16:24 Uhr)
btr. Think-Smart (3.2.2009, 15:03 Uhr)
ja, ja, wieder einmal sind die medien schuld ...
der arme herr demmler hat seine psychopharmaka nicht bekommen, mir kommen die tränen.
so ein blödsinn den sie da von sich geben und verhöhnt gleichzeitig die opfer!
er war ein schwein!
Think-Smart (03.02.2009, 15:03 Uhr)
Lynchmob
Ich kenne Kurt Demmler und die Hintergründe aus erster Quelle. Demmler wurde in der JVA Moabit die geforderten Psychopharmaka verweigert. Er war schwer depressiv.
Ein weiterer JVA Mord wegen unterlassener Hilfeleistung. Die Zustände in Moabit sind katastrophal. Das Gericht hatte Demmler einen deal angeboten. Bei einem Geständnis hätte er Haftverschonung bekommen. Am Tag seines Todes hätte er ein freier Mann sein können. Die Medienhetze hat ihn gerichtet. U-Haft schafft Rechtskraft - Oder Leichen. In Moabit 5 bis 10 pro Jahr. Dr. Diekmann, Dr. Lange, können Sie sich morgens noch im Spiegel begucken?
vegefranz (03.02.2009, 14:16 Uhr)
seit spätetestens 2002 polizeibekannter Triebtäter
die Eltern der Kinder, die seitdem Opfer geworden sind, dürfen sich bei der Kuscheljustiz und den Verständnis-Labert68ern bedanken. Die Taten hätten verhindert werden können/müssen
 
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