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19. Januar 2010, 10:09 Uhr

"Betriebsratsverseucht" Unwort des Jahres 2009

Wörter, die völlig fehl am Platz sind, gibt es in der deutschen Sprache jede Menge. Doch nur eines hat jedes Jahr die zweifelhafte Ehre, zum Unwort gekürt zu werden. "Betriebsratsverseucht" ist in diesem Jahr unangefochten vorn, hat die sprachkritische Jury beschlossen.

Unwort des Jahres, Unwort, Unwort des Jahres 2009

Eine Jury von Sprachwissenschaftlern und Journalisten wählt das Unwort des Jahres. 2009 lautet es "betriebsratsverseucht"© Marc Müller/DPA

Das Unwort des Jahres 2009 heißt "betriebsratsverseucht". Dafür hat sich die unabhängige Jury unter Leitung des Sprachwissenschaftlers Horst Schlosser entschlossen, wie der Professor am Dienstag in Frankfurt am Main bekanntgab. Das Wort war in der ARD-Sendung "Monitor" am 14. Mai vergangenen Jahres verwendet worden. Darin berichtete ein Mitarbeiter einer Baumarktkette, der Begriff werde von Abteilungsleitern benutzt, wenn ein Mitarbeiter von einer Filiale mit Betriebsrat in eine ohne Betriebsrat wechseln wolle. Dort könnte ihm vorgehalten werden, dass sein bisheriges Vertrauen in eine Arbeitnehmervertretung die Einstellung gefährde. Die Jury erklärte, die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen störe zwar viele Unternehmen. Sie als "Seuche" zu bezeichnen, sei indes zumindest ein sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen.

Auf den weiteren Plätzen für das Unwort des Jahres landeten die Begriffe "Flüchtlingsbekämpfung", "intelligente Wirksysteme" und als sogenanntes Börsenunwort "Bad Bank". Von "Flüchtlingsbekämpfung" habe Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einem "Bürgerforum" der Bertelsmann-Stiftung gesprochen. Damit habe sie einen Teil des deutschen Beitrags zum Migrationsproblem benannt, nämlich die Abwehr von Flüchtlingen an Europas Grenzen. Die Jury rügte die damit vorgenommene Gleichsetzung einer Menschengruppe mit einem negativen und deshalb zu bekämpfenden Sachverhalt. Das Wort erinnere an die Bekämpfung von Krankheiten, Seuchen oder Terrorismus und sei "ein dramatischer sprachlicher Fehlgriff".

Die Wahl zum "Unwort des Jahres" erfolgte in diesem Jahr zum 19. Mal. Begründet wurde die sprachkritische Aktion 1991. Diesmal beteiligten sich nach Angaben Schlossers 2.018 Einsenderinnen und Einsender aus dem In- und Ausland mit 982 verschiedenen Vorschlägen.

Die Unwörter der vergangenen zehn Jahre 1999: "Kollateralschaden"
2000: "National befreite Zone"
2001: "Gotteskrieger"
2002: "Ich-AG"
2003: "Tätervolk"
2004: "Humankapital"
2005: "Entlassungsproduktivität"
2006: "Freiwillige Ausreise"
2007: "Herdprämie"
2008: "Notleidende Banken"
2009: "betriebsratsverseucht"

APN/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
appaz (21.01.2010, 20:11 Uhr)
@koj4511
Mein tiefstes Mitleid. Sie verstehen den Sinn diese "Wettbewerbs" offenbar nicht einmal ansatzweise. - Machen Sie sich doch bitte erst einmal ein klein wenig schlau, bevor Sie sich blamieren und andere auch noch gegen sich aufbringen.
koj4511 (20.01.2010, 12:47 Uhr)
Was für eine Wahl.
Ein Wort wird einmal in einer Fernsehsendung genannt und zum Unwort gekürt. Was für ein Unsinn! Niemand hat dieses Wort benutzt oder sich darüber aufgeregt. Aber Herr Schlosser hat es nach langer Suche ausgegraben. Was will er eigentlich mit seiner Wahl aussagen: Wahrscheinlich doch nur, Ich finde jedes Jahr ein Wort - sei es noch so exotisch und selten benutzt - das den Kapitalismus schlecht aussehen läßt. Hoffentlich wird dieser Quatsch nicht noch mit unseren Steuergeldern finanziert.
esopherah (20.01.2010, 11:34 Uhr)
so weit sind wir gekommen
aber es wird noch sehr weit abwärts gehen. Firmen mit betriebsrat stehen immer besser dar und sind sicherer (auch für investoren) als welche ohne, und trotzdem will die elite lieber macht sammeln als wirtschaften. Genau gegen diese sog. elite muss in deutschland erstmal vorgegangen werden bevor sich was ändern kann. Die politik ist leider helfer der schergen, was für mich mit verrat gleichbedeutend ist (hoffentlich reicht das den admins nicht als löschbegründung).

@Prologo,Mikeorganizer
Die stern admins sind die grösten propagandahelfer die mir je in einem forum begegnet sind. hier wird gelöscht, zensiert und kommentierbar gemacht wie's gerade gefällt. Der eindruck ,dass alles was nicht springerfreundlich oder sogar kontrovers ist, entfernt wird drängt sich mir schon sehr lange auf. Klar könnte man das forum hier meiden, aber dann haben die neuen naz456456 gewonnen!
Mikeorganizer (20.01.2010, 09:07 Uhr)
Schon mal gemerkt ?
Gewisse Kommentare sind einfach nicht gewünscht - weil sie meist den wahren Sachverhalt darstellen, der aber einfach nicht allen Menschen zugängig sein soll. Darum versucht ja gerade die Regierung krampfhaft das Zensurthema im Internet doch irgendwie zu etablieren.
Nur so kann sich dieser korrupte Haufen noch vor dem Aufwachen des Volkes schützen. Die Gefahr für diese Leute war noch nie hoch wie jetzt durch das Internet und Fakt ist - es brodelt im Volk! Die Leute haben genug sich verarschen zu lassen, zumal man, dank des Internets, immer mehr die Zusammenhänge versteht.
SpringbokCT (19.01.2010, 15:31 Uhr)
> Prologo
Bei aller Kontroverse gebe ich Ihnen hier in der Sache recht. Die Löschungen sind nicht mehr nachvollziehbar.

Dabei meine ich nicht unbedingt meine eigene Kommentare. Hier stand z.B. ein Kommentar (nicht von mir), der ganz allgemein auf eine bekannte Affäre des VW-Betriebsrats anspielte, ohne aber jemand persönlich anzusprechen, der auch gelöscht wurde.

Dass zu bestimmten Themen wie die Kommentarfunktion ganz gesperrt ist, kann ich dagegen verstehen.
Prologo (19.01.2010, 15:16 Uhr)
An Administrator
In letzter Zeit fällt schon ein seltsames Verhalten des Admin in diesem Form auf.

Manche Artikel werden gar nicht für Kommentare freigeschaltet.

Dann wieder verschwinden Kommentare, die weder beleidigend noch sonst verwerflich waren.

Das ist nicht nur mir alleine aufgefallen.
Wenn Sie so weiter zensieren, oder blockieren, dann können sie sich bald alleine kommentieren.

MfG,
T.
Prologo (19.01.2010, 15:00 Uhr)
Hier standen um 14 Uhr schon 9 Kommentare.
Wo sind die geblieben.
DasBertl (19.01.2010, 12:43 Uhr)
Tja es reiht sich ein...
Es reiht sich ein in die Worte, die unsere Volkslenker, Vordenker und Arbeitgeber so auf den Ottonormalverbraucher einprasseln lassen: Humankapital, Entlassungsproduktivität, Notleidende Banken (was für ein Witz) und jetzt eben betriebsratsverseucht.
Es zeigt, wie Menschenverachtend "die da oben" über ihre Mitmenschen denken. Vielleicht nicht alle, aber verdammt viele...
appaz (19.01.2010, 12:40 Uhr)
Ein einziges Unwort reicht nicht mehr!
Bei den Mengen von Sprachmüll, der übrigens fast alleinig aus den Reihen der "oberen Zehntausend" stammt, ist es langsam an der Zeit, die "Dirty 10" zu küren.
arniston (19.01.2010, 12:32 Uhr)
gutes wort !
da wo in der gemeinschat und arbeitswelt,
geldgier in der GmbH an der tagesordung ist,
der versuch mit privaten tv kanälen abzulenken, bedanke man sich für diesen artikel.

auch der mindestlohn im hotelgewerbe, dass versklaven wegen brot, schützt nicht von der parteispende in millonenhöhe,und vor der dummheit einiger wähler !
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