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20. Juli 2009, 16:11 Uhr

Retter stellen Suche nach Opfern ein

Eine Bergung ist unmöglich: Die Suche nach den drei Menschen, die seit dem Erdrutsch in Nachterstedt vermisst werden, ist eingestellt worden. Ein letzter Hoffnungsschimmer war der Einsatz der Bundeswehr, doch auch der scheiterte - das Gebiet rund um die Unglücksstelle gilt weiterhin als einsturzgefährdet. Experten entdeckten zudem weitere Risse im Boden.

Unglücksstelle, Nachterstedt, Erdrutsch, Risse

Die Lage ist zu gefährlich, die Bergung der Vermissten wurde eingestellt© Jens Wolf/DPA

Die Einsatzkräfte haben die Suche nach den drei Menschen eingestellt, die von dem Erdrutsch am Samstag in Nachterstedt mit ihrem Haus in den See gerissen wurden. Es gebe keine Überlebenschancen mehr und keine Möglichkeit, die Opfer im Alter von 48, 50 und 51 Jahren zu bergen, sagte Sachsen-Anhalts Innenstaatssekretär Rüdiger Erben am Montag in Nachterstedt. "Hier ist technisch nichts zu machen und es ist auch nicht zu verantworten, hier Einsatzkräfte einzusetzen."

Zuvor war der letzte Versuch zur Bergung gescheitert. Ein Einsatz der Bundeswehr sei nicht möglich, sagte Erben. Panzer-Pioniere hatten das Gelände zuvor an der Abbruchkante erkundet, um zu klären, ob die Bundeswehr helfen kann. Zuvor hatte bereits der Einsatz einer Wärmebildkamera in der Nacht zum Montag keinen Erfolg - es konnten weder lebende noch tote Personen geortet werden.

Bergbau-Experten schätzen die Lage am Unglücksort weiterhin als sehr gefährlich ein. In der Nähe der evakuierten Häuser wurden neue Risse im Erdreich entdeckt. "Es ist nicht auszuschließen, dass es zu weiteren Abbrüchen kommt", sagte der Sprecher der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), Uwe Steinhuber.

Über die genaue Unglücksursache herrscht weiter Rätselraten. "Alles was im Raum steht, ist spekulativ", sagte LMBV-Sprecher Steinhuber. Der Freiberger Hydrogeologe Broder Merkel sagte, dass der Grundwasseranstieg bei der Flutung des Sees eine Ursache sein könne. Den Erdrutsch in Nachterstedt bezeichnete er als "Ausnahmefall". An anderen Tagebauseen in Deutschland wurde die Gefahr solcher Unglücke als gering eingeschätzt. "Wir müssen den Bericht und die Untersuchungsergebnisse der Kollegen abwarten", sagte der Chef des Landesbergbauamtes in Brandenburg, Klaus Freytag.

Die LMBV sicherte den rund 40 Menschen, die möglicherweise nicht in ihre einsturzgefährdeten Häuser zurückkehren können, finanzielle Hilfe zu. "Wir wollen unbürokratisch und unter Zurückstellung offener rechtlicher Fragen schnell helfen", sagte Steinhuber. Die LMBV will dazu eine Kontaktstelle am Unglücksort einrichten. Auch das Land Sachsen-Anhalt stellte finanziellen Hilfen in Aussicht. Einige der Betroffenen konnten am Sonntagabend kurzzeitig in ihre Häuser zurück, um persönliche Dinge zu holen.

Am frühen Samstagmorgen war urplötzlich eine etwa sechs Fußballfelder große Fläche in den See gerutscht und hatte ein Doppelhaus und die Hälfte eines Mehrfamilienhauses mehr als 100 Meter mit in die Tiefe gerissen. Wegen der unsicheren Lage verstärkte die Polizei am Montag die Absperrungen an den Ufern des seit einigen Jahren als Freizeitsee genutzten Gewässers. "In der Gefahrenzone besteht Lebensgefahr", sagte ein Polizeisprecher. "Es ist um den See mindestens weiterhin so gefährlich wie bisher, wenn nicht sogar gefährlicher geworden", sagte Erben.

DPA
 
 
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