Wer als Deutscher in die USA einreisen will, muss beim Check-In einiges ertragen. Vor allem skeptische Blicke und bohrende Fragen. Auch solche, die man für einen schlechten Witz hält. Was ein stern.de-User bei American Airlines in Frankfurt/Main erlebte.

Der selbstständige Ökonom Gunter Quaißer, 40, war nach dem Studium erst an der RWTH-Aachen als Wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann an der Uni Siegen beschäftigt. Seit gut 15 Jahren reist er regelmäßig und oft in alle Weltteile© Gunter Quaißer
Fast hätte meine Reise nach Südamerika nicht stattgefunden. Zuhause war alles auf eine längere Abwesenheit eingestellt: die Post umgeleitet, die Wohnung vermietet, der Papierkram erledigt, das Gepäck gepackt. Ich hatte am frühen Morgen nicht verschlafen und den Zug zum Flughafen rechtzeitig erreicht. Mein Reisepass war zwar fast voll, aber noch fünf Jahre lang gültig. Mein Ticket für den Flug AA 83 mit American Airlines von Frankfurt/Main nach Chicago hatte ich auch dabei. Aber bevor die amerikanischen Fluggötter einen den Flug genießen lassen, hatte ich noch eine Sicherheitskontrolle zu überwinden.
Die meisten internationalen Fluggesellschaften verlassen sich dabei auf das gründliche Durchleuchten des Gepäcks, von dem die Fluggäste sicherheitshalber gar nichts mitbekommen. Bevor man aber bei einer amerikanischen Fluglinie an Bord gehen darf, muss man zusätzlich noch einen mündlichen Sicherheitscheck über sich ergehen lassen. Normalerweise wird man nur gefragt, wie viele Gepäckstücke man dabei hat, ob man diese selbst gepackt hat und vor allem, ob man diese seit dem Packen nicht mehr aus den Augen gelassen hat. So soll sichergestellt werden, dass die Fluggäste nichts Verbotenes an Bord bringen können, insbesondere keine Waffen und gefährliche Gegenstände. Es können aber auch ganz andere Fragen gestellt werden.
Meine Flugroute sollte mich erst mit einem Transatlantikflug nach Chicago führen. Daran sollte sich ein Inlandsflug nach Miami und schließlich ein Flug nach Santa Cruz in Bolivien anschließen, letzterer mit einer weiteren Zwischenlandung in der bolivianischen Hauptstadt La Paz. In den letzten Jahren war ich schon ein wenig herumgekommen - was natürlich in meinem Reisepass dokumentiert war. So eine Situation wie die folgende hatte ich aber noch nicht erlebt.
Ich stand am Frankfurter Flughafen in der Schlange vor dem Check-in-Schalter, als eine Angestellte der von American Airlines beauftragten Sicherheitsfirma meine Aufmerksamkeit wollte. Nach einer freundlichen Begrüßung stellte sie mir ihre erste Frage.
Nun, dieser höflichen Aufforderung konnte ich natürlich nicht widerstehen und reichte der Dame meinen Pass. Sie öffnete ihn an einer beliebigen Stelle, stutzte und hielt mir den Pass wieder vor die Nase.
Oh, das ist für Libyen
Ja.
Die Dame öffnete eine andere Seite des Passes, auf der wiederum eigenartige, unbekannte Schriftzeichen in verschiedenen Farben und kleine bunte, briefmarkenähnliche Klebemarken prangten.
Ich musste mich vorbeugen um etwas erkennen zu können und sagte dann: Syrien.
Die Dame öffnete mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck eine andere Seite des Passes und hielt mir den Pass wortlos unter die Nase. Ich verstand diese Aufforderung und antwortete auf die nicht gestellte Frage: Libanon.
Langsam wunderte ich mich, warum sich die Dame nur für die bunten arabischen Stempel interessierte und nicht für die Stempel aus Ländern wie Japan, Singapur, Australien, Indonesien oder Belize - die aber zugegebenermaßen alle nicht so bunt sind.
Ich habe dort Urlaub gemacht.
Ich gab ihr mein Ticket.
Ich nickte.
Nein, Santa Cruz in Bolivien.
Jetzt veränderte sich der Gesichtsausdruck der Dame und die bis dahin noch verhaltene Freundlichkeit machte einem ernsten und nachdenklichen Ausdruck Platz. Und mir dämmerte es, welche Gedanken hinter ihrer Stirn aufkamen: Der kommt aus den Terroristenländern und jetzt will er ins Kokainland! Vorsicht!
In einem Hotel.
Für einen Moment kam mir ein verwegener Gedanke: Kennt diese Dame vielleicht verschiedene Hotels im bolivianischen Santa Cruz? Ich kannte nämlich keine und antwortete: Ich weiß nicht. Aber ich habe einen Reiseführer und werde mir nach meiner Ankunft ein Hotel aussuchen.
Ja.