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15. Februar 2010, 12:06 Uhr

Verdacht auf organisierten Betrug bei U-Bahn-Bau

Der Skandal um Pfusch beim Bau der Kölner U-Bahn weitet sich aus: Nach Zeitungsinformationen besteht der Verdacht auf organisierten Betrug. Offenbar wurden Vermessungsprotokolle für stützende Bauteile systematisch gefälscht.

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Pfusch beim Bau der Kölner U-Bahn könnte die Ursache für den Einsturz des Stadtarchivs im März 2010 sein© Roberto Pfeil/APN

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs wächst einem Zeitungsbericht zufolge der Verdacht auf organisierten Betrug beim U-Bahn-Bau in der Domstadt. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ seien mittlerweile falsche Vermessungsprotokolle für 28 Schlitzwand-Lamellen der Gruben Waidmarkt, Heumarkt und Rathaus entdeckt worden. Ein an den Ermittlungen beteiligter Insider sagte dem Blatt: "Wir gehen davon aus, dass es noch deutlich mehr sein können. Für uns sieht das nach einer systematischen Fälschung aus."

Die Bauarbeiten an der U-Bahn gelten als Ursache für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3. März 2009. Bei den nun aufgetauchten zahlreichen weiteren verfälschten Vermessungsprotokollen anderer Lamellen sei mittlerweile nahezu auszuschließen, dass es sich dabei um ein bloßes Versehen handeln könne, sagte der nicht näher benannte Insider der Zeitung zufolge. Denn die rechtlich vorgeschriebenen Werte, die die Beschaffenheit des jeweiligen Wandabschnitts wie ein Fingerabdruck dokumentieren müssten, seien nicht nur vertauscht, sondern offensichtlich gezielt manipuliert worden.

"Die Werte von Lamellen, die lediglich 2,80 Meter breit sind, wurden auf 3,60 Meter breite Lamellen übertragen und zuvor rechnerisch angepasst", zitierte das Blatt den Insider. Ursprünglich war lediglich eine Schlitzwand-Lamelle der U-Bahn-Grube Waidmarkt ins Blickfeld der Ermittlungen geraten. Die Gutachter der Staatsanwaltschaft vermuten laut "Stadt-Anzeiger" ein Loch in diesem 3,40 Meter breiten Abschnitt der Baustellen-Außenwand, durch das Grundwasser in die Grube strömte, was am 3. März 2009 zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs geführt haben könnte.

Die Staatsanwaltschaft Köln hatte Ende Januar gegen zwei Bauverantwortliche ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs und Unterschlagung eingeleitet. Sie sollen auf Weisung eines Poliers Eisenbügel gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft haben, statt sie in die Außenwände des Bahn-Schachts nahe des Historischen Stadtarchivs einzubauen. Als Ursache für den Einsturz des Gebäudes gilt dies nach Angaben der Ermittler aber nicht.

APN/AFP
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Mule (15.02.2010, 18:43 Uhr)
De Kölsche Klüngel
Weiß irgend jemand, welche Baufirma diesen Auftrag ausführt?? Liest sich fast wie der Müllskandal von anno dunnemals.
MDry (15.02.2010, 13:55 Uhr)
Sehr einfach
Mechanismus ist sehr simpel. Bei solchen Ausschreibungen gewinnt die billigste Firma. Es wird nicht nachgedacht, ob man für das Geld gutes Material kaufen, vernünftiges Personal einstellen, und noch Gewinn erzielen kann. Und die Bauämter sind mit solchen Investitionen hoffnungslos überfordert, in allen Phasen des Projektes. Ursachen, starre Strukturen und unmotivierte, im Vergleich zu Wirtschaft (in unteren Bereichen, die oberen sind für ihr Wirken deutlich über bezahlt) unter bezahlten Beamten.
Corazito3333 (15.02.2010, 13:49 Uhr)
Ist doch normal.....
haben halt einige abgezockt, wie schon seit Jahrzehnten und zur Rechenschaft wird keiner gezogen......
Vielleicht sollte mal so ein Beamter zur Verantwortung gezogen werden...????
Nursery (15.02.2010, 13:43 Uhr)
Peinlich
Ich habe bisher immer gedacht so etwas kann nur in Neapel passieren aber nicht bei uns.Hier haben Politik und Wirtschaft gekungelt auf Kosten von Menschenleben.Nach meiner Meinung gehört die ganze Verwaltungsführung inkl Schramma auf die Anklagebank.Außerdem die KVB und das Bauunternehmen.Eine Halbe Milliarde Schaden das ist so Unglaublich das man sich als Kölner in einem Schlechten Film wiederfindet!Sich wird niemand dafür zur Rechenschaft gezogen.Die Staatsanwaltschaft in Köln ist bekannt dafür Verfahren lange hinzuziehen und dann ohne Anklage im Sande verlaufen zu lassen.So etwa bei den Messehallen wo Bank ,Eschfond und Partaibonzen der CDU und SPD die Steuerzahler massiv geschadet haben.Und nur durch Brüssel (Verfahrensfehler bei der Ausschreibung) diesen Wahnsinn Öffentlich benannt hat.Der Klüngel hat die Politische Kultur von innen derart ausgehölt das man von Unabhängigkeit nicht mehr sprechen kann.
VaSi90 (15.02.2010, 13:24 Uhr)
Schweigen & vertuschen?
Ich habe die PK der "Verantwortlichen" in Köln im Fernsehen gesehen. Sehr schnell kam in mir das Gefühl auf, dass da was nicht stimmen kann?! Begründungen wie "Es gab und gibt keine Versäumnisse im Zusammenhand des U-Bahn-Baus." Ja ja, schon klar! Ist das nicht ein Reflex, welches die "Verantwortlichen" oft an den Tag legen? Und es FAST IMMER meist kurz danach neue Details in negativer Hinsicht in die Öffentlichkeit gelangen? Bei solchen Äußerungen stehe ich immer kritisch gegenüber! Offenbar begründet!
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