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23. März 2009, 18:10 Uhr

Kölns OB geht gegen Baudezernenten vor

Der Einsturz des historischen Stadtarchivs in Köln hätte offenbar verhindert werden können, wenn frühzeitig über Grundwasser, das in die dortige U-Bahn-Baustelle eindrungen war, informiert worden wäre. Zwei Menschen verloren ihr Leben - auch, weil der Baudezernent der Stadt offenbar Informationen zurückhielt. Nun soll er gehen.

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Kölner Stadtarchiv: Im Schutt wird weiter nach Dokumenten gesucht, erste Schuldige scheinen gefunden© Oliver Berg/DPA

Weil der Kölner Baudezernent Bernd Streitberger (CDU) wichtige Informationen zum Stadtarchiv-Einsturz zurückgehalten haben soll, drohen ihm nun Konsequenzen. Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) hat am Montag ein Disziplinarverfahren gegen den Dezernenten eingeleitet. Das teilte die Stadt mit. Beim Einsturz des Stadtarchivs und zweier angrenzender Wohnhäuser waren am 3. März zwei junge Männer getötet worden. Schwere Grundwasserprobleme an der angrenzenden U-Bahn-Baustelle waren vermutlich Auslöser des Unglücks.

Am Wochenende war bekanntgeworden, dass es schon im September ernstzunehmende Grundwasserprobleme an der U-Bahn-Baustelle gegeben hatte. Das geht aus Baustellenprotokollen hervor, die Streitberger und die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) zwar spätestens seit dem 12. März kannten, über die sie Schramma den Angaben der Stadt zufolge aber nicht informierten.

SPD fordert personelle Konsequenzen

Die Kölner SPD fordert deshalb Streitbergers Rücktritt. Außerdem verlangt sie den Rücktritt des Technischen Vorstands der KVB, Walter Reinarz (CDU). Die KVB - Bauherrin bei der U-Bahn-Erweiterung - wollten ursprünglich am Montagmittag in einer Pressekonferenz dazu Stellung nehmen. Der Termin wurde aber kurzfristig abgesagt. Der Aufsichtsrat der Verkehrsbetriebe tagte auch am Abend noch.

Schramma bezeichnete das Zurückhalten der Informationen als Skandal und kündigte an, einen Weiterbau der U-Bahn gebe es jetzt nur noch nach Begutachtung durch unabhängige Experten. Der OB wolle "absolute Aufklärung", und das betreffe "latent" alle, die ihm gegenüber möglicherweise Informationen verschwiegen hätten, sagte eine Sprecherin der Stadt.

Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen Unbekannt - unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Möglicherweise war der Boden unter dem Archiv instabil geworden, weil zu viel Wasser und Kies in der U-Bahn-Baugrube abgesaugt worden waren.

DPA
 
 
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