Im Schlafanzug durch die Hotellobby wandern oder nachts die Wohnung putzen: Wer schlafwandelt tut oft verrückte Dinge. Und nicht immer verlaufen sie harmlos. stern TV ist dem Phänomen auf die Spur gegangen.

© Christoph Jungbluth
Wie jeden Abend ging die Lehrerin Ridda Gesellensetter auch an jenem Freitag vor fünf Jahren ins Bett. Zwar hatte ihr Lebensgefährte versprochen, die letzte Runde mit den Hunden zu übernehmen. Aber dennoch schlief Ridda Gesellensetter mit dem Gedanken ein: Die Hunde müssen noch raus.
Am nächsten Morgen erwachte die Frau mit schweren Schnittwunden im Krankenhaus. An das, was in der Nacht passierte, kann sie sich nicht erinnern. Wie sie später erfuhr, stürtzte sie im Schlaf ein Stockwerk tief aus einem Fenster. Offenbar wollte sie die Hunde rauslassen und hat im Schlaf das bodentiefe Schlafzimmerfenster mit der Terrassentür verwechselt.
Die Lehrerin hatte noch Glück im Unglück: In der Etage unter dem Schlafzimmerfenster war die Markise ausgefahren - sonst wäre Ridda Gesellensetter wohl auf die Steinterrasse gefallen. So fiel sie "nur" ins Blumenbeet, in dem aber Plastikstäbe steckten, die die Beete abtrennen.
Durch den Unfall war die Lehrerin ein halbes Jahr krank geschrieben. Der Gesichtsnerv war irreparabel beschädigt. Eine Schönheitsoperation brachte nichts.
Nächtlicher Putzwahn
Auch die Abiturientin Jennifer Mondi schlafwandelt - bisher ohne böse Folgen. Nur einmal ist sie auf einem Parkplatz aufgewacht. Sonst räumt die junge Frau nachts auf: Sofakissen ordnen oder Decken zusammenlegen - das Ergebnis sieht sie am nächsten Morgen. Mondi sagt, dass sie abends oft ein schlechtes gewissen hat, weil sie nicht aufgeräumt hat - das könnte ein Grund sein.
Einmal hat sie ihr Bett auseinandergebaut und in ein anderes Zimmer gebracht. Morgens ist sie dann völlig zerschlagen auf dem Sofa aufgewacht. Ihr Bett steht jetzt dort, wo sie es im schlafwandeln hingebracht hat. Mondi hat sich an ihr Schlafwandeln gewöhnt und findet es auch nicht schlimm.
Was Schlafwandeln ist, wer davon betroffen ist und wie Angehörige damit umgehen sollten, erfahren Sie links in der Spalte.