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4. Februar 2010, 07:03 Uhr

Regierung geht von mehr als 200.000 Toten aus

Es ist eine Zahl des Grauens: Die Regierung von Haiti hat die Zahl der Opfer des verheerenden Erdbebens erneut nach oben korrigiert. Laut Premierminister Jean-Max Bellerive geht man in Port-au-Prince von mehr als 200.000 Toten aus. Die größten Hoffnungen des Landes ruhen jetzt auf einem ehemaligen US-Präsidenten.

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In notdürftigen Zeltlagern werden verletzte Opfer versorgt© Sofia Paris/AFP

Mehr als drei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben hat die haitianische Regierung die Zahl der Todesopfer erneut nach oben korrigiert. Jüngsten Schätzungen zufolge kamen 200.000 Menschen ums Leben, teilte Premierminister Jean-Max Bellerive am Mittwoch in Port-au-Prince mit. Darin seien aber noch nicht die Opfer enthalten, die noch immer unter den Trümmern liegen oder die bereits von ihren Verwandten bestattet worden sind.

Unterdessen haben die Vereinten Nationen den früheren US-Präsidenten Bill Clinton als Chefkoordinator aller Hilfen für das vom Erdbeben zerstörte Land gewonnen. Clinton "wird die Soforthilfe und den langfristigen Wiederaufbauprozess strategisch führen", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Mittwochabend in New York. Er habe ihn gebeten, die Aufgabe zu übernehmen, "und Clinton hat zugestimmt", erklärte Ban.

Clinton war schon vor der Erdbeben-Katastrophe als UN-Sondergesandter für Haiti tätig. In diplomatischen Kreisen in New York hieß es, er sei der ideale Mann für den Posten, weil er sowohl die Erfahrung aus den Jahren im Weißen Haus als auch das Ansehen als etablierter UN-Repräsentant mit sich bringe.

Proteste gegen mangelhafte Verteilung der Hilfsgüter

Das Erdbeben der Stärke 7,0 hatte Port-au-Prince und Gebiete westlich der Hauptstadt am 12. Januar zerstört. Über eine Million Menschen wurden obdachlos. Die Regierung in Port-au-Prince geht davon aus, dass mehr als 300.000 Menschen verletzt wurden. Etwa 4000 von ihnen seien Gliedmaßen amputiert worden. Hilfsorganisationen hatten die Zahl der Amputierten zuvor bereits auf 6000 geschätzt. Die tatsächliche Zahl der Toten und Verletzten wird sich nach Meinung von Experten allerdings nie ermitteln lassen.

Unterdessen mehren sich Proteste von Erdbebengeschädigten, die bei der Verteilung von Hilfsgütern bislang leer ausgingen. Sie werfen der haitianischen Regierung vor, nichts zur Linderung ihrer Not unternommen zu haben. Im Stadtteil Petionville demonstrierten etwa 300 Menschen vor dem Rathaus und beschuldigten die Bürgermeisterin, Lebensmittelgutscheine der ausländischen Hilfsorganisationen verkauft zu haben statt sie gratis abzugeben.

Nach Angaben von UN-Generalsekretär Ban ist der Aufbau von Notunterkünften jetzt das Wichtigste, da in der Region der Beginn der Regenzeit erwartet werde. UN-Angaben zufolge haben bisher 10.000 Familien Zelte und weitere 15.000 große Planen erhalten. 15.000 Zelte lägen bereit zum Verteilen und 40.000 seien auf dem Weg. Laut Ban wird Ex-Präsident Clinton schon am Freitag nach Haiti fliegen, um seine neue Rolle zu übernehmen. Darüber hinaus werde er wie bisher nach Sponsoren suchen, die das schon vor dem Erdbeben ärmste Land der westlichen Hemisphäre beim Aufbau unterstützen.

DPA
 
 
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