Startseite

Sigmar Gabriel über seine Interrail-Tour 1976

Der stern fragte Prominente: Was war der Sommer Ihres Lebens? Sigmar Gabriel erzählt von seiner Interrail-Tour 1976. Als er sehr schlank war und eine Dose Wurst am Grab Napoléons explodierte.

Von Andreas Hoidn-Borchers

  Sigmar Gabriel, heute 53, blickt zurück. Damals war er 16 und tourte mit drei Freunden durch Europa. Jeder hatte etwa 200 Mark dabei. Das musste reichen.

Sigmar Gabriel, heute 53, blickt zurück. Damals war er 16 und tourte mit drei Freunden durch Europa. Jeder hatte etwa 200 Mark dabei. Das musste reichen.

Der "Sommer meines Lebens" war eigentlich der erste Urlaub mit meiner Tochter Marie. Aber ich gebe zu: Zwei Wochen lang unserem Baby am Strand von Ahrenshoop beim Schlafen zuzusehen, fanden vielleicht nur wir Eltern aufregend. Also ein anderer Sommer: 1976. Wir waren vier Jungs. Gerald, Glasi, Dirk und ich. Mit Rucksäcken, Isomatten, Schlafsäcken, Rei in der Tube und dem unbändigen Drang, endlich ohne Aufsicht raus in die Welt zu fahren.

Per Interrail. Ich war 16 Jahre alt und gerade fertig mit der Mittelschule für Knaben. Ich hatte gejobbt, um das Ticket und die dreiwöchige Reise finanzieren zu können. Am Hochofen in der Glasfabrik für 6,23 Mark die Stunde, ein Riesenlohn für einen Jugendlichen. Oder acht Stunden monoton Filzmatten zuschneiden, die Bewegung kann ich heute noch.

Über Goslar, Bentheim an der holländischen Grenze weiter nach Amsterdam. Wir gehörten nicht zur Kiffer-Fraktion, Heineken reichte uns. Wir wollten weiter in die Stadt, von der alle träumten: Paris. Wir haben uns alles angeguckt, vom Eiffelturm bis zum Centre Pompidou. Das waren fantastische Eindrücke für einen Jungen aus kleinen Verhältnissen wie mich.

Eine Szene werde ich nie vergessen. Da wir wenig Kohle hatten, schleppten wir Dosen mit Rotwurst und Leberwurst aus eigener Schlachtung mit. 1976 war ein verdammt heißer Sommer. Nun saßen wir am Dôme des Invalides, diesem französischen Heiligtum, und hebelten eine Wurstdose auf. Die explodierte und saute alles mit flüssiger Rotwurst ein. Wir sind in hohem Bogen rausgeflogen. Also, meine Erinnerungen an Paris sind geprägt von einer explodierenden Dose Rotwurst am Grab Napoleons.

Wir fuhren dann ans Mittelmeer, holten uns unfassbare Sonnenbrände, und wieder zurück, rüber nach Großbritannien. Wales, Plymouth, Schottland, London, alles. Wir schliefen im Zug, im Freien, in Jugendherbergen. In Kensington landeten wir in einem Hostel, in dem es besser war, alle Habseligkeiten nachts an den Körper zu binden.

Wirklich seltsam, diese britischen Pubs

Danach haben wir lieber in Bahnhofshallen übernachtet als in derartigen Bruchbuden. Wirklich schockiert hat uns allerdings etwas anderes: dass die Pubs erst um 17 Uhr öffneten - und um 23 Uhr wieder schlossen. Nachdem die Wurst weg war, haben wir uns hauptsächlich von Weißbrot und Wasser ernährt. Ich vermute, ich war nie wieder so schlank wie in diesem Sommer. Wir hatten ja jeder nur etwa 200 Mark, und die wollten gut überlegt ausgegeben werden: für Heineken oder Karlsberg.

Am Ende landeten wir total pleite wieder in Amsterdam. In der Kantine der Eisenbahner bekamen wir ein Frühstück, die haben sich unser erbarmt, weil wir so abgerissen aussahen. In diesen Sommerwochen hatte ich das erste Mal das Gefühl, erwachsen zu sein. Nur eins fehlte. Wir hatten alle Freundinnen zu Hause und waren - man glaubt es kaum - treu.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.

Partner-Tools