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5. Februar 2009, 12:52 Uhr

Morsals Bruder bestreitet Mordabsicht

Eine Tat auf "niedrigster sozialer Stufe" - so hat die Staatsanwaltschaft den "Ehrenmord" an der Deutsch-Afghanin Morsal O. bezeichnet und deshalb eine lebenslange Haftstrafe für den angeklagten Bruder gefordert. Die Verteidigung plädierte auf Totschlag für den 24-Jährigen, der vor Gericht dann doch noch sein Schweigen brach.

Morsal, Morsal O., Ehrenmord, Ahmad-Sobair,

Hat seine Schwester laut Staatsanwaltschaft nicht im Affekt, sondern gezielt getötet: Morsals 24-jähriger Bruder© Christian Charisius/AP

Für den sogenannten Hamburger Ehrenmord an der 16 Jahre alten Deutsch-Afghanin Morsal O. soll ihr Bruder nach dem Willen der Staatsanwaltschaft lebenslang hinter Gitter. "Das war ein Mord mit Ansage" und eine Tat auf "niedrigster sozialer Stufe", sagte der Anklagevertreter am Donnerstag in seinem Plädoyer vor dem Landgericht. Er forderte eine Verurteilung wegen heimtückischen Mordes.

"Seine Schwester funktionierte nicht so, wie sie sollte. In seiner Macho-Welt gab es darauf nur eine Antwort: Sie musste verschwinden", sagte der Staatsanwalt. Morsals 24-jähriger Bruder habe die Familienehre über das Leben seiner Schwester gestellt und gezielt gehandelt.

Seine Verteidiger forderten hingegen eine Verurteilung wegen Totschlags. Ihr Mandant habe die Tat im Affekt begangen und sei nur vermindert schuldfähig gewesen, sagte einer der Anwälte bei seinem Plädoyer. Der 24-Jährige leide an einer schweren Persönlichkeitsstörungen mit Hang zu explosiven Gewaltausbrüchen. Die Verteidiger stützen sich dabei auf das Gutachten einer psychiatrischen Sachverständigen. Diese war von der Anklage als befangen abgelehnt worden, einen entsprechenden Antrag hatte das Gericht aber vor Beginn der Plädoyers zurückgewiesen.

In dem Verfahren muss sich der 24-Jährige seit Dezember wegen einer tödlichen Messerattacke auf seine Schwester verantworten. Die Anklage wirft ihm vor, die Schülerin im Mai vergangenen Jahres aus Wut über ihren Lebensstil auf einem Parkplatz in Hamburg-St. Georg in eine Falle gelockt und heimtückisch mit 23 Messerstichen getötet zu haben.

"Hatte nicht den Vorsatz, sie zu töten"

Das brutale Verbrechen hatte bundesweit großes Entsetzen ausgelöst. Morsals Bruder war am Tag nach der Tat festgenommen worden. Vor Gericht schwieg er bislang, er hatte den Messerangriff auf Morsal aber bei der Polizei gestanden. Bereits in den Jahren und Monaten vor der Tat soll er sie bedroht und geschlagen haben.

Der Angeklagte, der während des gesamten Prozesses geschwiegen hatte, meldete sich nach den Plädoyers überraschend zu Wort und wies die Mordvorwürfe zurück. "Es war nicht irgendjemand, es war meine Schwester - ich hatte nicht den Vorsatz, sie zu töten", sagte der 24-Jährige laut schluchzend und unter Tränen in seinem Schlusswort vor Gericht. "Ich möchte sagen, dass es mir von tiefem Herzen Leid tut." Er werde jahrelang an dem Schmerz zu tragen haben. In Deutschland gehört Angeklagten stets das letzte Wort, bevor sich das Gericht zur Urteilsberatung zurückzieht. Es wird seine Entscheidung voraussichtlich am 13. Februar fällen.

DPA/AP
 
 
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