Münsters verschollenes Maskottchen Petra lebt

8. April 2013, 07:17 Uhr

Jahrelang hielt die ungewöhnliche Liebe zwischen einem schwarzen Schwan und einem weißen Tretboot in Münster. Dann verschwand der Schwan. Jetzt ist er wieder da. Von Jens Wiesner

Petra, Schwan, Münster, Tretboot, Osnabrück, aufgetaucht

Da war die Welt noch in Ordnung - zumindest für das Münstersche Stadtmarketing: Petra im Jahr 2008 mit Ex-Geliebtem auf Münsters Aasee.©

Für gewöhnlich richten sich die Augen der Weltpresse nur selten auf Münster. Warum auch? In der beschaulichen Studentenstadt war die Welt schon immer ein wenig mehr in Ordnung als andernorts. Und doch zogen im Sommer 2006 Kamerateams aus aller Welt an den Aasee, um eine der wohl ungewöhnlichsten Liebesgeschichten seit King Kong und der weißen Frau auf Zelluloid zu bannen: Ein schwarzer Schwan, Petra genannt, hatte sich in ein schwanenförmiges Tretboot verliebt und folge dem künstlichen Artgenossen fortan auf Schritt und Tritt. Jahrelang hielt die ungewöhnliche Liebesgeschichte die Westfalen in Atem - und das Stadtmarketing rieb sich die Hände angesichts des neuen Wahrzeichens. Kinderbücher, CDs und zahlreiche Merchandising-Artikel überschwemmten die Stadt. Im Rat Münsters wurde gar darüber diskutiert, den schwarzen Schwan ins Stadtwappen aufzunehmen.

Das böse Erwachen folgte am Neujahrsmorgen 2009: Den Kater noch in ihren Gliedern joggten die ersten verschlafenen Münsteraner um den Aasee und mussten verstört feststellen: Ihr aller Lieblingsschwan war fort. Spontane Suchgruppen durchkämmten das Westfalenland, Experten wurden befragt, doch alle Spuren verliefen ins Leere. Petra blieb vermisst, die Anzeichen deuteten auf ein Ableben in aller Stille. Also tat der Münsteraner, was ein guter Katholik eben tut: Man prostete an den Stammtischen auf das Wohl des wohl verblichenen Mitbürgers, zog für ein Jahr den Trauerflor über - und lebte sein Leben weiter wie bisher.

Fand das ganz große Glück in Osnabrück: Petra

Doch manchmal verhält es sich mit Totgesagten wirklich wie in der Redensart: "Petra lebt" titelte die Münstersche Zeitung am Samstagabend und berichtete, was sich damals vor vier Jahren zugetragen haben muss: Der Abend hatte sich schon zur Nacht geneigt, als es am 2. Januar 2009 bei Wolfgang Herkt, Leiter der Vogel-Pflegestation in Osnabrück, plötzlich Sturm klingelte: Ein junges Paar hatte auf einem Feldweg zwischen Münster und Osnabrück einen völlig entkräfteten und ausgemergelten Schwan entdeckt, Fieber und Durchfall plagten das Tier, es sah nicht gut aus. Mit einem Tropf wurde die Schwanendame laut "MZ" wieder aufgepäppelt und freundete sich mit einem schwarzen Schwanenmann an, der ebenfalls in der Station lebte. Auf die Idee, dass es sich bei dem Findling um die im nur 50 Kilometer entfernten Münster verzweifelt gesuchte Petra handelte, kam in Osnabrück niemand. Und so wäre das Schicksal des Schwanen-John-Does wohl im Dunklen geblieben, hätte nicht eine Journalistin, die um Petras Verschwinden wusste, eine Geschichte über die Vogelstation geschrieben. Die Frau zählte eins und eins zusammen - und schon bald stand Münsters Zoodirektor Jörg Adler auf der Matte der Vogelstation.

Gerne hätte er Petra mitgenommen, zurück in ihre alte Heimat, zurück zu ihren zahllosen Fans - doch der Leiter der Vogelwarte lehnte mit klaren Worten ab. Die Stadt Münster habe einen großen Fehler begangen, indem sie den Schwan trotz eisigen Wetters nicht in ein Winterquartier geholt habe. "Und dann musste dieses Tier dort auch noch das Silvesterfeuerwerk ertragen", erboste sich Herkt in der "MZ". "Schlimmer und dummer und rücksichtsloser gegenüber dem Tier geht es nicht." Das musste auch Zoodirektor Adler zerknirscht zugeben - und zog ohne Petra wieder von dannen. Glücklich, dass Münsters einstiges Wahrzeichen sich nun für Osnabrück entschieden und dort einen Partner habe, sei er aber trotzdem: "Bei uns hatte sie nur ein Tretboot."

Zum Thema
Panorama
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Gast: WARUM FÜHREN MANCHE KAPSELN ZUR VERSTOPFUNG?

 

  von Gast 98746: Chiptuning Mercedes Benz E 200 T CDI Erstzulassung 06/13

 

  von BitteFreundlich: Welcher Körperteil ist am häufigsten von Osteochondrose betroffen?

 

  von Gast 98742: Altmietvertrag aus der ehemaligen DDR

 

  von Gast: Das iPhone meiner Freundin hat ne seltsame Macke. schwarzer Bildschirm. anrufe kommen rein, man...

 

  von Amos: Muß die Frage nochmal stellen: Überweisung per Online-Banking auf ein Unterkonto bei derselben...

 

  von Gast: Stern-Sudoku-Gewinnspiel

 

  von Gast: Kann man Handelsübliches Jodsalz in ein Fußsprudelbad geben wenn die Haut verletzt ist?

 

  von Gast: zerbrochene Fensterscheibe

 

  von Amos: Wenn zum Bau eines Hauses Wasser aus einem städtischen Hydranten entnommen wird: wie wird das...

 

  von Der_Denis: Kunststoff - warum so schlechtes Image

 

  von Gast 98682: Wenn ich ein Konto in der Schweiz eröffne, wie hoch ist die Mindesteinlage?

 

  von Gast 98680: Welche Programme gibt es für Zuschüsse an gemeinnützige vereine

 

  von Gast 98676: Führerschein vergleischen

 

  von Amos: Mineralwasser aus dem Schwarzwald nennt sich Black Forrest: ist das ein Gag, ein MIßgriff oder...

 

  von Gast 98669: können adoptierte ausländische erwachsene in Bayern studieren?

 

  von Gast 98667: Reisepass abgelaufen

 

  von Gast 98659: palmen in irland

 

  von Gast 98655: Kosten im Pflegefall

 

  von Amos: Maut: jetzt für Autobahnen und Bundesstraßen. Da die Bundesstraßen B 1, B 236 und B 54 mitten durch...