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11. Mai 2010, 12:39 Uhr

Kündigung wegen 80-Cent-Essensbon ist nichtig

In der Kantine eines Sportbekleidungsherstellers dürfen Essensmärkchen nur von Mitarbeitern eingelöst werden. Weil ein Angestellter einen 80-Cent-Bon für seine Freundin verwendete, wurde ihm fristlos gekündigt. Zu Unrecht, wie das Arbeitsgericht Reutlingen nun entschieden hat.

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Wegen einer 80-Cent-Essensmarke verlor ein Mann aus dem Kreis Reutlingen seine Anstellung. Das Arbeitsgericht hat die Kündigung nun für unwirksam erklärt© Jochen Lübke/DPA

Wegen eines falsch eingelösten 80-Cent-Essensbons hat ein Mann seinen Job verloren - zu Unrecht, urteilte am Dienstag das Arbeitsgericht Reutlingen. Sowohl die fristlose als auch die ordentliche Kündigung sind demnach unwirksam. Der Sportbekleidungshersteller aus dem Kreis Reutlingen überlegt jetzt, ob er gegen das Urteil Rechtsmittel einlegt.

Der 35-Jährige hatte sich von einem Kollegen ein Essensmärkchen besorgt und seine Lebensgefährtin damit in die Kantine eingeladen. Damit verstieß er gegen eine Vorgabe seines Arbeitgebers, wonach die Mitarbeiter die Märkchen nur für ihr eigenes Essen einsetzen dürfen. Das sei zwar prinzipiell ein Kündigungsgrund. "Aber er hat sein Fehlverhalten eingeräumt", betonte der Vorsitzende Richter. Eine Kündigung sei deshalb zu hart: "Zweck einer Kündigung ist ja nicht die Sanktion, sondern sie soll zukünftige Vertragsverletzungen verhindern."

Der Arbeitgeber erlitt zwar keinen finanziellen Schaden durch den falsch verwendeten Gutschein. Aber er argumentierte, man habe nach dem Zwischenfall kein Vertrauen mehr in den 35-Jährigen, der als Einkäufer über einen Millionen-Etat verfügte. "Wenn er das in der Kantine macht, stellt sich die Frage: Macht er es als Einkäufer auch?", sagte der Anwalt.

Der 35-Jährige war danach arbeitslos und hat vor Kurzem eine deutlich schlechter qualifizierte Stelle bei einer Zeitarbeitsfirma angenommen. Er wollte mit Hilfe der Richter zurück auf seinen alten Arbeitsplatz kommen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 38)
 
jomimo (13.05.2010, 00:27 Uhr)
@Francois
doch, ich kann über Hunger und Not sprechen, weil ich es erlebt habe.

hatte angefangen zu studieren auf eigene Kosten und mit dem Willen, es schaffen zu wollen in einem kleinen Zimmer in Düsseldorf und habe gejobbt bei Maoam in Düsseldorf nach einer abgebrochenen Krankenpflegeaubildung bei einer streng ausgerichteten Institution.
Letzendlich haben Bruder und Eltern mich wieder heimgelockt und die KP -Ausbildung wurde beendet.
Also schweigen Sie lieber - gehungert habe ich, sonst wäre ich nicht in die Obhut meiner mich liebenden Familie zurückgekehrt.
Im Gymnasium hatte ich in der Tat schlecht aufgepasst und auch Nachhilfe auf Großvaters Kosten half nicht - eben eine schlechte Pubertät.
Sie, Francois, sind ein fieser, diskriminierender Troll in meinen Augen.
Schrieben Sie, ob Sie je mit Ihren Händen gearbeitet haben ?
Beschreiben Sie es, wenn es denn so war.
Ich jedenfalls habe so mein Gehalt zeitlebens verdient !
bailador (12.05.2010, 11:19 Uhr)
Diskussion
Also sorry, was ist das denn hier für eine neiderfüllte Diskussion, wo einer dem anderen die Butter auf dem Brot nicht gönnt und versucht, seine eigene Position zu stärken, indem man andere beleidigt oder anpöbelt.

Aber zur Sache:
Fakt ist, dass es eine Arbeitsgeberrichtlinie gab: "Essen nur für Betriebsangehörige". Diese Richtlinie kannte der Arbeitnehmer. Und hat sich gedacht: "Die gilt jetzt im Moment nicht für mich, weil meine Freundin ja grad Hunger hat". Und hat einfach einseitig die Spielregeln geändert und sich über die Richtlinie hinweggesetzt. Dies zeigt eine grundsätzliche Haltung des Arbeitnehmers gegenüber dem Arbeitsgeber: Ich nehme mir, was ich will, sofern ich denke, dass es mir zusteht, egal, wie die Richtlinien sind. Der Arbeitnehmer hat hier jedoch keinen Ermessensspielraum, die Richtlinien sind eindeutig. Wenn er seine Freundin unbedingt verköstigen will, hätte er VORHER fragen können, ob das ok ist, aber nicht heimlich in der Hoffnung, es merkt niemand. Dieser Arbeitnehmer ist nicht mehr vertrauenswürdig, das ist der Knackpunkt. Es geht um VERTRAUEN, wie in vielen anderen menschlichen Bereichen auch. Und wo kein Vertrauen mehr da ist, müssen Gesetze her und Anwählte und Gerichte, die das klären, was eigentlich bilateral mit Moral und Anstand hätte geklärt werden können. Darum geht es doch eigentlich bei dieser Geschichte, nicht um die 80 Cent. Das Schlimme ist, dass Leistungsträger in unserer Gesellschaft - Unternehmer (die tragen das Risiko, auf dem sich die Arbeitnehmer ausruhen!) und auch jeder Arbeitnehmer, der einigermaßen gut verdient - neidvoll beäugt werden und gemolken werden, sobald sich eine Gelegenheit bietet. Man vergisst dabei jedoch, dass unsere Gesellschaft ohne diese Leistungsträger nicht funktionieren würde mangels Geld. Wir können nicht alle vom Nehmen leben, man muss auch geben. Eigene Leistung sollte wieder mehr zählen. Aber wenn schon ein Betrüger (und sei es auch nur wegen 80 Cent) vor Gericht Recht bekommt, weiß man, wo der Hase lang läuft. Der Standort Deutschland geht vor die Hunde, getrieben von einer pseudo-sozial(istisch)en Haltung, die glauben macht, dass es allen gut geht, wenn niemand mehr arbeiten muss und alle in der sozialen Hängematte liegen. Aber wenn keiner mehr da ist, die diese finanziert, wird's dunkel hier.
pops (12.05.2010, 06:35 Uhr)
@francois
das prädestiniert Sie natürlich zum moralapostelnden Oberrichter!
Hätte man das vorher gewusst, wären Sie selbstverständlich ganz anders gewürdigt worden...
Gute Nacht Deutschland: Pops
GuyVonGisbert (12.05.2010, 06:32 Uhr)
Oh jeh...
...ist ja alles schoen und gut mit 'sind ja nur 80ct' - aber wo ist eigentlich die Grenze? Sind 1,00 EUR schon viel, oder erst 5, 10 oder 100? Und ist es nicht so, dass die Hemmschwelle mit der Gewohnheit sinkt? Also hier mal 80ct, dann vielleicht den huebschen Kuli, mit dem man immer so gut schreiben kann - sind ja nur 1,50. Und das Kopierpapier zuhause ist auch aus...naja, hier gibts ja soviel davon. Machen das noch ein paar Leute im gleichen Betrreb koennen auch 80ct einen ziemlichen Schaden anrichten, vor allem auch am Vertrauensverhaeltnis. Wenn man Mitarbeitern bereits bei kleinen Dingen nicht vertrauen kann, gibt man ihnen die grossen erst gar nicht in die Hand.

Liebe Brigitte, viele Beamte verdienen weit unter dem, was sie in der freien Wirtschaft bekommen - da wollen wir doch bei der Rente/Pension mal nicht so sein, oder ;-)
Francois (11.05.2010, 23:20 Uhr)
@brigitteramsau
Noch so ein Robin Hood der Entrechteten... Was tun Sie den heldenhaftes für die Gesellschaft? Ich arbeite40 h/Woche und zahle Steuern und ganz nebenbei helfe ich einmal die Woche ehrenamtlich im Tafelladen und putze ehrenamtlich Hundezwinger und Katzenzimmer im Tierheim. Davor war ich jahrelang aktives Mitglied der freiw. Feuerwehr. Und Sie?
Francois (11.05.2010, 23:16 Uhr)
@jomimo
Schreiben Sie nicht von Armut, solange Sie diese nicht kennen gelernt haben und spielen Sie sich nicht als Verteidiger der sozial Entrechteten auf.

Mir scheint, dass Sie hier nicht ganz bei Sinnen sind - oder in der Schule nicht so gut aufgepasst haben. Die von Ihnen geforderte Art von sozialer Gerechtigkeit gab es nie und sie wird es nie geben.
Haben Sie etwa wirklich an die "soziale" Marktwirtschaft geglaubt? An die soziale und wirtschaftliche Gleichstellung der Mittelschicht?
Traurig genug, dass der im Artikel erwähnte Betrug mittlerweile als Legitimation für unsinniges marxistisches Gedankengut herhalten muss.

Dass Sie ein Unrecht mit einem anderen Unrecht zu rechtfertigen suchen, lässt interessante Schlussfolgerungen hinsichtlich ihres eigenen Verhaltenskodex in der Gesellschaft zu.
brigitteramsau (11.05.2010, 22:57 Uhr)
An die Erklaerer die meinen das der Mitarbeiter gnadenlos bestraft werden muesste.
Schon komisch dass nur noch die verarmten Menschen zu Taetern werden koennen. Diejenigen die sich mit von Beamten-Pensionen ernaehren fuer die sie niemals bezahlt haben argumentieren so.
Menschen die leistungsfaehig sind haben das nicht noetig.

Armes Deutschland! Zuviele Beamte oder Typen die Unterdrueckung moegen. Deswegen klappte die DDR und davor der Hitlerstaat so gut.
merowinger (11.05.2010, 22:53 Uhr)
@jomimo
es geht nicht darum, bestimmte Sachverhalte gegeneinander aufzuwiegen. Nur weil irgendwas Falsch ist, wird es nicht dadurch richtig, das irgendwas anderem Falschen mehr Bedeutung beigemessen wird.
jomimo (11.05.2010, 22:12 Uhr)
@Francois
ja verstehen Sie denn nicht, dass in D massiv und gehäuft sich Angelegenheiten abspielen, welche in keiner Relation zueinander stehen ?

Auf der einen Seite wird das Volk in die Armut verkauft seitens Politikern und Bankern, die wir nie wollten, auf der anderen Seite sollen wir Maultaschendiebstahl moralisch verwerflich finden?

Ja sind Sie denn noch ganz bei Sinnen ?
Francois (11.05.2010, 21:42 Uhr)
@Hessy, Frankincense & Co
Seltsames Rechts- und Sozialverständnis, das Sie da haben. Erstens kostet den AG das Essen mehr als nur 80 Cent. Er bezuschusst also den Rest. Wäre echt gespannt, was passieren würde, wenn ich Ihnen an einer Pommesbude begegne, einfach in Ihre Pappschale greife und mitesse. Sie bleiben bestimmt ruhig - im Gegensatz zu uns asozialen, die sich daran stören würden.

Und was das Kaufen von Waren dieses Herstellers betrifft: so wie's aussieht, kaufen Sie bald nirgends mehr, wenn Sie hinter jeder Entlassung die soziale Verwahrlosung kapitalistischer Ausbeuter erkennen und diese fortan boykottieren.

Allen anderen, die sich hier aufregen, sei gesagt: unterstützt ruhig weiter diejenigen Sozialschmarotzer, die auf Kosten der Gemeinschaft gegen jede Regel beliebig verstossen und damit jeden, der sich an aufgestellte Regeln hält, zum Trottel stempeln. Wen wunderts, dass Deutschland mit so einer Einstellung total verkommt.
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