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12. Januar 2011, 14:24 Uhr

Futtermittel-Panscher meldet Insolvenz an

Erste Konsequenzen im Dioxin-Skandal: China stellt Schweinefleisch- und Eier-Import aus Deutschland ein, Futtermittelhersteller Harles und Jentzsch meldet Insolvenz an.

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Durch die eigenen Machenschaften ruiniert: Der Futterfette-Hersteller Harles und Jentzsch hat Insolvenz angemeldet© Fabian Bimmer/DPA

Der im Zentrum des Dioxinskandals stehende Futterfett-Lieferant Harles und Jentzsch hat Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen aus Schleswig-Holstein habe am Mittwoch einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt, sagte eine Sprecherin des Landgerichts Itzehoe. Daraufhin habe das Gericht einen Hamburger Rechtsanwalt zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Nun werde geprüft, ob die Voraussetzungen für das Verfahren - Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung - vorliegen.

Betriebe wie die Firma in Uetersen, die Ausgangspunkt des aktuellen Lebensskandals war, können in Deutschland fast unkontrolliert ihr Unwesen treibe. Denn die Futtermittelüberwachung ist dramatisch unterbesetzt: In den Bundesländern stehen nach stern-Recherchen weniger als 200 Kontrolleure bereit, um Betriebe zu besichtigen und vor Ort Futtermittelproben zu ziehen. Sie agieren auf verlorenem Posten: In Deutschland sind mehr als 330.000 Futterbetriebe registriert, darunter allein 250.000 Tierhalter, die ihr Futter zum Teil auf eigenen Feldern und Wiesen erzeugen.

Vor allem kleine Betriebe oft unkontrolliert

Unter allen registrierten Betrieben – Tierhalter eingeschlossen – wurden 2009 nur 13.377 von Prüfern besucht – gerade mal vier Prozent. Zum Vergleich: Bei Lebensmittelbetrieben wie zum Beispiel Restaurants, Supermärkten oder Imbissen erhielt fast jeder Zweite Besuch von amtlichen Inspekteuren. Selbst von den 80.000 Firmen, die Futterkomponenten oder Mischfutter für die Landwirtschaft liefern, lagern oder mischen, wurden nur sechs Prozent kontrolliert. Verunreinigungen bei solchen Unternehmen können aber die gesamte Nahrungsmittelkette bis zu Bauern und Endverbrauchern in Mitleidenschaft ziehen.

Lücken in der Überwachung tun sich gerade bei kleineren Unternehmern der Futterbranche auf: Während große Mischfutterwerke zum Beispiel alle paar Wochen überprüft werden, müssen viele Spediteure oder regionale Produzenten noch nicht einmal damit rechnen, auch nur ein Mal im Jahr unter die Lupe genommen zu werden.

Trotz der knappen Personaldecke bei den Kontrollbehörden machte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) am Mittwoch Druck auf das Land Niedersachsen, schnell zu klären, ob Fleisch in den Handel gekommen ist. "Ich bestehe darauf, dass belastete Produkte von gesperrten Höfen sofort und unverzüglich vom Markt genommen werden", sagte Aigner zudem. Das Agrarministerium in Hannover hatte zunächst ausgeschlossen, dass belastetes Fleisch in den Handel gelangt sein könnte, widerrief diese Darstellung dann aber.

Deutliche Hinweise auf kriminelles Handeln

Derweil sind bundesweit noch knapp 500 Betriebe wegen des Dioxinskandals gesperrt, sagte Aigner am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin". Sie werden weiterhin auf eine mögliche Belastung getestet. Ermittler haben inzwischen Anhaltspunkte dafür gefunden, dass für die Futtermittelproduktion vorgesehene und mit Dioxin belastete Fette so lange verdünnt wurden, bis die Grenzwerte eingehalten wurden. Das wurde am Mittwoch aus Behördenkreisen der beteiligten Bundesländer bekannt.

Bestätigt sich das, wäre klar, dass die Hersteller vorsätzlich gehandelt. Von einem Produktionstag seien Mischproben beschlagnahmt worden, bei denen die hohe Dioxin-Eingangsbelastung immer weiter reduziert worden war, hieß es in den Kreisen. Damit das Labor nicht Alarm schlägt, seien die Proben als technische Fette deklariert und eingeschickt worden. "Wir müssen das erst noch prüfen", sagte dazu Oberstaatsanwalt Ralph Döpper von der Staatsanwaltschaft im schleswig-holsteinischen Itzehoe.

Versorgung mit Bioeiern noch gesichert

Bei den Verbrauchern führt der Skandal allerdings nicht unbedingt zum Umdenken. 48 Prozent würden zwar Produkte mit kontrolliertem Bio-Siegel bevorzugen, wie eine Befragung des Meinungsforschungsinstitutes Yougov für die "Bild"-Zeitung ergab. Allerdings sagten wiederum 45 Prozent, sie wollten nicht mehr Bioprodukte kaufen, und 47 Prozent sind auch nicht bereit, mehr für Lebensmittel zu bezahlen. Nur 43 Prozent würden mehr Geld hinlegen.

Immerhin: Bioeier finden derzeit reißenden Absatz. Bio-Großhändler verzeichneten seit Weihnachten bis zu 30 Prozent Umsatzplus bei Eiern, berichtete der Bundesverband Naturkost Naturwaren. Vereinzelt gebe es bereits Engpässe, aber noch sei die Versorgung mit Bioeiern gesichert. Die im Verband organisierten Großhändler beliefern Bioläden und -supermärkte. Eine Produktionssteigerung ist der Branche nicht so ohne weiteres möglich: Schließlich, so Beck, könnten die Biohennen "keine Sonderschicht einlegen".

China stoppt deutsches Schweinefleisch und Eier

Dagegen hat China kein Vertrauen mehr in deutsche Lebensmittel und wegen des Dioxin-Skandals die Einfuhr von Schweinefleisch und Eiern aus Deutschland verboten. Die staatliche Behörde für Qualitätsaufsicht in Peking stoppte alle neuen Importe. Auch Produkte mit Schweinefleisch und Eiern sind betroffen, wie die Behörde der Deutschen Presse-Agentur in Peking telefonisch mitteilte. Betroffene Waren, die bereits unterwegs nach China sind oder in Häfen lagern, müssten gesondert untersucht werden, bevor sie freigegeben werden könnten, hieß es in einer Anweisung.

Deutschen Stellen, die gute Beziehungen zu chinesischen Aufsichtsbehörden pflegen, sind bereits offiziell von dem Einfuhrstopp unterrichtet worden. Wie die Behörde mitteilte, wurden die Importe ausgesetzt, um nach den Dioxinfunden in Scheinefleisch und Eiern in Deutschland zu vermeiden, dass Lebensmittel mit schädliche Substanzen in China in den Umlauf kommen.

Wieviel Schweinefleisch, Eier oder andere Produkte aus Deutschland betroffen sind, mochten Experten aus Mangel an Zahlen nicht schätzen. Doch gingen 2010 rund ein Prozent aller deutscher Fleischexporte ins Reich der Mitte. Es gibt eine kleine Zahl von Firmen, die auf das China-Geschäft spezialisiert sind und deswegen besonders hart unter dem Einfuhrstopp leiden werden.

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dho/hei/ben/AFP/DPA
 
 
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