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19. August 2005, 08:23 Uhr

Nur wenig Zeit für Pilger

Papst Benedikt XVI. hatte am zweiten Tag seines Aufenthalts in Köln nur wenig Zeit für die Jugend dieser Welt: Politiker und Würdenträger standen auf dem Besuchsprogramm - und der Papst schrieb damit Geschichte.

Zuschauer warten vor der Synagoge in Köln auf Papst Benedikt XVI.© Rolf Vennenbernd / DPA

Papst Benedikt XVI. hat den zweiten Tag seines Deutschlandaufenthalts mit einem Besuch bei Bundespräsident Horst Köhler in der Villa Hammerschmidt begonnen. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche wurde vor dem Bonner Amtssitz des Präsidenten von Köhler selbst empfangen. Im Haus trug sich der aus Deutschland stammende Joseph Ratzinger in das Gästebuch ein, bevor er sich mit Köhler zu einem Vier-Augen-Gespräch ins Kaminzimmer zurückzog. Zahlreiche Zuschauer säumten die Straßen in Bonn, um den Gast aus dem Vatikan zu sehen. Auch im Garten des Amtssitzes applaudierten mehrere hundert Gläubige dem Papst.

Bundespräsident und Papst hatten sich bereits am Donnerstag bei der Ankunft auf dem Köln-Bonner Flughafen getroffen. Köhler hatte in seiner Begrüßungsansprache die Freude der Bundesbürger zum Ausdruck gebracht, dass Benedikt XVI. nach seiner Papst-Wahl Ende April auf seiner ersten Auslandsreise sein Heimatland besuche. Zudem bewege es die Deutschen ganz besonders, dass einer von ihnen Papst geworden sei. In einer spontanen Geste hatte der Papst daraufhin die Rede des Bundespräsidenten ausdrücklich gelobt.

Am Donnerstag nahm Papst Benedikt vor dem Kölner Dom ein Bad in der Menge© Federico Gambarini / DDP

Historischer Besuch der Kölner Synagoge

Von Bonn aus fuhr Benedikt zurück nach Köln, um die Kölner Synagoge zu besuchen. Bei diesem Besuch hat der Papst jeglicher Art jede Form von Rassismus und Antisemitismus verurteilt. "Die katholische Kirche tritt ein für Toleranz, Respekt, Freundschaft und Frieden unter allen Völkern und Kulturen", sagte Benedikt XVI. am zweiten Tag seines Deutschlandbesuchs. Jede Diskriminierung eines Menschen um seiner Rasse, Farbe oder Religion willen widerspreche dem Christentum. Der Papst betonte dabei, er werde den von seinem Vorgänger Johannes Paul. II eingeschlagenen Weg zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Juden und Christen "mit voller Kraft" weitergehen. Das katholische Kirchenoberhaupt war zuvor vom jüdischen Gemeindevorstand Abraham Lehrer als "größter Brückenbauer" zwischen den Religionen begrüßt worden. Benedikt XVI. stehe für Akzeptanz und Toleranz gegenüber dem Judentum. Der Rabbiner der jüdischen Gemeinde, Netanel Teitelbaum sagte: "Ihr Besuch heute ist ein Schritt zum Frieden zwischen den Völkern der Welt, ein Zeichen gegen den früheren kirchlichen Antisemitismus." Zu Beginn seines Besuchs hatte der Papst zusammen mit dem Vorstand der jüdischen Gemeinde in der Gedenkhalle der Synagoge der Opfer des Holocaust gedacht.

Als historisches Ereignis hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, den Besuch von Papst Benedikt XVI. in der Kölner Synagoge bezeichnet. Er würdigte den Besuch des Papstes in der Synagoge als einen "wichtigen Schritt auf dem Weg zur Verständigung und Aussöhnung zwischen den Religionen." Es sei das erste Mal, dass ein Papst, dazu noch ein Deutscher, in Deutschland eine Synagoge betrete, kommentierte Spiegel in der "Rheinischen Post". Dies sei ein "sehr hoffnungsvolles Zeichen, dass wir wirklich auf einem Weg der Verständigung zwischen den Religionen sind".

Aufkeimenden Antisemitismus verhindern

Der Zentralsratspräsident appellierte an Benedikt XVI., seinen Einfluss geltend zu machen, um den laut Spiegel auch unter den Katholiken wieder aufkeimenden Antisemitismus zu verhindern. Spiegel hat sich "tief beeindruckt" über die Aussagen des Papstes beim Besuch der Kölner Synagoge gezeigt. Ihm habe besonders gefallen, dass Benedikt die "Gemeinsamkeiten von Christen und Juden in den Mittelpunkt gestellt hat", sagte Spiegel am Freitag. Benedikt XVI. habe sich zum Punkt der christlichen Mitschuld an der langen Verfolgung von Juden seinem Vorgänger Johannes Paul II. angeschlossen. "Die Geste des Besuchs und die Rede wirkt hoffnungsvoll in die Zukunft", sagte Spiegel, der sich nach eigenen Angaben beim Papst für die Rede bedankt hat. Er habe den Synagogenbesuch "sehr überzeugend und glaubwürdig" gefunden.

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