. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
23. August 2007, 13:53 Uhr

Die Schlammschlacht der Kampuschs

Heute vor einem Jahr entkam Natascha Kampusch ihrem Entführer. Für die 19-Jährige ist der 23. August wie ein zweiter Geburtstag. Doch genießen kann sie ihn wohl kaum. Denn rechtzeitig zum Jahrestag hat ihr Vater einen bitterbösen Brief geschrieben. Es geht um Geld, Alkohol und elterliche Liebe. Von Malte Arnsperger

Eine Familie streitet sich: Ludwig Koch, Natascha Kampusch und Brigitta Sirny© DPA/DPA/AP

Achteinhalb Jahre lang bestand ihre Familie aus einem Mann. Natascha Kampusch hatte nur ihn, es gab nur den Entführer Wolfgang Priklopil. Vor genau einem Jahr gelang ihr dann die Flucht aus seiner Gewalt. Endlich konnte sie ihr Verlies verlassen. Doch die junge Frau kehrte mitnichten in eine heile (Familien)-Welt zurück. Waren ihre Eltern zum Zeitpunkt ihrer Entführung schon getrennt, sind sie nun erbitterte Gegner. Und ihre Tochter steckt mittendrin im Familien-Zwist der Kampuschs.

"Es war schön, es war schrecklich"

Dieses Auseinandersetzung wird von den Beteiligten mit allen Mitteln geführt. Besonders geschickt benutzen alle drei, Natascha Kampusch, ihre Mutter Brigitta Sirny und ihr Vater Ludwig Koch, die Medien als Transportmittel für ihre Anfeindungen. Nun, am Jahrestag ihrer spektakulären Flucht, hat der seit Wochen gärende Konflikt seinen Höhepunkt erreicht: Mit einem offenen Brief, den die österreichische "Kronen"-Zeitung veröffentlichte, holt Ludwig Koch zu einem Rundumschlag aus.

Mit teilweise wirren, manchmal aggressiven aber auch traurigen Worten wendet er sich an Ex-Frau, Tochter und auch den ORF-Journalisten Christoph Feurstein. Als Grund für diesen schrillen, einem Hilferuf gleichenden Brief gibt Koch die kürzlich gesendete Feurstein-Dokumentation über seine Tochter an. "Es war schön, es war berührend, es war auch schrecklich, es war beleidigend. All das zusammen", schreibt Koch über seine Gefühle.

Doch er scheint die Sendung vor allem als beleidigend empfunden zu haben. "Er sei als Alkoholiker und mediengieriger Affe bloßgestellt worden. Dem Reporter Feurstein habe er am liebsten "eine in die Gosch gehaut". Denn der tue nur so wie der "große Menschenversteher", aber, so Koch, "dann schenkt ihm dein Schicksal und diese Rettung, diese Geschichte, die Top-Story des Lebens".

Der Journalist ist jedoch nicht das Hauptziel des erbitterten Vaters. Vor allem Brigitta Sirny bekommt ihr Fett ab. Sirny hatte vor kurzem ein Buch über ihre Jahre ohne Natascha veröffentlicht und darin ihren Ex-Mann - über den sie nur als "der Koch" spricht - als Trinker, Spieler und Schuldenmacher dargestellt. Schon Natascha Kampusch selber hatte die Mutter dafür scharf kritisiert. "Das ist etwas, das ich rein objektiv gesehen als respektlos und als unangebracht empfinden würde." Ähnlich sieht es auch Ludwig Koch: "Klar ist, dass ich nicht danke dafür sage, dass deine Mutter im Buch schreibt, was für ein kaputter Trottel ich bin. Das würde nicht einmal der Mundl (eine Figur aus einer österreichischen TV-Sendung, Anm. der Red.) so hinnehmen, und der hat eine dicke Haut." Er wolle sich nicht als "versoffener Trottel und Taugenichts" abstempeln lassen.

Doch zum einen hat Koch gleich zu Beginn des Briefs zugegeben, er habe nach der TV-Sendung über seine Tochter noch "ein Viertel vom Roten getrunken, mehr nicht". Und eigentlich, so Koch, nehme er all das Getöse und den Rummel auch nicht sooo wichtig". Das hält ihn aber nicht davon ab, gegen seine Ex-Frau zu klagen. Bezeichnenderweise hat diese Klage nicht sein Anwalt sondern sein Medienberater angekündigt.

"Wir waren ein Liebespaar"

Solch eine Medienberatung hat er wohl auch dringend notwendig, zumindest wenn es nach seiner Tochter geht. Natascha Kampusch hatte ihren Unmut über ihren Vater in der TV-Sendung deutlich artikuliert: "Er ist im Umgang mit der Presse recht naiv. Er hat sich von materiellen Dingen beeindrucken lassen. Es wäre einfacher für mich, mich in das normale Leben integrieren zu können, wenn mein Vater es mir nicht so schwer machen würde durch diverse Mediengeschichten." Diese Vorwürfe lässt ihr Vater in seinem Brief nicht unwidersprochen. Er gibt zu: "Meine Worte waren nicht immer klug. Das stimmt." Doch in seiner Verzweiflung über Nataschas Verschwinden habe er die Medien oftmals angebettelt, etwas zu schreiben oder zu senden. "Irgendwas, wenn nur nicht die Hoffnung verstummt."

Hoffnung auf ein friedliches Familienleben der Kampuschs gibt es wohl vorerst nicht. Und das, obwohl Koch seine Tochter daran erinnert, dass er und ihre Mutter einmal ein Liebespaar gewesen seien: "Künstlicher Befruchtung verdankst du dein Leben jedenfalls nicht. Sind wir jetzt halt per Sie und per Anwalt und per Zeitung." Und auch mit seiner Tochter muss Ludwig Koch in nächster Zeit wohl indirekt kommunizieren, um ihr zu verkünden: "Das Wichtigste ist: Natascha, ich wache immer noch auf mit dem Gedanken und schlafe ein mit dem Gedanken, dass Du da bist. Ich wische mir die Nacht aus den Augen, brauche eine Zeit, bis ich merke, dass es kein Traum ist und bin... Glücklich ist ein zu dünnes Wort für dieses Gefühl. Dein Vater, der Koch."

Von Malte Arnsperger
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
--Sailor-- (24.08.2007, 23:23 Uhr)
Geltungssucht
Warum kann der Journalist natascha nicht in Ruhe lassen wenn er sich doch so um sie sorgt.Er nutzt doch auch jede Gelegenheit um damit an die Öffentlichkeit zu kommen. Der Vater sowieso. Der ist doch sehr auf Aufmerksamkeit und Geld aus. jetzt muss die Mutter auch noch Geld damit machen.Da kann man nur den Kopf schütteln.Wenn der Proklofil die Tür aus dem Verlies ausgebaut hätte,vielleicht wär das noch besser gewesen als mit der Geldgeilen Verwandschaft zu leben.
Rolue (23.08.2007, 19:53 Uhr)
Wahnsinn
Weltklasse Werbung für dieses Buch....auf Kosten vieler anderer....aber auch die medien lachen herzlich über diese familie die nicht in ruhe gelassen werden kann oder nicht lassen will!! Ich wünsche mir das dieses Buch der FLOP des jahrzehntes wird!!
tinix (23.08.2007, 17:05 Uhr)
Am Ende..
.. musste ich doch herzlich lachen.. "Dein Vater, der Koch".. :)
Natascha Kampusch selbst ist mir sowas von unsympathisch, da sage ich lieber gar nichts zu. (Außer dass sie mir unsympathisch ist).
salz63 (23.08.2007, 17:00 Uhr)
bigott
Das ganze ist doch nur das Ergebnis einer perversen Bigotterie, man ergötzt oder empöhrt sich und sieht nicht, daß genau deswegen solche Sachen gedruckt werden.
.
Die Aufregung hier erinnert an den Tod von Lady Di. Da haben sich dann auch die "Echo der Frau im Bild der Revue"-Leserinnen nett über die Fotografen aufgeregt die (vermeintlich) die nette Prinzessin getötet haben, statt sich mal zu fragen für wen die denn da Fotos gemacht haben...
por2de (23.08.2007, 15:31 Uhr)
..
Wie bei "Million Dollar Baby" diese Sippe. Aber wenn die Kampusch auch weiter Interviews und Fernsehauftritte absolviert, verlieren die Medien auch nicht das "Futter", vielleicht einfach mal zurückziehen und sich ruhig verhalten! Ist doch bestimmt nicht Teil der Therapie ein Jahr lang sich mit dem ORF zu treffen, oder?
einsatzreicht (23.08.2007, 15:22 Uhr)
Unfassbar für mich wie man als
Mutter mit dem Schicksal seiner eigenen Tochter Geld scheffeln will!
leichtschwer (23.08.2007, 15:18 Uhr)
Ja, stimmt, strotzdumm sind diese Eltern!
Und zwar beide, jeder Teil für sich und das Ganze. Aber die mißhandelte Tochter lernt ja gerade mal für sich selbst ein neues Leben, dann auch noch mal in ein anderes Land? Nein - aber da werden viele Helfer benötigt, jedoch vor allen Dingen kein verständnissvoller Journalist. Sondern Menschen, die beim Namen Kampusch mal nicht an Geldvermehrung denken!
manndernichtdaist (23.08.2007, 15:00 Uhr)
unfassbar
anstatt dass sich die Eltern freuen ihre Tochter wieder zu haben, bekriegen sie sich. Und die Profitgier (Buch) greift ebenso um sich.
Natascha, das beste wäre du wanderst aus. Irgendwohin wo dich keiner wirklich kennt. Australien. Amerika, Kanada. Fang dort einfach ein neues Leben an. Lerne wieder zu leben! In diesem Umfeld gehst du unter....
Schwaebin (23.08.2007, 14:51 Uhr)
Neue TV-Soap!
Hey, macht doch mal eine neue TV-Soap daraus.
Das gibt bestimmt Traum-Einschaltquoten!
Evil-King (23.08.2007, 14:32 Uhr)
Tolle Familie
Eh, was is'n das für ne Sippe? Die haben doch einer nach dem anderen kräftig einen an der Waffel. Die Tochter kann sich nicht entscheiden was sie von ihrem Kidnapper hält und die Eltern pissen sich gegenseitig übers Fernsehen an...
Könnte man doch glatt mal behaupten, dass sie es bei ihrem Entführer fast schon besser hatte.
Aus einem Trauma ins nächste... Was für ne Verbesserung...
MEHR ZUM ARTIKEL
Ein Jahr in Freiheit Auf den Spuren von Natascha Kampusch

Rennbahnweg, Strasshof, Währing: Drei unscheinbare Ecken in und um Wien. Für Natascha Kampusch Ort ihrer Kindheit, Adresse ihres Entführers und die Wohnung ihres Neuanfangs. stern.de besuchte die Orte, die ihr Leben prägen. mehr...

Natascha Kampusch "Die wollen eine Mausi Lugner aus mir machen"

Ein Jahr nach der Befreiung hat das österreichische Fernsehen eine große Dokumentation über Natascha Kampusch ausgestrahlt. ORF-Journalist Christoph Feurstein gab einen tiefen Einblick in ihr Leben ohne Verlies und die Probleme mit den Medien. mehr...

Christoph Feurstein "Natascha ist nicht Paris Hilton"

Er kennt Natascha Kampusch wie kaum ein Zweiter: Der ORF-Journalist Christoph Feurstein trifft das Entführungsopfer regelmäßig. Ein Jahr nach dem Ende ihrer Gefangenschaft berichtet Feurstein im stern.de-Interview, wie Natascha versucht, ins wirkliche Leben zurückzufinden. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe