18. April 2007, 16:26 Uhr

Vergesst das Waffenverbot!

In den Vereinigten Staaten gibt es mehr zivile Waffen als Einwohner - also schätzungsweise über 300 Millionen. Selbst wenn ein Verbot käme oder eine Verschärfung der Gesetze, würden Pistolen und Gewehre nicht einfach so verschwinden. Von Peter Thomsen

Eine amerikanische Ikone: Der Single Action Army Colt©

Es ist nichts als ein Vorurteil, dass Amerikaner generell freien Zugang zu Schusswaffen hätten. Ein bisschen komplizierter ist es schon. In New York City zum Beispiel gibt es keine Waffengeschäfte. Dort sei es kaum erlaubt, eine Waffe überhaupt nur anzugucken, spotten die Landeseinwohner. In der Millionen-Metropole ist das Waffenrecht sogar strenger als in Deutschland.

40 Waffengesetze gibt es in den USA. Faustregel: je weiter westlich, desto freier der Erwerb. Im Bundesstaat Washington, am Pazifik gelegen, war der Autor dieses Beitrags einmal mit dem Erwerb eines Kalaschnikow-Gewehrs schon weit gediehen - lange vor der allgemeinen Terroristen-Hysterie. Über einen fairen Preis von 450 Dollar bestand alsbald Einigkeit. Am Ende scheiterte der Kauf am fehlenden US-Führerschein. Der internationale Führerschein interessierte den amerikanischen Verkäufer einen Dreck, der deutsche Jagdschein erst recht. Es musste unbedingt eine Driver's License aus dem Staate Washington sein.

Alle Versuche, den Waffenerwerb einzuschränken, scheiterten bislang

Bisher scheiterten alle Versuche, den Erwerb von Schusswaffen in den westlichen Bundesstaaten - um die geht es im Wesentlichen - generell zu erschweren. Denn das prinzipielle Recht auf Waffen steht im "Second Amendment", dem Zweiten Zusatz der amerikanischen Verfassung. Dieser Artikel aus dem 19. Jahrhundert wird von der "National Rifle Association'" (NRA), einem machtvollen Zusammenschluss von Jägern, Sportschützen und Traditionalisten, mit Zähnen und Klauen verteidigt.

Man muss sich die amerikanische Geschichte vor Augen halten, um dieses emotionale Verhältnis zum Schießgerät nachzuvollziehen. Der Wilde Westen wurde "mit der Bibel und dem Colt" erobert, so geht die amerikanische Folklore. Der "Single Action Army Colt", beziehungsvoll auch "Peacemaker" (Friedensstifter) genannt, ist Schulkindern der USA so vertraut wie unserem Nachwuchs der Mercedes-Stern. Der erste Hinterlader des findigen Samuel Colt ist Standard-Darsteller in jedem Western. Und die Pferde-Oper ist den Amerikanern das, was den Deutschen ihr Heimatfilm ist.

Der längst veraltete Sechsschüsser wurde sogar im Zweiten Weltkrieg, 70 Jahre nach seiner Einführung, von einem Panzer-General der amerikanischen Army regelmäßig zur Uniform getragen. Folglich geht es in jeder US-Verbotsdiskussion nicht um Waffen, es geht um Ikonen.

11.000 Menschen sterben jedes Jahr in den USA an Schussverletzungen, so sagt die Statistik. Mehr als 30.000 werden verletzt. Es wären viel weniger, wenn Zivilpersonen nicht so leicht Zugang zu neuen Waffen hätte, sagen Reformer im Lande. Aber das ist pure Illusion - so ähnlich wie die Prohibition vor 70 Jahren. Warum? Groben Schätzungen zufolge gibt es im Lande mehr zivile Waffen als Einwohner, also reichlich 250 Millionen Stück. Die verschwinden nicht einfach nach einem Verbot und Schusswaffen haben ein langes Leben.

Führt ein Waffenverbot zum Bürgerkrieg?

Nicht einmal entschiedene Waffengegner denken daran, den Amerikanern ihre vorhandenen Blei-Schleudern wegzunehmen. Das könnte zu einem Bürgerkrieg führen, warnt die NRA. Die Amerikaner werden mit ihrem Waffenarsenal leben müssen - so oder so.

Die Statistik der Waffenverkäufe sind allerdings mit größter Vorsicht zu lesen, vor allem in den USA. Denn wo es keinen Waffenschein gibt, nicht mal einen Personalausweis, gibt es erst recht keine zahlenmäßige Registrierung.

Im übrigen sind auch über den Waffenbestand in Deutschland abenteuerliche Zahlen im Umlauf - zwischen zehn Millionen und 40 Millionen. Genau weiß das niemand, weil auch in Ländern mit amtlicher "Waffenbesitzkarte", wie in Deutschland, die meisten Waffen aus unausrottbarem Misstrauen gegenüber staatlicher Bürokratie nicht gemeldet werden.

Von Peter Thomsen
 
 
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KOMMENTARE (10 von 12)
 
tripex (19.04.2007, 20:23 Uhr)
Anarchie...
ist glaube nicht die rechte Loesung des Problems, oder?
Boeblinger (19.04.2007, 16:32 Uhr)
War ja mal ein anderer Ansatz
Ist mir schon klar dass es nicht die optimale Loesung ist aber in der optimalen und idealen Welt gibt es halt keine bewaffneten Amoklaeufer.
Die Frage die sich mir aufdraengt ist einfach in einer Situation wo jemand die Absicht hat mich und Leute um mich herum zu töten was hätte ich da gerne. Eine Waffe um zurueckzuschiessen oder das Gefühl dank eines guten Waffengesetzes habe ich keine Waffe aber der Übeltäter hat sicherlich eine Straftat begangen um an die Waffe zu kommen.
Mit Verlaub gesagt ist die Diskussion hier sehr akademisch und Deutsch Gutmenschlich es muss doch die Frage erlaubt sein welche Lösung gibt es dass sich der Einzelne schützen kann wenn es schon die Polizei nicht kann.
Dass sich USA und Europa soziologisch unterscheiden ist unbestritten und dass viele Entwicklungen in USA begannen die dann in Europa auch zuschlugen ist ebenfalls bekannt.
Halte jede Wette dass es in den naechsten 5 Jahren in einer Schule,Uni oder Firma auch in Deutschland einen Amoklaeufer geben wird der mit einer Waffe ein Blutbad anrichtet. Ich kann also nur hoffen nicht in dem Moment an dieser Schule,Uni oder Firma zu sein oder jemand ist bei mir der nicht nur das Recht hat eine Waffe zu tragen sondern die auch benutzt.
Malt (19.04.2007, 11:58 Uhr)
Ahahahahahahaha....
Die Argumentation, dass andere Studenten mit Waffen den Attentäter hätten stoppen können ist als Witz gemeint, oder? Dann hätte man jetzt vermutlich keine 32 Toten zu beklagen, sondern 320 oder mehr... wer will denn da bitte wissen, wer von den vielen Irren mit Knarren derjenige ist, der den Amoklauf gestartet hat?
@boebliner: Zu deiner Information lass dir gesagt sein, dass von 10 Haushalten, in denen sich eine Waffe befindet und bei denen eingebrochen wird, gerade mal einer (!!!) so trainiert ist, dass er im Falle einer Gefahr richtig reagiert. Die anderen 9 erschiessen Familienmitglieder, Ihnen wird die Waffe weggenommen und sie werden selbst damit erschossen oder sie schaffen es tatsächlich sich selbst zu erschiessen oder schwer zu verletzten, weil sie im Dunkeln irgendwo drüberstolpern.
Nun, ganz ehrlich: Da würde ich mich ohne Waffe in der Bronx auf jeden sicherer fühlen!
bR4iNST0RM (19.04.2007, 10:55 Uhr)
Recht auf Waffen.. Schwachsinn!
Was hat denn bitte ein „Gebrauchsgegenstand“ wie ein Auto mit dem Besitz einer Waffe zu tun?! Ein Auto kann Personen befördern und nur unter unbedachten bzw. widrigen Umständen zur „Waffe“ werden. Waffen hingegen haben nur einen „Sinn“. Der Vergleich ist also Schwachsinn.
Oder vergleichen wir demnächst schon Faustfeuerwaffen mit Fliegenklatschen?
„Aber bevor mir die Waffe ausgehändigt wurde, wurde ein Zuverlässigkeitscheck durch das Department of Justice durchgeführt und eine Nachweis über eine Ausbildung im Umgang mit Schußwaffen abgefordert.“
„Department of Justice“ hört sich mächtig an, dennoch sind das auch nur Beamte. Da wird mit Sicherheit auch vieles einfach nur durch gewunken.
„Die USA sind nicht mit dem gleichen Maßstab zu messen, wie ein Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Beide Entwicklungen sind historisch begründet und haben ihre Berechtigung.“ Historisch und Amerika, das sind zwei unterschiedliche paar Schuhe wie nur Irgendwas! Die USA hat eine, im Internationalen Vergleich, eher lächerliche dafür umso blutigere und arrogantere „Historie“. Also auch kein glückliches Argument!
Amerikanische Bürger haben, meines Erachtens, kein bisschen das Recht auf eine Waffe!
Vincent_Vega (19.04.2007, 09:41 Uhr)
Angelegenheit der Amerikaner / Wozu die Aufregung
Das mit den Waffengesetzen ist eine Angelegenheit der Amerikaner; wenn sie selbst die Waffen haben wollen, müssen sie damit leben, dass Irre diese kaufen und einsetzen. Wenn die Amis damit leben wollen, ist das ihr gutes Recht - wenn auch ihr eigenes Risiko.
Wenn von den 100 Studenten im Gebäude 30-40 bewaffnet gewesen wären, aber nicht direkt im Klaren, wer der wirkliche Attentäter war, hätte es auch in einer Massenschiesserei ausarten können.
Angesichts der 11.000 Toten im JAHR stelle ich mal die provokante frage: wozu die Aufregung um 30 tote mehr?
11.000 geteilt durch 365 Tage im Jahr ergibt 30 Tote pro Tag. Aufs Jahr gerechnet ergibt das einen kleinen "Peak" in der nüchternen Statistik.
So gesehen sollte man sich nicht nur wegen der 30 toten Studenten und Professoren aufregen, sonden die 10970 anderen Toten nicht vergessen.
Eine Frage noch: was sind das für Opfer? Tote aus den Bandenkriegen, oder erschossen von der Polizei (ich unterstelle mal tote Kriminelle, erschossen von der Polizei), Unfälle, Familientragödien etc.
Wie kommen 11000 Tote zusammen?
BurnOut (19.04.2007, 09:16 Uhr)
unmöglicher Vergleich
@Grautvornix1311:
...bei einer Zahl von allein 29.714 Verunglückten im Straßenverkehr und 374 Verkehrstoten allein im Januar 2007... Was hat das damit zu tun? Das wäre höchstens relevant, falls alle diese Opfer mit Absicht durch Kfz verursacht worden wären.
Grautvornix1311 (19.04.2007, 07:43 Uhr)
's is schon etwas anders ...
Da ich selbst mehrere Jahre in den USA, in California gelebt habe, glaube ich einige Dinge berichtigen zu müssen:
1. Der Führerschein gilt in allen Bundesstaaten als amtlicher Nachweis des Wohnsitzes. Mit der Registrierungsnummer und den dortigen Angaben entspricht er in etwa dem deutschen Personalausweis.
2. Als Sportschütze habe ich selber eine Waffe in California gekauft. Sicherlich sind die Gesetzgebungen in den einzelnen Bundesstaaten unterschiedlich. Aber bevor mir die Waffe ausgehändigt wurde, wurde ein Zuverlässigkeitscheck durch das Department of Justice durchgeführt und eine Nachweis über eine Ausbildung im Umgang mit Schußwaffen abgefordert.
3. Die USA sind nicht mit dem gleichen Maßstab zu messen, wie ein Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Beide Entwicklungen sind historisch begründet und haben ihre Berechtigung. Häufig werden die Amerikaner dafür verdammt, daß sie das verhalten anderer Länder ausschließlich nach ihren (den amerikanischen) Maßstäben beurteilen. Machen wir hier nicht genau den gleichen Fehler? Insbesondere wenn es sich um ein so emotional aufgeladenes Thema wie einen Amoklauf handelt.
4. Bei einer Zahl von allein 29.714 Verunglückten im Straßenverkehr und 374 Verkehrstoten allein im Januar 2007 ruft in deutschland auch niemand nach einem Verbot von Autos, oder?
Ich glaube, ein bißchen weniger Emotionalität und damit ein wenig mehr Sachlichkeit ist bei der Diskussion durchaus angebracht.
Boeblinger (19.04.2007, 00:55 Uhr)
Ein anderer Blickwinkel
Natuerlich ist es ein Unding dass jeder noch so psyschich gestoerter sich eine Waffe besorgen kann und dann losballert.
Dies ist jedoch unabhaengig von Waffengesetz (siehe Erfurt) denn mit der nötigen krimminellen Energie klappt das.
Die interessante Frage waere doch was wäre geschehen wenn von den sicherlich über hundert Studenten im Gebaeude 30 bis 40 eine Waffe mit sich getragen haetten. Wie schnell waere der Amokläufer gestoppt worden ?
Es ist doch ein Gefühl der Ohnmacht dass der Staat mich nicht schützen kann andererseits mir verbietet mich zu meinem Schutz zu bewaffnen.
Ist es ein Denkansatz dass ein Recht auf private Bewaffnung ein Schutz gegen solche Amikläufer bietet ?
Habe selbst 4 Jahre in USA gelebt und nach 12 Monaten hatte ich eine Pistole im Nachtisch und fühlte mich sicherer obwohl ich nicht in der "Bronx" wohnte.
tripex (18.04.2007, 21:35 Uhr)
NRA droht mit Buergerkrieg?
Wenn auch indirekt, ich emfinde das als eindeutige Anstiftung. Das ist ungefaehr auf dem gleichen Niveau wie: Es koennte sein, dass Raucher ehem. Raucherlokale niederzubrennen.
@BEEGEESFAN
Die meisten Leute machen sich nicht die Muehe, Artikel in kompletter Gross- oder Kleinschrift zu lesen.
Malt (18.04.2007, 21:32 Uhr)
USA, USA
Die Amis... da kann man sich manchmal echt nur noch wundern... wenn ioch diese Logik richtig interpretiere bedeutet das:
- Ihr Fuß ist gebrochen? Na, dann machen Sie doch mal den Oberkörper frei...
- Der Klimawandel ist das Ende der welt? Dann sollten wir schleunigst den internationalen Terrorismus bekämpfen...
- Nordkorea hat die Atomwaffe? Na, dann machen wir dem Iran mal feuer unterm Arsch...
oh man...
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