. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
20. Mai 2008, 21:30 Uhr

Das Rätsel um die Drogenkurierin

Seit zehn Monaten sitzt die junge Duisburgerin Sabrina A. in der Türkei in Haft. Sie soll versucht haben, Heroin zu schmuggeln. Sie beteuert ihre Unschuld. Inzwischen ist klar, dass zumindest ein türkischer V-Mann an dem Deal beteiligt war. Der Fall wirft mehr Fragen auf als er Antworten gibt. Von Frauke Hunfeld und Metin Yilmaz

Sabrina A. mit ihrem im Gefängnis geborenen Sohn Jason.© stern.de

Dieses junge Gesicht, das passt gar nicht zu ihr. Zwanzig Jahre ist Sabrina A. aus Duisburg-Rheinhausen alt, zwanzig Jahre, in denen schon eine Menge schiefgelaufen ist. Sabrina A. hat die Schule nach der sechsten Klasse verlassen, eine Ehe hinter sich mit einem Mann, der wegen Drogen ins Visier der Staatsanwaltschaft geriet, zwei Kinder geboren, und sitzt seit einem dreiviertel Jahr wegen bandenmäßigem Rauschgifthandels im türkischen Izmir in Haft - zusammen mit dem kleinen Jason, den sie im Gefängnis geboren hat. Am Mittwoch wird der Prozess vor dem Schwurgericht in Izmir fortgesetzt.

Die öffentliche Aufmerksamkeit hält sich bisher allerdings in Grenzen, anders als zuletzt im Fall "Marco". Dass die junge Duisburgerin Sabrina A. nichts gewusst und nichts geahnt haben will von den fünf Kilo Heroin in ihrer Tasche, das glauben derzeit weder Staatsanwaltschaft noch Gericht. Dass sie trotzdem ein Opfer ist, und keine Mafiabraut, ist dagegen sehr wahrscheinlich.

Am zwölften Juli vergangenen Jahres reist Sabrina mit ihrem Freund Christian H. in die Türkei. Die Reise, so Sabrina zur Staatsanwaltschaft, habe sie geschenkt bekommen. Ein Freund ihres getrennt lebenden Ehemanns war so nett, ihr und Christian, dem jetzigen Gefährten, vier Tage Türkei zu schenken, mit Flug und Hotel und allem drum und dran. Den Wohltäter selber kannte sie nicht. Der nette Kerl vom Swimmingpool und die Drogentasche Schon am zweiten Tag, so Sabrinas Version, habe sie einen Anruf, erhalten - ihre Mutter sei schwer erkrankt. Daraufhin habe sie zurückgewollt, und Nihat, der nette Kerl vom Swimmingpool, der sich als der Freund des Ehemanns vorgestellt habe, und mit einem anderen "Kumpel" im Hotel war, habe den Rückflug organisiert und das Ticket bezahlt. Nur eine Tasche habe sie dafür mitnehmen sollen, mit Kleidung für eine Freundin und kiloweise Süßigkeiten. Sie habe die Tasche durchsucht, nichts Verdächtiges gefunden, ihre eigenen Sachen mit hineingelegt und dann ist sie mit Nihat los. Christian lässt seine schwangere Freundin alleine fliegen, er will noch einen Tag länger Urlaub machen.

Das Flughafengebäude erreicht die Zwanzigjährige allerdings nicht. Kurz vorher werden sie gestoppt, Zivilpolizei, Gendarmerie, Uniformierte - eine Großaktion. Nihat gesteht sofort, dass fünf Kilo Heroin in der Tasche sind und weitere fünfzehn im Hotelzimmer. Die Polizei durchsucht das Hotel, spricht mit Christian. Auch Erdal, der "Kumpel", läuft noch herum, hat aber offenbar keinerlei Problem mit der Polizei, obwohl er Mitbewohner eines Zimmers ist, in dem fünfzehn Kilo Heroin lagern. Christian darf unbehelligt und ohne aktenkundige Vernehmung ausreisen.

Seit einem dreiviertel Jahr sitzt Sabrina nun in Haft, bei sich ihren kleinen Sohn. Ihr "Fall" wird immer seltsamer. Fakt ist, dass die Drogenkurierfahrt der Sabrina A. von Anfang an amtlich begleitet war. Dass nie die Gefahr bestand, dass das Heroin türkischen Boden verlässt. Dass die türkischen Behörden Bescheid wussten, vom ersten bis zum letzten Augenblick. Die eigentliche Frage ist nur noch: Wer hat hier eigentlich wen reingelegt? Wer hat wen benutzt? Wer ist Täter, wer ist Opfer? Und wer hielt sich für besonders schlau und war doch nur der kleine Wurm am Angelhaken der Mafia?

Dass "Erdal" wohl nicht Erdal heißt, sondern ein V-Mann der türkischen Behörden ist, der den vermeintlichen Handel penibel dokumentierte, ergibt sich aus den Akten. Nihat, das in Deutschland gescheiterte Migrantenkind, selbst drogensüchtig, war schon wochenlang vorher im Visier der Behörden. Er sollte für mächtige Händler für ein bisschen Geld und ein bisschen Heroin als Bindeglied zu deutschen Touristen fungieren.

Und das wohl nicht zum ersten Mal. Die Richter ließen sich die Verbindungsdaten seines Mobiltelefons und sein Bewegungsprofil aus den letzten drei Monaten zukommen. Sein Handy, auf den Namen eines Russen in Istanbul eingetragen, weist mindestens drei weitere Kurierfahrten zwischen 10. Juni und 14. Juli 2007 auf. Die Route war immer die gleiche: Start in Istanbul, oft mit dem Bus über Nacht, die Fahrt dauert 14 Stunden. Kurzer Aufenthalt in Antalya, dazwischen viele Telefonate nach Deutschland. Dann die Rückreise nach Istanbul, oft per Flugzeug.

Der Taxifahrer, der mit Sabrina verhaftet wurde, ist derselbe, der sie und ihren Freund zwei Tage vorher am Flughafen abgeholt hat. Er war es auch, so die Auswertung der Videoüberwachung, der Nihat E. mit den vier Drogen-Koffern am Busbahnhof abholte und in das selbe Hotel brachte. Und am Vormittag des Tages, an dem sie gemeinsam verhaftet wurden, war er mit dem Deutsch-Türken am Flughafen, um für Sabrina das neue Flugticket zu besorgen. Trotzdem ist er inzwischen wieder frei.

Am interessantesten sind die Fragen, die nicht gestellt wurden

Aber was wusste Sabrina? Warum hat sie die Tasche durchsucht, wenn sie doch ohne Arg war? Warum geht ihr Flugzeug nach Leipzig, obwohl die kranke Mutter im Ruhrgebiet lebt? Wie heißt die seltsame Freundin, an die die Süßigkeiten übergeben werden sollten, und wie sollte Sabrina sie finden, wo sie nichtmal ihren Namen kannte und auch nicht die Adresse?

Warum durfte Christian unbehelligt ausreisen? Warum wurde der Lebensgefährte einer Drogenkurierin nicht wenigstens aktenkundig vernommen - zumal man ja immerhin den Verdacht haben könnte, die übrigen fünfzehn Kilo, die noch im Hotel standen, könnten für ihn bestimmt gewesen sein. Die Vernehmungen der Verdächtigen und Zeugen sind seltsam zahm. Am interessantesten scheint fast, welche Fragen nicht gestellt wurden.

Christian schreibt viele Briefe an seine Freundin im Knast und "an den türkischen Richter". Dass sie "nur helfen wollten und das sei jetzt der Dank." Dass er Sabrina liebe und dass er sich sehnt nach seinem kleinen Sohn, den er noch nie gesehen hat. Dass sie reingelegt wurden, auch wenn er selber vielleicht nicht weiß, von wem eigentlich.

Von Frauke Hunfeld und Metin Yilmaz
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
zaxxon (21.05.2008, 12:28 Uhr)
aber...aber...
sie ist doch frau,mutter,arm und war mit nem migranten zusammen! war sie da nicht für ein opfer hält ist doch bestimmt selber schuld!? ;-/
nese (21.05.2008, 11:15 Uhr)
Tja, dumm gelaufen :-(
...aber Dummheit schuetzt nur in den allerseltensten Faellen vor Strafe.
paulmaz (21.05.2008, 11:07 Uhr)
Opfer
Oben im Bericht wird festgestellt,
das Mädchen ist ein "Opfer". Marco
ist ebenfalls ein"Opfer".So langsam
gewinnt man den Eindruck, deutsche
Staatsbürger können im Ausland an-
stellen was sie wollen,sie sind grund
sätzlich unschuldig und damit"Opfer".
Wenn das stimmt, was über das bis-
herige Leben der20jährigen geschrie-
ben wird, reicht das eigentlich für
ein ganzes Leben. Man könnte auch sagen, es ist das Leben eines "Flitt-
chens.
nixisfuerimmer (21.05.2008, 10:08 Uhr)
Ein genrelles Urteil..
.. kann doch niemand, auch nicht in diesem Fall, abgeben. Das ein Mensch mit schlechtem Bildungsgrad sich naiv und unwissend in bedrohliche Situationen bringt - vielleicht auch aus Existenznöten - ist ja nichts Neues. Neu ist vielleicht, dass diese Menschen im Rahmen der Globalisierung und des Massentourismus, eine diplomatische Krise kreieren können. Aber das hat nichts mit "den Steuerzahlen", "den Türken" oder "den Deutschen" zu tun. Das ist wie ein neues Virus, für den den eine Medizin gefunden werden muss ;-) und - normal!
Vincent_Vega (21.05.2008, 09:14 Uhr)
@manndernichtdaist
hallo wollte eigetlich selber ´nen Kommentar ablassen, aber Sie haben schon alles gesagt.
Noch dazu: Wenn ein V-Mann den Deal begleitet und die Polizei bis zur Ausreise wartet, um einzugreifen, stinkt das schon ein bißchen. 20 Kilo (5 im Gepäck, 15 auf dem Zimmer) hätten doch wohl genügt, um den dicken Fisch zu angeln.
manndernichtdaist (21.05.2008, 09:04 Uhr)
@maria1000
du wirst es nicht glauben für wieviele türken du hier zahlst.... aber für eine deutsche die ein baby hat würdest du keinen cent hergeben.
aber für den deutschen, der die britin vergewaltigt hat, hast du dich bestimmt eingesetzt oder?
die geschichte hat einen faden beigeschmack das ist schon richtig, aber es soll ja auch naive menschen geben die ziemlich alles glauben. z.b. dass der typ die britin nicht vergewaltigt hat, oder dass die türkischen gefängnisse voller ratten wären oder dass eben süssigkeiten in der tasche waren. man darf sich da nicht vorstellen dass das heroin einzeln abgepackt da drin war, sondern eher z.b. in einer bonbontüte versteckt.
aber denken ist halt bei manchen kommentatoren hier glückssache.
Ryan2k (21.05.2008, 08:50 Uhr)
HALLO !?
Wer verschenkt den einfach so einen Urlaub an Personen die er gar nicht kennt ? Wie lächerlich ist das den. Wahrscheinlich hat der Ex von der das eingefädelt. Glaub aber auch nicht das sie nicht davon wuste. So dum muss man erstmal sein das man Heroin nicht von Süßigkeiten unterscheiden kann ;)Die Türkische Justz ist mal wieder ein Fall für sich..... Bin froh das ich noch nie da war und auch nicht hinfliegen werde....
Brave_New_World (21.05.2008, 08:46 Uhr)
@gmathol
die einzige Lachnummer sind sie hier mit ihren kranken vorstellungen, dass man 1MIO türken abschieben soll. hahah habe mich seit langem nicht mehr so köstlich amüsiert. sie haben mir echt den tag versüsst, dankeee
Maria1000 (21.05.2008, 08:34 Uhr)
@Friedolin,
ich bin komplett DAGEGEN, dass Deutschland, also der Steuerzahler, für solche Kriminellen wie diese Frau Geld zahlt! Wie komme ich dazu, für so jemanden Steuern zu zahlen?
Die ist selber schuld, soll ihre Familie oder Verwandtschaft doch zahlen, wenn sie nach D will...zudem bin ich dafür, dass Strafen in dem Land und auf Kosten des Landes abgesessen werden, in dem man die Tat begangen hat! In diesem Fall sollte sie daher ihre Gefängnisstrafe auch in der Türkei absitzen!
friedolin (21.05.2008, 05:06 Uhr)
Es war zu erwarten,
dass die Türkei ein Ersatzdruckmittel für Marco gebraucht, gesucht und gefunden hat.
Mal schauen was Deutschland diesmal für die Freilassung bieten muss. Bei Marco war es die Auslieferung zweier kurdischer ethnisch, kulturell, religiös und politisch verfolgter Freiheitskämpfer.
MEHR ZUM ARTIKEL
Türkei 20-Jährige bestreitet Schmuggelvorwürfe

Im Sommer 2007 ist die 20-jährige Sabrina A. mit fünf Kilogramm Heroin in der Türkei verhaftet worden. Die Duisburgerin sitzt seitdem im Gefängnis und steht nun wegen Drogenschmuggels vor Gericht. Beim Prozessauftakt bestritt sie die Vorwürfe mehr...

Prozess in Antalya Haftstrafe für Marco unrealistisch

Erneut ist der Prozess gegen Marco Weiss verschoben worden. Fortsetzung folgt. Allerdings glaubt selbst Ömer Aycan, Anwalt des mutmaßlichen Opfers Charlotte, nicht mehr daran, dass der 18-jährige Uelzener ins Gefängnis muss. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe