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14. Juli 2008, 13:36 Uhr

Der Bergtod des Hans P.

Laufen war sein Hobby, nun kostete ihn der Sport das Leben: Hans P. aus dem baden-württembergischen Ellwangen ist einer der beiden Todesopfer des Extremberglaufs auf die Zugspitze. Der 45-jährige Familienvater war nicht nur ein erfahrener Läufer, sondern auch selbst ein Lebensretter.

Ein Läufer erklimmt beim Zugspitz-Extremberglauf einen Anstieg unterhalb des Gipfels. Auch Hans P. aus Ellwangen gehörte zu den Läufern. Er starb bei dem Wettbewerb© AP

Ellwangen trauert um den beliebten Lehrer und Sportler Hans P. Der 45-Jährige ist einer der zwei Todesopfer des Zugspitz-Extremberglaufs. P. unterrichtete in der baden-württembergischen Kleinstadt Sport und Religion und war aktiver Leichtathlet bei einem Ellwanger Verein - seine Marathon-Bestzeit liegt bei 2:48 Stunden. Die Läufer-Kollegen sind geschockt. Robert H. lief mit dem Opfer die letzten 15 Jahre. Er beschreibt den Toten als einen lustigen, ehrgeizigen, manchmal auch etwas blauäugigen Freund. "Der Hans war halt ein besonderer Typ", sagte er der "Schwäbischen Zeitung". (Mehr zum Thema erfahren Sie bei der Schwäbischen Zeitung)

Tod in den Armen des Retters

Robert H. und andere Ellwanger Läufer bestätigen, dass Hans P. "topfit" war. Auf den verhängnisvollen Zugspitzlauf habe er sich in den letzten Wochen akribisch vorbereitet. Vor 14 Tagen lief er dazu in Oberstdorf das Nebelhorn hinauf. Robert H. befürchtet allerdings, dass P. für die eiskalte Witterung auf der Zugspitze keinen Kälteschutz dabei hatte. "Was willst Du dann machen? Der Hans war sicher vorne mit dabei. Stehen bleiben geht nicht, da kühlst Du sofort aus. Zurück nach unten ist's zu weit. Da bleibt nur der Weg nach oben", sagte er.

Hans P. starb in den Armen eines Bergwachtretters. Dieser berichtete im Radio, er habe den Läufer bewusstlos gefunden und ihn mit allem, was er an Kleidung entbehren konnte, zu wärmen versucht. Doch die Hilfe kam zu spät. Rechtzeitig kam Hans P. selbst als Lebensretter vor einigen Jahren. Damals zog er eine Frau und deren Hund aus dem Fluss Jagst in Ellwangen. Der Hund der Spaziergängerin war in den Fluss gefallen. Beim Versuch, ihr Tier zu retten, stürzte die Frau selber in die Jagst. Hans P. zog beide ans Ufer. Großes Aufsehen hat er darum nie gemacht. Der 45-Jährige hinterlässt Frau und zwei Kinder im Alter von acht und zehn Jahren.

Von Claus Liesegang, Schwäbische Zeitung
 
 
KOMMENTARE (10 von 47)
 
Kiezzabel (14.07.2008, 20:42 Uhr)
@ Sotospeak
wie ich mehrfach gesagt habe, bin ich auch der Meinung, dass man im Leibchen da oben nix verloren hat - vor allem bei solchen Wetterprognosen.
Das mit dem Forscherdrang war nur dazu gedacht, zu erklären, warum solche Leute das machen.
Fragst du einen Bergsteiger, warum er auf den Berg steigt, kann er dir das nicht erklären. "Wir steigen auf die Berge, weil sie nunmal da sind."
Der Drang nach Erfahrung und Erlebnis steckt in einigem Menschen tief, bei anderen ist jegliche Neugier die über RTL 2-Wissen hinausgeht abgestorben.
Die Leute sind unterschiedlich. Manche Laufen nunmal Berge hoch. Andere Tauchen im Meer. Andere sitzen halt nur vor der Glotze.
Die Menschen sind halt unterschiedlich.
Nur wenn man nun alles verteufelt, was irgendwie gefährlich sein könnte, dann wird's auf der Welt ja schrecklich langweilig - ist doch auch doof. Da mag mancher in seinem braven Mentalität nicht verstehen, was Menschen zu sowas treibt. Aber deswegen ist es ja nicht schlecht. Mancher geht halt durchs Leben, und vermeidet jedes Risiko und wagt nichts.
Dass das alles mit Risiken verbunden ist - das Autofahren, vom Fünf-Meter-Brett-springen, Bergsteigen oder -wandern .. tja nun. So ist das Leben.
sotospeak (14.07.2008, 20:01 Uhr)
Gefährdung anderer
Noch ein Nachtrag: hier wird oft das Beispiel von zu schnell fahrenden Autofahrern gebracht. Was ist das jetzt? Ein Argument für den Extremsport, nach dem Motto: andere machen auch Schwachsinn? Weiß nicht, was man uns damit sagen will. Ich kann nur sagen, wer sich selbst gefährdet, bitte sehr. Aber hinterher nicht jammern. War andere mit gefährdet gehört aus dem Verkehr gezogen. Drogenabhängige und Besoffene gefährden andere schon durch ihre bloße Existenz, erst recht aber wenn sie Auto fahren. Nüchterne Raser sind auch nicht besser. Meiner Meinung alle für längere Zeit einbuchten und aus der Gesellschaft entfernen. Für's Rasen auf der Autobahn wie auch für das Rumklettern in Bergen und weiteren unzähligen Unfug gilt: die Naturgesetze lassen sich nicht austricksen.
sotospeak (14.07.2008, 19:52 Uhr)
Forscherdrang?
Forscherdrang ist eine gute Sache. Z. B, jeder Pilot der sein Leben für die Erforschung des Weltraums gegeben hat (und das waren einige) ist ein Held. Was es allerdings auf der Zugspitze in kurzen Hosen und T-Shirts zu erforschen gibt erschließt sich mir nicht.
Kiezzabel (14.07.2008, 19:16 Uhr)
@ muc / @LKAS
ich weiche nicht aus, ich habe sie kurz zitiert, um ihnen zu verdeutlichen, warum ich mich durch ihr "kein Mitleid!"-Statement angesprochen gefühlt habe.
Leider äußern Sie sich nicht dazu. Aber sei's drum.
@ LKAS
Mein Beileid.
Aber ich erlaube mir die Frage, wie das sein kann. Ich habe noch am Samstag mit Freunden auf der Knorrhütte telefoniert. Die hatten wegen des Wetters schon die leichteste Route gewählt. Also wir am Sonntag dann wieder telefoniert hatten, waren sie schon abgestiegen. Das Wetter sei zu schlecht für einen Aufstieg auf die Zugspitze.
Das hätte jeder Läufer auch wissen und entsprechend handeln können (Der Veranstalter erst recht!!!) . Wieso lesen erfahrene und akribische Sportler keinen Wetterbericht und handeln entsprechend? Natürlich erfordert es Überwindung, ein lang vorbereitetes Ereignis abzusagen. Aber das muss man können. Allein schon aus Respekt vor den Bergen.
Ich kann das nicht verstehen.
muc68 (14.07.2008, 19:05 Uhr)
@Kiezzabel
Sie weichen aus!
Auch ne Bestätigung.
Kiezzabel (14.07.2008, 19:03 Uhr)
@muc
Ich darf sie kurz zitieren:
"keine Trauer um verunglückte Free-Climber, Bergsteiger, Tourengeher, Paraglider, Fallschirmspringer, Bungee-Jumper,Tiefseetaucher etc.
Aus meiner Sicht sollten o.g. "Unglücke" gar nicht mehr in den Medien erwähnt werden. "
Ich bin Bergsteiger (Tourengeher erst recht, falls sie damit das Wandern (neudeutsch: Trekking meinen) und fühle mich da entsprechend angesprochen. Übrigens: Tauchen war ich auch schon, und Bungee-Jumping .. okay das war mal zufällig berufsbedingt.
Wenn sie selbst Bergwandern für zu extrem halten, als dass sie Mitleid mit einem verunglückten Wanderer aufbringen können .. naja .. hm .. was soll man dazu sagen???
Ihrer Meinung nach sollte man am besten zu Hause bleiben, um sich keinen Gefahren auszusetzen.
Man dürfte dann auch nicht mehr in Seen schwimmen oder Fußball spielen. (Siehe Unfallstatistik). und auf KEINEN FALL in der Stadt Fahrrad fahren!!! Jeder der das tut .. also da hab ich kein Verständnis für ;)
LKAS (14.07.2008, 18:50 Uhr)
Wenn man keine Ahnung hat...
Zufälligerweise komme ich aus Ellwangen, kenne "Hans P." persönlich und will nur schnell anmerken, dass unqualifizierte Kommentare a la "selbst schuld, hätte er wissen müssen" etc. höchstgradig unangebracht sind.
"Hans P." war mehr als professionell, was die Planung und Durchführung derartiger Aktionen angeht und hat auf diesem Gebiet extrem viel Erfahrung.
Deswegen sollten diejenigen, die ABSOLUT keine Ahnung vom Menschen "Hans P." haben, einfach mal stillschweigen (damit sind vor allem die typischen Möchtegern-Intellektuellen gemeint, die sich auf Stern.de tummeln und ca 90% ausmachen).
Danke =)
muc68 (14.07.2008, 18:47 Uhr)
@Kiezzabel
Zustimmung! Wer die Geschwindigkeit nicht den Strassenverhältnissen und der Verkehrssituation anpasst, hat immer auch eine Mitschuld. das heisst: Wenn ich auf freier Strecke(Autobahn)einen LKW mit 180km/h überhole und der plötzlich die Kontrolle verliert und mit mir kollidiert,dann ist das grosses Pech, hätte aber verhindert werden können, wenn ich ihn nicht überholt hätte. - nicht gerade nah an der Realität, aber wohl die Übersetzung Ihrer Eistellung,oder? Okay, akzeptiert. Wie nennen Sie es aber, wenn erwachsene Menschen mit kurzen Hosen und T-Shirt zu einem Extrem-Berglauf auf fast 3000m Höhe hinauf aufbrechen, ohne sich für den Fall eines realistischen und angekündigten Wetterumbruchs auszurüsten?
Mir scheint, dass Sie sich auf den Schlips getreten fühlen, obwohl ich Sie persönlich weder mit anderen über einen Kamm geschert habe, noch Sie persönlich angegriffen habe.
Oder wollen Sie mir erklären, dass Sie wirklich für diese Herangehensweise der Teilnehmer bei diesem Lauf auch nur ansatzweise Verständnis aufbringen?
Das kann ich einfach nicht glauben!
Erst recht nicht, nachdem Sie sich und Ihre Bergesteigerkollegen als verantwortungsbewusst dargestellt haben.
Also bleiben Sie doch bitte glaubwürdig und attackieren Sie mich nicht für etwas, dass ich nicht getan habe(über den Kamm scheren)
Dankeschön
Kiezzabel (14.07.2008, 18:32 Uhr)
einigkeit
Ich weigere mich als Sportler (für manche auch Extremsportler, weil ich ja auch Berge besteige und so) dagegen, über einen Kamm geschoren zu werden, so wie sie es getan haben.
Mag sein, dass sie mal ein paar dummen Skifahrern begegnet sind. Die meisten Bergsportler, die ich kenne, gehören zu den verantwortungsvollsten Zeitgenossen, die ich kenne. Das liegt in der Natur der Sache.
Leider kann ich dass von vielen Autofahrern nicht behaupten. Deswegen der Vergleich. wer mit dem Auto mit 160 über die Autobahn fährt, begibt sich wissentlich in Lebensgefahr. dass das keine so wahrnimmt .. tja .. das ist realitätsverlust durch Alltäglichkeit.
deswegen stelle ich mich hier aber nicht hin und sage: "Ahhh .. im Strassengraben verreckt. Selbst schuld, was fährt der Idiot auch Auto, obwohl man weiß, dass das saugefährlich ist. Kein Mitleid mit solchen Hirnlosen!!!"
Im Übrigen habe ich allein am vergangenen Wochenende viel Schlimmeres gesehen, etwa einen Vater mit seinem 14-Jährigen Sohn im Brettl. Beide völlig ungesichert und in Turnschuhen!!!! Das Brettl ist das hier:
http://www.flickr.com/photos/10466280@N02/938871627/sizes/o/
Ich denke, hier bei dem Zugspitz-Marathon liegt die Verantwortung beim Veranstalter und nicht bei einem erfahrenen Bergläufer. Wer solche Veranstaltungen anbietet, muss für Sicherheitsreserven durch Streckenposten und genug Versorgungsmaterial (Decken, Nahrung etc.) sorgen (was bei der Route durchaus möglich gewesen wäre). Oder die ganze Sache im Zweifel abblasen.
Wenn ich ein Radrennen fahre, gehe ich ja auch davon aus, dass mich ein Besenwagen einsammelt, wenn ich eine Panne habe oder einfach nicht mehr kann.
muc68 (14.07.2008, 18:13 Uhr)
@Kiezzabel
Es geht doch immer (auch bei Auto-Unfall/Sportunfall etc. ) um die Frage:
Unverschuldet oder selbstverschuldet.
Ich nehme an, dass wir uns in diesem Punkt einig sind, oder?
Wenn Sie, wie ich, selbst erlebt haben, wie 5 verrückte Skifahrer abseits der regulären Piste ein Schneebrett auslösen und damit sogar Unbeteiligte an der Piste in Gefahr gebracht haben, dann würde Sie vielleicht besser verstehen, weshalb ich eine solch strikte Einstellung zu diesem Thema habe.
Ich kann "WETTERVORHERSAGE" nur zustimmen. Übertriebener Ehrgeiz hat zu diesem Unglück geführt - verbunden mit mangelnder Ausrüstung.
Natürlich ist das traurig und erschreckend - vor allem der Hinweis darauf, es habe sich um einen sehr erfahrenen und austrainierten Läufer gehandelt, zeigt die Überflüssigkeit des Unglücks.Ganz unabhängig davon, dass die Veranstalter sich ebenfalls nicht korrekt verhalten haben.
Am Ende bleibt es aber dabei:
Es war seine eigene Entscheidung, sich diesen extremen Bedingungen auszusetzen.
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