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Die "neue" alte Spur

Seit Jahren sucht die Soko "Flagge" die Entführer und Mörder von Maria Bögerl. Nun präsentieren die Ermittler eine neue Spur. Die ist aber vor allem eines: ein Hinweis auf polizeiliche Hilflosigkeit.

Von Lisa Rokahr

  Unter Druck: Seit drei Jahren sucht die Polizei vergeblich nach den Mördern von Maria Bögerl.

Unter Druck: Seit drei Jahren sucht die Polizei vergeblich nach den Mördern von Maria Bögerl.

Für Volker Zaiß muss der Sonntag ein bedrückender Tag werden. Am 12. Mai jährt sich die Entführung von Maria Bögerl zum dritten Mal. Die Entführung, die tödlich endete, die bis heute nie aufgeklärt werden konnte, die vor Ermittlungspannen nur so strotzt. Die Entführung, die Volker Zaiß versucht aufzuklären.

Die Sonderkommission "Flagge" steht unter einem Erfolgsdruck wie kaum eine andere Ermittlungseinheit in Deutschland. Viele Spuren gibt es, wenig fand die Soko heraus. Immer wieder verkündete sie neue Ermittlungsansätze, die am Ende doch ins Nichts führten – oder die Falschen beschuldigten. Jetzt teilte die Polizei erneut mit, es gebe wichtige Hinweise. "Tatrelevante DNA-Spuren“ seien festgestellt worden, und man gehe zudem davon aus, dass die Täter sich in Spielhallen der Region aufhalten.

Steht die Festnahme der Täter also kurz bevor? So groß die Euphorie in den Medien, die von verdächtigen DNA-Spuren an einem Schlüsselbund des Opfers berichten, so zurückhaltend reagiert Frank Buth, Pressesprecher der Landespolizeidirektion Stuttgart. Die Spuren seien "nicht direkt neu". Buth erklärt, es seien "im Rahmen der Spurensicherung nach der Tat sehr viele Spuren festgestellt worden, davon sind einige natürlich tatrelevant." Also keine neue Spur, keine neue Ermittlung, sondern alles "schon etwas älter", wie er einräumt. Wie alt genau die genannten Spuren genau sind – Buth weiß es nicht. Oder sagt es nicht.

Warum warnt man die Täter?

Aber die Ermittlungen in der Spielhallenszene, die zumindest sind neu. Der Täter zocke gerne an Spielautomaten im Raum Neresheim, Giengen a. d. Brenz und Dillingen. Könnten die Täter gewarnt sein, nachdem die Polizei bekannt gab, wo sie nach ihnen sucht? "Ja", räumt Buth ein. "Das ist nicht auszuschließen. Aber für uns zählen die Hinweise aus der Bevölkerung, die wir uns dadurch erhoffen." Ganz so konkret scheint die Spur also nicht, wenn man riskiert, dass der tatsächliche Täter gewarnt wird.

Auf dem Höhepunkt der Ermittlungen im Fall Bögerl waren anfangs mehr als 80 Polizisten eingesetzt. Heute sind es noch zwölf. Die Soko wurde aus der Zuständigkeit einer offenbar überforderten Polizeiführung von Heidenheim nach Stuttgart verlagert. Den aufreibenden Job des Soko-Chefs hat seit Anfang 2012 Volker Zaiß, der sich unbeirrbar zuversichtlich zeigt, den Fall aufzuklären. "Die Zahl der Thesen und Gegenthesen ist enorm", sagte er noch im vergangenen Jahr in einem Interview. "Wichtig ist nur, nichts wegzulegen, sondern alles offen zu lassen." Fast zehntausend Spuren gibt es inzwischen, keine davon führte bisher zum Täter. Zwischen dem Dank für "wertvolle Hinweise aus der Bevölkerung" und dem Hinweis auf die "intensive" Arbeit der Ermittler scheint die Mitteilung von Soko und der Staatanwaltschaft Ellwangen vor allem eins belegen zu wollen: Wir tun etwas!

Zeugen als größte Hoffnung

Volker Zaiß und seine Ermittler setzen auf Zeugen, die sich noch nicht gemeldet haben. Die vielleicht etwas gesehen haben können. Nicht den maskierten Bösewicht, sondern etwas am Rande, das wichtig sein könnte. Diese Zeugen sind seit langem seine größte Hoffnung, inzwischen vielleicht auch seine letzte. Denn immer wieder erweckten die Ermittler den Anschein, die Lösung des Falls stünde kurz bevor. Vor einem Jahr erst war die Polizei "fest entschlossen", die Tat noch 2012 aufzuklären. Nun scheint es, als habe sich die Soko "Flagge" irgendwo zwischen den 9800 Spuren verirrt.

Immer wieder endeten die Ermittlungen in falschen Verdächtigungen. Eine davon traf den Sohn von Maria Bögerl. Im Herbst 2010 begannen die Ermittler, Christoph Bögerl zu überwachen. Ihm wurde vorgeworfen, er habe angeblich mit dem Täter telefoniert, während seine Eltern außer Haus waren. Doch dann stellte sich heraus, dass es einen peinlichen Fehler bei der Zeitauslese der Telefondaten gegeben hatte - die Eltern waren zu dem Zeitpunkt längst wieder zu Hause. Der Verdacht hatte sich damit zerschlagen, doch die Überwachung wurde fortgesetzt.

"Die Spurensicherung war unfassbar"

Auch suchte die Polizei wochenlang einen Mann mit Pferdeschwanz. Es wurde ein Phantombild erstellt. Dunkle Augen, Bart, lange Haare. Der Mann sei am Tattag in der Nähe des Leichenfundorts gesehen worden. Er könnte ein wichtiger Zeuge sein – oder gar der Täter? Nach einem anonymen Hinweis wurde ein Gastwirt mit Zopf festgenommen. Auch er erwies sich als unschuldig. Dann nahmen die Ermittler einen Rocker in die Mangel. Er hatte in Linz die Frau eines Bankiers überfallen und war ganz ähnlich vorgegangen. Auch ihn konnten die Ermittler nicht als Täter überführen.

Als Hypothek für Zaiß erweist sich auch, dass die Tatorte direkt nach der Tat nicht gründlich untersucht worden waren, beispielsweise das Haus, aus dem Maria Bögerl entführt worden war. Die Garage, in dem das Auto der Frau stand, sei erst vier Monate nach der Tat auf Drängen der Familie untersucht worden. "Die Spurensicherung war unfassbar", kritisierte Christoph Bögerl vergangenes Jahr im stern-Interview das Vorgehen. "Es hätte der Personalausweis des Täters hinterm Klavier liegen können, sie würden es bis heute nicht wissen."

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