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8. April 2009, 10:23 Uhr

"Wie ein Camping-Wochenende"

Schlimmer Fauxpas von Silvio Berlusconi: Die Menschen im italienischen Erdbebengebiet haben alles verloren und müssen in Zeltlagern hausen. Doch dem Regierungschef fällt nichts Besseres ein, als die Lage der Obdachlosen mit einem Camping-Urlaub zu vergeichen. Die Zahl der Todesopfer ist unterdessen auf 260 gestiegen.

Erdbeben, Italien, Nachbeben, L'Aquila, Abruzzen

Silvio Berlusconi spricht in einem Zeltlager in L'Aquila mit Erdbebenopfern© Livio Anticoli/AFP

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat die Lage der obdachlos gewordenen Erdbebenopfer in den Abruzzen mit einem Campingurlaub verglichen. Den in Zeltlagern untergebrachten Menschen fehle es an nichts, sagte er dem Fernsehsender NTV bei einem Besuch vor Ort. Sie hätten warmes Essen und medizinische Versorgung. Ihre Unterbringung sei "natürlich absolut provisorisch, aber man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende".

Durch das schwere Beben in der Nacht zum Montag mit mindestens 260 Toten, darunter 17 Kinder, verloren fast 28.000 Menschen ihr Zuhause. Die meisten wurden in Zeltlagern in der Nähe der schwer zerstörten Regionalhauptstadt L'Aquila untergebracht; etwa 10.000 bezogen Hotelzimmer an der Adria.

Zuvor hatte Berlusconi den unter Wassermangel und Energie-Notstand leidenden Menschen in L'Aquila noch Mut zugesprochen. "Wir lassen euch nicht im Stich", sagte der Regierungschef.

Die Retter setzten ihre Suche nach Verschütteten auch am zweiten Tag nach dem Erdbeben fort. Mehr als 5000 Helfer versuchen, in der verwüsteten Abruzzen-Hauptstadt und Umgebung Überlebende zu finden. Bislang wurden 260 Todesopfer geborgen. Einige der Geborgenen konnten noch nicht identifiziert werden, berichtete der Zivilschutz.

Die Retter befürchten, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigt - weil noch etliche Menschen verschüttet sind und weil die Erde immer wieder von Neuem bebt. Besonders stark war ein kräftiges Nachbeben am Dienstagabend. Der Erdstoß der Stärke 5,3 ließ in L'Aquila und mehreren Orten der Umgebung weitere Häuser einstürzen. Das Beben war auch im rund 100 Kilometer entfernten Rom und im südlichen Kampanien zu spüren.

Vor den neuerlichen Erdstoßen hatte Berlusconi die Bewohner evakuierter Stadtteile vor einer Rückkehr gewarnt. Die Gefahr durch die Erschütterungen sei zu groß. Seit dem Beben am Montag, dem folgenschwersten in Italien seit 1980, wurden insgesamt mehr als 340 Nachbeben gezählt. Immer wieder lösten sie Panik in der Bevölkerung aus und richteten neue Schäden an.

Einen Hoffnungsschimmer gab es am Dienstagabend für die Helfer. 42 Stunden nach der Katastrophe konnten die Retter eine 20 Jahre alte Studentin aus den Trümmern in L’Aquila befreien. Sie hatte in einem Hohlraum eines eingestürzten Hauses überlebt. Ihr Gesundheitszustand wurde von der italienischen Nachrichtenagentur Ansa als gut bezeichnet. Sie wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Solche glücklichen Ereignisse erhalten die Motivation der Helfer, die seit Tagen im Einsatz sind. Dennoch wird inzwischen nicht mehr mit bloßen Händen, sondern mit schwerem Gerät geräumt. Die Wahrscheinlichkeit noch Lebende unter den Trümmern zu finden, ist verschwindend gering. Die Suche wird nach Aussage von Innenminister Roberto Maroni voraussichtlich bis Sonntag fortgesetzt.

In die Diskussion über eine offensichtlich nicht erdbebensichere Bauweise in Mittelitalien hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf eingeschaltet. Das Beben vom Montag habe das Hospital San Salvatore in L’Aquila zu 90 Prozent zerstört, sagte eine WHO-Sprecherin und unterstrich damit die Notwendigkeit katastrophensicherer Krankenhäuser. Auch in Italien kritisierten Fachleute von neuem die unzureichende Bauqualität, zumal auch zahlreiche jüngere Gebäude eingestürzt seien.

Die Versicherungsschäden durch das Beben könnten sich auf bis zu 400 Millionen Euro belaufen. Das erklärte das auf Risikoschätzungen spezialisierte Unternehmen AIR Worldwide am Mittwoch. Die Schätzung umfasse Schäden an privaten, geschäftlichen und öffentlichen Gebäuden, nicht aber den Schaden durch den Ausfall des Geschäftsbetriebs für Unternehmen. Der Gesamtschaden könnte sich laut AIR auf zwei bis drei Milliarden Euro summieren, davon sei aber nur ein geringer Teil versichert.

AFP/DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 25)
 
oili2222 (08.04.2009, 22:58 Uhr)
Tölpel
@Jakuleg
Ich bin durchaus dafür, den Betroffenen in dem Erdbebengebiet Mut zu machen. Ob das aber dem Tölpel Berlusconi mit seinem Camping-Lagervergleich gelingt, möchte ich doch sehr bezweifeln.
Und wenn man Spenden für die Erdbe-benopfer an die italienische Regierung schickt, landen sie mit einiger Sicherheit in den Taschen von Berlusconi und seinen Freunden. Wer diese Tatsachen bestreitet, ist entweder blind und taub oder er gehört zu Berlusconis Clique. Ein "Mann", der in wirklich jedes Fettnäpfchen tritt, und das anscheinend bewusst, gehört nicht an die Spitze eines Staates. Und es tut schon weh, Ihre Kommentare zu lesen, die von keinerlei Sachkenntnis getrübt ist.
chatahootchee (08.04.2009, 16:13 Uhr)
@JAKULEG
So ist es nun mal hier im Forum: Je weniger die Leute wissen, desto oefter erscheinen sie hier mit Kommentaren.
tobix (08.04.2009, 16:04 Uhr)
Na, stern,de, basteln wir wieder einen Skandal?
Uuuiii, eine etwas zweifelhafte Äußerung von Berlusconi....
Na, hat doch alles für einen Skandal: klare (und dazu noch viele) Opfer, einen umstrittenen Politiker, ... ein bisschen Sex noch und das wird eine ganz große Nummer!
nightmare_online (08.04.2009, 15:59 Uhr)
@UR63
Nuja. Berlusconi hat gestern ausländische Hilfe abgelehnt.
Auch das rief vor Ort beim Einsatzleiter einen heftigen Heiterkeitsausbruch hervor. Anschliessend zeigte er dann lachend auf einen Helfer. Der kam aus Griechenland.
Berlusconi sollte sich weniger darum kömmern, was er gegen seine Falten und seine grauen Haare tut, und dafür mehr Gehirnjogging machen. Das würde Italien schon weiterbringen.
UR63 (08.04.2009, 14:55 Uhr)
Der deutsche Comedy-Sender..
N-TV hat endlich was zu berichten!
Nur in Italien juckt das niemanden!
Die N-TV Leute rennen jetzt durchs Camp und erzählen es den Leuten!
Lächerliche Posse!
Johann58 (08.04.2009, 14:44 Uhr)
der italienische Fettnaepfchen Praesident
Egal was er wie zum Campingurlaub oder Wochenende gesagt haben mag. Ein egozintrischer Zyniker ohne jeglichen Anstand bleibt Berlusconi allemal. Wess Geistes Kind er ist beweist er ja nun wirklich wo auch immer er auftritt. Dabei glaubt er ja wohl witzig zu sein ob es um Obamas sonnengebraeunte Haut geht oder um ein 'Campingwochenende' von Menschen die alles verloren haben. So wie wir den Einsatz staatlicher italienische Hilfe kennen, werden die Erdbeneopfer in einem Jahr immer noch in Provisorien leben aber die Mafia hat die Gelder unter sich aufgeteilt. Das waere ja nun wirlich nicht zum ersten mal.
Jakuleg (08.04.2009, 14:36 Uhr)
@Mastergirl
...und weiter mit Kommentaren, die die Diskussion nicht weiterbringen. Ich selbst sehe mich nicht wirkliche einem (künstlich geschaffenen) Staat angehörig. Ich habe in den letzten Jahren jeweils mehrere Jahre lang in Italien, USA und Österreich gelebt. Dementsprechend könnte ich auch ein schönes Kommentar über das von vielen getriebenen USA-Bashing schreiben -- aber das ist ein anderes Thema. Es geht mir nur darum, dass man bei einer politischen Diskussion sachlich bleibt und offen für andere Meinungen, ansonsten ist Zeit und Aufwand umsonst.
Mastergirl (08.04.2009, 14:20 Uhr)
@Jakuleg:
vielen Dank für die Belehrungen. Ein Italiener, der sich auf die Füße getreten fühlt? Nehmen Sie sich Ihren Leppedobbe (italienisch für Laptop) und machen dort auch ein Camping-Wochenende.
Jakuleg (08.04.2009, 14:11 Uhr)
Immer wieder erstaunlich...
...wieviele Artikel auf Stern mit Berlusconi-Bashing geschrieben werden und wie viele Personen, die wohl noch nie in Italien waren, ihren unqualifizierten Senf dazugeben.
Erstens heißt es der Mafioso (Sing.) und die Mafiosi (Plur.). Zweitens wird er nicht "il nanno" genannt, sondern "il nano" (der Zwerg). Dass man bei unliebsamen Personen immer wieder auf koröperliche Defekte und als nachteilig empfundene Äußerlichkeiten rumreiten muss, ist zwar traurig, aber leider häufig der Fall (welche Aussagen gab es nochmal bei Frau Merkel bezüglich Aussehen, Kleidung, Frisur etc?). Das sollte bei Politikern wohl überhaupt keine Rolle spielen und in jeder halbwegs ernsthaften Diskussion draußen bleiben. Außerdem ist er doch dafür bekannt einen eigenen Humor zu haben und sein vielleicht ein bisschen tölpelhafter Versuch Hoffnung zu geben ist doch ok. Soll er den armen Leuten etwa sagen, dass sie für Wochen in den Zelten bleiben müssen und ihr Leben komplett zerstört ist? Das wissen die Betroffenen selber. Hier ist Hoffnung geben und Aufheitern gefragt, Panikmache ist sicher nicht angesagt.
utospatz (08.04.2009, 13:44 Uhr)
Hat irgend ein Jemand
von einem Obermafiosi etwas Anderes erwartet?
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