Noch 30 Geiseln in der Hand von Terroristen

19. Januar 2013, 10:20 Uhr

Das Geiseldrama in der algerischen Wüste geht weiter. Immer noch sind 30 Menschen in der Hand von Terroristen. Mindestens zwölf Geiseln sind tot. Die Islamisten kündigen weitere Anschläge an.

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Ort des Geschehens: das Gasfeld In Anemas in der algerischen Wüste©

Fast drei Tage nach Beginn des Geiseldramas in der algerischen Wüste befinden sich immer noch 30 Menschen in der Gewalt islamistischer Terroristen. Beim Militäreinsatz zur Befreiung der Geiseln wurden zwölf Geiseln getötet, wie der algerische Kommunikationsminister Mohammed Said am Freitagabend im algerischen Radio sagte.

Bei der Erstürmung der von Islamisten besetzten Gasanlage In Amenas waren 650 Geiseln befreit worden. Viele Menschen werden aber noch vermisst. Von den möglicherweise 32 Geiselnehmern wurden 18 nach algerischen Angaben "außer Gefecht gesetzt".

Die schwer bewaffneten Angreifer hatten die Anlage am Mittwoch besetzt und Geiseln genommen. Am Donnerstag griff das Militär an. Die mit Raketen und Granatwerfern bewaffneten Islamisten verlangen unter anderem das Ende des von Frankreich angeführten internationalen Militäreinsatzes in Mali. Sie kündigten weitere Anschläge auf ausländische Einrichtungen an. Den Vormarsch der französischen und malischen Truppen in Mali konnten die Islamisten aber nicht stoppen.

Kona wieder unter Kontrolle

Wie die mauretanische Nachrichtenagentur ANI unter Berufung auf eine informierte Quelle am späten Freitagabend berichtete, handelt es sich bei den Geiselnehmer um etwa 40 Salafisten, die aus dem Niger nach Algerien eingesickert seien. Bei dem Angriff des algerischen Militärs seien 16 Salafisten und 35 Geiseln getötet worden. Ein zweiter Teil der Terrorgruppe habe sich mit sieben westlichen Geiseln verschanzt, sagte ein Kontaktmann, dessen Name mit Abderrahme, der Nigerianer, angegeben wurde, der Agentur am Telefon.

US-Außenministerin Hillary Clinton telefonierte am Freitag erneut mit dem algerischen Regierungschef Abdelmalek Sella, um sich über den Fortgang der algerischen Operation auf dem Gasfeld auf dem Laufenden zu halten. Weiterhin befinden sich auch Amerikaner in der Hand der Terroristen.

Malische Verbände eroberten die strategisch wichtige Stadt Kona in der Landesmitte zurück, deren Erstürmung durch Islamisten vergangene Woche Frankreichs Eingreifen provoziert hatte. "Wir haben Kona völlig unter Kontrolle", erklärte das Oberkommando in Bamako.

Geschätzte 700.000 Kriegsflüchtlinge in Mali

In den Reisfeldern im Umland von Kona wurde offenbar weiter gekämpft. Malische Truppen rückten aber weiter in Richtung auf die von Rebellen gehaltene Stadt Douentza vor und standen in Niono rund 60 Kilometer vor Diabali.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) befürchtet mehr als 700.000 Kriegsflüchtlinge in Mali. Seit Frühjahr 2012 seien 230.000 Menschen innerhalb Malis und fast 150.000 in benachbarte Länder geflohen. "Unsere aktuellen Planungen sind eingestellt auf bis zu 300.000 Menschen, die innerhalb Malis Zuflucht suchen, und 407.000, die in benachbarte Länder fliehen", sagte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming.

Nach UN-Informationen gibt es in Mali schwere Übergriffe von Islamisten auf Zivilisten. Die Vorwürfe reichen vom Abtrennen von Gliedmaßen bis zu Vergewaltigungen und Zwangsverheiratungen von Mädchen mit Dschihadisten.

Ein erstes "demonstratives Signal" aus Deutschland

Die zwei Transall-Maschinen der Bundeswehr sollen an diesem Samstag mit Sanitätsmaterial in Bamako eintreffen. Anschließend sollen sie für den Transport afrikanischer Mali-Truppen eingesetzt werden.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte der "Saarbrücker Zeitung" (Samstag) auf die Frage, ob die Entsendung von zwei Transall-Flugzeugen ausreiche: "Sicher nicht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass irgendjemand das für den deutschen Beitrag hält." Er verstehe die Entsendung "eher als ein erstes demonstratives Signal, dass wir uns nicht ähnlich wie im Fall Libyen positionieren". In Libyen hatte Deutschland eine Beteiligung strikt abgelehnt und sich im UN-Sicherheitsrat enthalten. Was Deutschland am Ende wirklich in und für Mali leiste, werde Gegenstand der weiteren Entwicklung und von Verhandlungen sein, betonte Lammert. "Dann wird man auch darüber diskutieren müssen, in welcher Form das der Zustimmung des Bundestages bedarf."

US-Verteidigungsminister Leon Panetta drohte den Geiselnehmern Konsequenzen an. "Die Terroristen sollten wissen, dass es für sie kein Versteck, keinen Fluchtpunkt gibt", sagte Panetta in London. Die aus mehreren islamischen Staaten stammenden Geiselnehmer hatten den Angriff auf In Amenas monatelang vorbereitet.

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