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Geistliches Oberhaupt der Tibeter feiert Geburtstag

Er gilt als Inbegriff der Freundlichkeit und Friedfertigkeit. Sein verschmitztes Lächeln verleiht ihm etwas Jungenhaftes und könnte über sein wahres Alter hinwegtäuschen. Doch der Dalai Lama ist in die Jahre gekommen: Am Dienstag wird das geistliche Oberhaupt der Tibeter 75 Jahre alt.

Aus dem indischen Exil heraus und auf seinen vielen Reisen um die Welt kämpft der Dalai Lama für eine friedliche Lösung der Tibet-Frage. Nur selten schlägt der Buddhist dabei scharfe Töne an, wie nach dem gewaltsamen Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in Tibet im Jahr 2008. Sein Ziel ist jedoch nicht die Unabhängigkeit Tibets, sondern eine begrenzte Autonomie der unter chinesischer Herrschaft stehenden Himalayaregion. Gewaltfreiheit ist das oberste Prinzip des buddhistischen Mönchs - obwohl sein eigenes Leben von Willkürherrschaft und Gewalt geprägt wurde.

Als 15-Jähriger erlebte er den Einmarsch der chinesischen Armee in Tibet und wurde eiligst auf den Thron gehoben. In den folgenden neun Jahren versuchte er, die Tibeter vor den Besatzern zu schützen. Aber 1959 schlug China einen Aufstand blutig nieder und brach sein Versprechen, den Tibetern Autonomie zu gewähren. Für den Dalai Lama wurde es gefährlich. Der 24-Jährige floh mit seinem Gefolge über das Himalaya-Gebirge ins indische Dharamshala, das bis heute die tibetische Exilregierung beherbergt.

China wirft dem Dalai Lama vor, unter dem Deckmantel der Religion die Abspaltung Tibets zu betreiben. Für die Führung in Peking ist der von westlichen Politikern und Medien umschwärmte Dalai Lama eine stetige Provokation. Staats- und Regierungschefs, die sich mit ihm treffen, zeigt die chinesische Regierung zumindest eine Zeit lang die kalte Schulter.

Im Februar verschärfte das Treffen zwischen US-Präsident Barack Obama und dem Dalai Lama die diplomatischen Verstimmungen zwischen Washington und Peking. Die chinesische Regierung sprach von einer "ernsthaften Schädigung" der bilateralen Beziehungen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy trafen den Dalai Lama ungeachtet der scharfen Proteste aus China. Den scheidenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch verbindet mit dem Dalai Lama eine persönliche Freundschaft.

Um die Belange der Tibeter öffentlich zu vertreten, nutzt der Dalai Lama die Macht der Medien. Im Fernsehen ist der humorvolle Mönch mit der großen Brille ein gern gesehener Gast. Die US-Filmindustrie widmete ihm mit "Kundun" und "Sieben Tage in Tibet" zwei große Kinofilme. Für seine Bemühungen um eine friedliche Lösung der Tibet-Frage wurde der Autor dutzender Bücher 1989 mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Buddhistisches Oberhaupt der Tibeter ist er, seit er denken kann: Bereits als Vierjähriger wurde der am 6. Juli 1935 als Lhamo Dhondrub geborene Sohn armer Bauern als Inkarnation des Dalai Lama entdeckt. Im Februar 1940 zog der 14. Dalai Lama in den riesigen Potala-Palast in Lhasa ein und wurde fortan auf seine Rolle als buddhistisches Oberhaupt vorbereitet. Dabei hatte er zunächst durchaus Interesse an weltlichen Dingen. In jungen Jahren soll er sich für Autos interessiert und auch einen Wagen gegen das Palasttor gefahren haben. Bis heute soll er ein Faible für Uhren haben.

Ungeklärt ist die Nachfolgefrage. China könnte sich in die Suche nach einem Nachfolger einmischen und einen Peking wohlgesonnenen Menschen auswählen, fürchten die Tibeter. 1995 hatte China bereits einen damals sechsjährigen Jungen festgenommen, den der Dalai Lama zum Panchen Lama - dem zweitwichtigsten Geistlichen in Tibet - bestimmt hatte. Peking wählte daraufhin einen eigenen Panchen Lama, der seitdem als Zeichen chinesischer Vorherrschaft in Tibet präsentiert wird. Möglich ist, dass der Dalai Lama entgegen tibetischer Tradition selbst seinen Nachfolger benennt.

AFP/AFP
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