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13. April 2009, 15:55 Uhr

Vierfachmord gibt immer mehr Rätsel auf

Nach dem blutigen Familiendrama von Eislingen mit vier Toten ist der Sohn der Familie verhaftet worden. Die Polizei prüft nun, ob ein Einbruch im Schützenverein vom vergangenen Oktober mit der Bluttat in Verbindung steht.

Eislingen, Vierfachmord, Schützenverein

Blumen und eine Trauerkarte liegen vor dem Haus in Eislingen, in dem ein Ehepaar und seine zwei erwachsenen Töchter am Freitagmorgen tot aufgefunden wurden© AP

Schrecklicher Verdacht nach dem Vierfachmord im baden-württembergischen Eislingen: Ein 18-Jähriger soll in der Nacht zum Karfreitag seine Familie erschossen haben. Der junge Mann alarmierte zwar die Polizei, doch geriet er schnell selbst unter Verdacht. Nach den Schüssen auf den 57 Jahre alten Heilpraktiker, seine 55-jährige Frau sowie seine zwei Schwestern im Alter von 22 und 24 Jahren sitzen der Sohn der Familie sowie sein 19 Jahre alter Freund in Untersuchungshaft. Die beiden Schüler leugneten die Tat. Handfeste Beweise gab es zunächst nicht. Den Verdacht gegen die beiden Freunde begründete der Göppinger Polizeisprecher Rudi Bauer mit den "Gesamtumständen der Tat" und Indizien. Dabei untersuchen die Beamten einen ungeklärten Waffendiebstahl aus dem Tresor des Schützenvereins, dem der 18-Jährige angehörte.

Doch mit jedem neuen Indiz wird der Fall mysteriöser: Die Polizei rätselt über den Tathergang und das Motiv. Die kleinkalibrige Tatwaffe fehlt. Die Polizei prüft nun, ob der Einbruch im Schützenverein mit der Bluttat in der idyllischen Kleinstadt in Verbindung steht. Diebe hatten sich im vergangenen Oktober auf unbekannte Art und Weise Zugang zum Vereinsheim verschafft. Dort flexten sie den Tresor auf und stahlen mehr als 20 Waffen. Ihr Wert: rund 11.000 Euro. "Darunter waren Lang- und Kurzwaffen sowie groß- und kleinkalibrige. Ebenso fehlte die dazugehörige Munition. Es waren keine Einbruchspuren vorhanden", sagte Bauer am Montag. Kriminaltechniker untersuchen, ob das Kaliber der Tatwaffe mit den gestohlenen Waffen übereinstimmt.

Kannten sich die Täter im Gebäude aus?

Weil es damals so gut wie keine Spuren gab, konnten die Täter nicht ermittelt werden. Und weil die Einbrecher offensichtlich auch Spuren beseitigten, wurde der Diebstahl erst Tage nach der Tat entdeckt. Es besteht der Verdacht, dass sich die Täter im Gebäude ausgekannt haben.

Der 18-Jährige hatte am Karfreitag kurz vor Mittag das Rote Kreuz verständigt und angegeben, er habe seine Familie im Haus tot aufgefunden. Er selbst habe bei dem 19-jährigen Freund übernachtet und sei mit ihm vor 11.00 Uhr im elterlichen Haus eingetroffen. Laut Bauer standen die beiden Freunde bei Eintreffen der Streifenbeamten "total aufgelöst" im Flur vor der Maisonettewohnung des Mehrfamilienhauses, das der getöteten Familie gehört.

Keine Einbruchspuren

Die Schüler sitzen seit Samstagabend in Untersuchungshaft in Stuttgart-Stammheim und Ulm. Nach Angaben der Polizei sprechen einige Umstände gegen den 18- und den 19-Jährigen: "Am Haus gab es keine Einbruchspuren, es wurde nichts aus der Wohnung gestohlen und nichts durchwühlt", sagte Bauer. Unter anderem ließe auch die Lage der Toten darauf schließen, dass die Familie nicht von Unbekannten überrascht wurde: Die Leiche des 57-Jährigen wurde im Flur gefunden, die seiner Frau im Bad und die der beiden Töchter lagen im Dachgeschoss in einem Zimmer - niedergestreckt mit einer Vielzahl von Schüssen. Klären muss die Polizei deswegen, wer von den beiden Tatverdächtigen geschossen haben könnte. Griffen beide zur Waffe oder nur einer? Dies sei "die zentrale Frage", sagte Bauer.

Unklar ist auch, in welchem Zusammenhang die Mitgliedschaft des 18-Jährigen im Schützenverein zur Tat stehen könnte. Auf den 18-Jährigen und den 19-Jährigen waren keine Waffen zugelassen. Der 19-Jährige war einst Mitglied in der Schützengilde. In der Wohnung der Getöteten fand die Polizei lediglich ein Luftgewehr. Der 18-Jährige hatte im Schützenverein mit Luftgewehren, aber auch mit kleinkalibrigen Waffen - sogenannten KK-Gewehren - geübt. Am Sonntag löschte der Verein das Bild und den Namen des 18-Jährigen von der Homepage. Parallelen zum Amokläufer von Winnenden vor einem Monat lassen sich derzeit nicht ziehen: Tim K. hatte eine großkalibrige Waffe seines Vaters, der im Gegensatz zum getöteten Heilpraktiker Mitglied im Schützenverein war, aus dem elterlichen Schlafzimmer entwendet.

Die mysteriöse Bluttat löste im 20.000-Einwohner-Ort Entsetzen und Trauer aus: Vor dem Mehrfamilienhaus, in dem die Familie getötet wurde, legten Anwohner am Osterwochenende Blumen und Kerzen nieder.

Tatjana Bojic/DPA

 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
JohannRoth (14.04.2009, 20:48 Uhr)
Sicher ist Sicher
Es könnte ja noch mehr passieren, wenn die beiden tatsächlich im Besitz von Waffen und Munition sein sollten. Also erst mal safety first bis mehr Klarheit in der Sache ist.
sachsenwini (14.04.2009, 12:11 Uhr)
@ 107Summer Ihre Gedanken erscheinen mir doch sehr logisch,

und ich finde, dass die Ermittler das alles sehr sorgfältig durchdenken sollten, bevor ein Mitglied dieser Familie, das möglicherweise unschuldig ist, in Haft genommen wird.
Aber unsere gründlichen Ermittler werden schon alles sehr sorgfältig bedenken und vielleicht auch diesmal sterile Wattestäbchen benutzen.
Vincent_Vega (14.04.2009, 09:12 Uhr)
Kopüfschütteln über die Mutmaßungen der Kommentatoren hier

Ich meine die Kommetatoren sollten Ihre Mutmaßungen, ob der Sohn mit seinem Freund seine Familie ausgelöscht hat oder nicht und warum oder ob die Polizei nicht voreiligeSchlüsse zieht, mal schön zurückhalten. Die Mutmaßungen klingen nämlich wie die Anleitungen der Benutzung eines Kondoms welche vom Papst herausgegeben wurden, der sie aber -vermutlich ;-)- selber nicht benutzt hat.
Interessant finde ich hinsichtlich der kürzlichen Debatte über die Aufbewahung der Gewehre im Schützenhaus, dass ein Kollege, der selbst Sportschütze ist, bereits kurz nach Winnenden meinte, dass eine zentrale Lagerung der Waffen im Schützenhaus nur Diebe anziehen würde und siehe da:
"Diebe hatten sich im vergangenen Oktober auf unbekannte Art und Weise Zugang zum Vereinsheim verschafft. Dort flexten sie den Tresor auf und stahlen mehr als 20 Waffen...Darunter waren Lang- und Kurzwaffen sowie groß- und kleinkalibrige. Ebenso fehlte die dazugehörige Munition. Es waren keine Einbruchspuren vorhanden"
Mikeorganizer (14.04.2009, 07:39 Uhr)
das würde ja wieder mal passen ....
hat schon einer geprüft ob er egoshooter alla CS auf seinem Rechner hat und da sicher das töten und zielen gelernt hat ? Also wenn er das hat - dann ist er sicher der richtige. Dann müssen wir unbedingt die Spiele verbieten. Aber etwas mehr Werbung für Schießvereine und die Bundeswehr machen. Übrigens wenn man schon beim verbieten ist - vielleicht hat er abends Alkohol getrunken, ist mit dem Mofa gefahren, und hat sich die Zähne geputzt - das muss alles zukünftig verboten werden.
talkingkraut (13.04.2009, 23:13 Uhr)
Stimme 107Summer und eurozocker zu
Die Polizei kapriziert sich hier zu stark auf eine Täterschaft des Sohnes und dessen Freund. Man sollte hier von Seiten der Polizei etwas vorsichtiger sein mit öffentlichen Verlautbarungen. Man hat auch den Eindruck, dass diese Polizei nicht gut zwischen Spekulation und Tatsachen zu unterscheiden vermag. Nicht einmal den Tatzeitpunkt hat man, und da denkt man schon darüber nach, wer von den beiden Tatverdächtigen geschossen haben könnte. Das kann doch nicht wahr sein. Mein Gefühl sagt mir auch, wenn es der Sohn mit seinem Freund gewesen wäre, hätten sie längst gestanden. Dass ein bisher unauffälliger Sohn einer unauffälligen Familie, die im Vereinsleben aktiv ist, sich mit einem Freund zusammentut, um seine Familie auszulöschen, eine solche Hypothese würde ein erfahrener Ermittler mit größter Skepsis betrachten.
peterpan1001 (13.04.2009, 17:44 Uhr)
mein erster gedanke war,
als ich das gehört habe, daß der sohn damit zu tun hat.
ich wette der wars.
wenn man 1+1 zusammenzählt, kann es nur der gewesen sein.
eurozocker (13.04.2009, 17:06 Uhr)
keine Beweise....
also was wirklich stichhaltiges hat die polizei ja wirklich nicht vorzuweisen. Man stelle sich das mal vor, der einzig überlebende Sohn findet seine hingerichtete Familie und landet anstatt in fachgerechte Betreuung in stundenlange Verhöre und im Knast. Wenn da mal nicht voreilig für einen vermeintlich schnellen Erfolg komplett falsch ermittelt wird. Bei der Polizei ist alles möglich und Rücksicht ist deren Stärke sicherlich nicht
107Summer (13.04.2009, 17:02 Uhr)
Zusatz
Es könnte sogar ein Raubmord sein, Dieb verschafft sich mit Waffe Zutritt, Vater nutzt beengte Verhältnisse im Flur aus und versucht den Dieb zu überwältigen, es löst sich ein Schuss, Vater tot und in einer Kurzschlussreaktion sieht sich der Dieb und Mörder nun gezwungen, alle eventuellen Zeugen zu beseitigen. Anschließend Flucht und selbstverständlich keinc Raub, weil es könnten ja Nachbarn bereits die Polizei alarmiert haben... auch eine Theorie, weil: Wenn jemand 4 Menschen tötet, so wird er bestimmt nicht anschließend die Wohnung durchsuchen, um versteckte 10 Euro Scheine zu finden. Eigentlich logisch, liebe Ermittler.
107Summer (13.04.2009, 16:51 Uhr)
Ermittler aufpassen!
sofern ein Mörder sich Zutritt zu einem vollbesetzten Haus verschaffen will, so wird er bestimmt nicht gewaltsam die Türe aufbrechen, weil es so jeder mitbekommen würde. Also kann davon ausgegangen werden, dass der Mörder entweder einen Schlüssel hatte oder viel eher, dass der Mörder einfach an der Türe geklingelt und sich so Zutritt verschaffen hat. Weiter kann davon ausgegangen werden, dass wenn jemand an der Türe klingelt, sich nicht sofort die ganze Familie an der Eingangstüre versammelt, um den vermeintlichen Gast zu empfangen. Viel eher hat der Mörder schon vor der Türe seine Waffe gezogen und so den Vater gezwungen, ohne Alarmzeichen zu geben, dem (noch) eventuellen Dieb (Kaum jemand geht wohl davon aus, dass er gleich erschossen wird) Eingang zu gewähren. Geht man nun noch davon aus, dass die Mutter sich im Bad befand (eventuell duschen oder Haare fönen) und so nichts von den Schüssen mitbekam (Kleinkalieberwaffen sind nicht laut) und geht man davon aus, dass die Töchter sich eine oder zwei Etagen höher in ihren Zimmern befanden, so besteht durchaus die reelle Möglichkeit, dass der Mörder nicht der Sohn ist, sondern eine noch unbekannte Person. Die Polizei kann doch bitteschön nicht ernsthaft behaupten, nur weil keine Einbruchspuren zu finden seien, müsse es der Sohn sein! Nein, so gut wie jeder Killer würde in so einem Fall mit gezogener Waffe vor der Türe klingeln und es ist nur logisch, dass sich nicht bei jedem Klingeln sofort die ganze Familie vor dem Eingang versammelt. Die Argumente der Ermittler sind deswegen sehr schwach!
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