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11. Juli 2009, 21:10 Uhr

Dresden nimmt Abschied

Dresden nimmt Abschied von der im Gerichtssaal ermordeten Ägypterin. Auch SPD-Chef Franz Müntefering war unter den 1500 Gästen der Trauerfeier. In der islamischen Welt löste die Ermordung der Frau heftige Proteste aus. "Tod für Deutschland" riefen am Samstag Menschen in Teheran.

Dresden, Ägypterin,

Tränen in Dresden: Sie und viele andere trauern um die getötete Ägypterin© Matthias Rietschel/AP

Rund 1500 Menschen haben am Samstag in Dresden der im Gerichtsaal ermordeten Ägypterin gedacht. Die Trauernden hielten Plakate mit Fotos der Getöteten und ihrem dreijährigen Kind hoch. An der Gedenkfeier nahm auch SPD-Chef Franz Müntefering teil.

Die 31-jährige schwangere Ägypterin war während eines Prozesses von dem Angeklagten mit 18 Messerstichen getötet worden. Bei dem Angriff wurde auch ihr Mann lebensgefährlich verletzt. Die Frau war Zeugin in einem Berufungsverfahren. Der Täter war zuvor wegen Beleidigung verurteilt worden. Er hatte laut Staatsanwaltschaft die in Dresden lebende Ägypterin als "Islamistin", "Terroristin" und "Schlampe" verunglimpft, als sie ihn auf einem Spielplatz gebeten hatte, die Schaukel für ihren Sohn frei zu machen.

Der Tod der Frau hat im Iran wie auch in anderen muslimischen Ländern zu scharfen Protesten geführt, bei denen Deutschland Diskriminierung von Muslimen vorgeworfen wurde. In iranischen Medien wurde die Frau als Märtyrerin gefeiert. Vor der deutschen Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran protestierten am Samstag rund 150 Jugendliche gegen die Ermordung der Ägypterin. Sie warfen Eier auf den Haupteingang der Botschaft und riefen: "Tod für Deutschland" und "Tod für Europa". Am Freitag war der deutsche Botschafter in Teheran einbestellt worden, um den Protest der iranischen Führung entgegenzunehmen.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 51)
 
floyd77 (13.07.2009, 16:24 Uhr)
Wenn es anders wäre
Wenn ich mir so die Reaktionen ansehe, dann habe ich den Verdacht, die Leute hätten anders reagiert, wenn die Frau kein Kopftuch an hätte, sondern eine emanzipierte Frau, die nach westlichem Modell leben würde.
floyd77 (13.07.2009, 16:09 Uhr)
@Xennia
Ihre Art zu denken wird tatsächlich immer beliebter: Anstatt sich selbst kritisch gegenüber zu sein, wird der Fehler bei den Anderen und Diktaturen gesucht. Zwar sind die Anderen nicht fehlerfrei (und da gebe ich Ihnen recht), aber dadurch lenkt man nur vom eigenen Handeln ab und räumt sich immer mehr Freiheiten.
floyd77 (13.07.2009, 16:05 Uhr)
@Xennia
Na ja, man kann ja natürlich in jeder Sache einen islamistische Propagandazweck vermuten lassen, somit lässt man sich alles erlauben, gell? Tolle Logik, und die hört sich für mich genau wie manche Islamisten, die hinter jeder Aktion des Westens eine Verschwörung vermuten. Sorry, aber diese Art von Denken wird von Manchen gerade beliebt, um sich alles erlauben zu dürfen.
Und Herr Müntefering hat sich nicht erniedrigen lassen, sondern zeigte respektvoll, dass er Mitgefühl hat. Das finde ich nett und positiv. Schließlich hätten alle Politiker so reagiert, wenn die Ermordete eine Jüdin wäre oder wenn der Mörder ein Muslim wäre. Oder werden künftig Muslime generell missachtet, nur weil es einige verrückte Muslime auf dieser Welt gibt?
Xennia (13.07.2009, 15:39 Uhr)
Missbrauch für Propagandazwecke
Diktatorische muslimische Staaten regen sich angeblich über den Mord an der Ägypterin auf und unsere Politiker, allen voran Münterfering, machen sich zu Deppen, indem sie die Tat eines verrückten Russen zur Staatsaffaire hochpuschen.
Merken die Politiker nicht, dass die schreckliche Tat für islamistische Propagandazwecke missbraucht wird??
floyd77 (13.07.2009, 15:05 Uhr)
Noch ein Artikel
Oder lesen Sie auch folgendes:
http://www.musafira.de/2009/07/03/marwa-e-–-opfer-eines-anti-islamisch-motivierten-mordes/
floyd77 (13.07.2009, 15:03 Uhr)
@Popobawa
Dieser Artikel erklärt vielleicht besser was ich meine:
http://www.zeit.de/online/2009/28/der-neue-hass
floyd77 (13.07.2009, 15:00 Uhr)
@Popobawa
Vielen Dank für Ihre Antworten, aber ich habe das Gefühl, dass wir uns missverstehen. Ich bin auch mit dem Meisten, was Sie erzählen einverstanden. Diese Schuldzuweisungen und Massenproteste mag ich auch nicht. Auch erwarte ich vom Zentralrat der Muslime, dass er sich möglichst zurückhält. Aber bei jedem Ehrenmord oder Muslim-Mord meldet sich der Zentralrat auch zu Wort, bloß wird das kaum erwähnt. Den Deutschen Rassimusmus vorzuwerfen ist auch blödsinn, denn sie sind eins der friedlichsten Völker heutzutage. Jedoch ging es mir um das Politiker- und Medien- Interesse, und wenn sie die früheren Ereignisse miteinbeziehen, dann verstehen Sie vielleicht was ich meine (Iran-Demo vs. China-Demo etc. ...). Es sieht für mich nicht nach Medienneutralität aus.
Und übrigens, über die Schweizer Jugenliche wurde sogar im SternTV ausführlich berichtet. Und die Bild-Zeitung ist nicht gerade eine kleine Zeitung, sondern sie polarisiert sehr. Und wenn dort über etwas auf der ersten Seite berichtet wird, dann geht sie nicht ans Volk und Politik schnell vorbei.
Popobawa (13.07.2009, 14:23 Uhr)
@floyd77

Über den Mord würde überall Berichtet, also was wollen sie mehr? Bei den Schweizer Schülern würde ebenfalls einmal berichtet und fertig (Bild als Ausnahme). Das Thema war Neutral und alles im Butter, aber jetzt fängt dieser unsäglicher Schwachsinn an, der Zentralrat der Moslems macht die Klappe auf, und wenn es mal gegen Deutsche geht gesellt sich der der Juden auch gleich dazu. Was soll das? Und das Frag ich mich hier als Ausländer, dieses kollektiv Demütige Verhalten ist alles andere als Ehrbar, es widert einen eher an. Ein Mord ist passiert und punkt, jeder Mordgrund ist ein Verabscheuungswürdig. Leider nicht in Deu, da kommt es ganz stark drauf an was der Grund war, war es ein Mord aus jux ist das okay, war es ein Mord aus Deutschenhass ist das auch okay. Diese Fehlende Neutralität treibt nur weiter einen Keil in die Bevölkerung.
floyd77 (13.07.2009, 13:15 Uhr)
@Schwaebin
Zu Ihrer Information noch: In den islamischen diktatorischen Staaten werden keine Morde in den Abendnachrichten zitiert, und zwar weil das bei den Menschen ein Unsicherheitsgefühl hervorheben kann, was die Regime destabilisieren könnte. Ich hoffe, Sie können das Ganze jetzt besser nachvollziehen. Es wundert mich eher, wie manche Westliche denken; anscheinend denkt ihr, es laufen Massenmörder und Ehrenmörder frei herum in islamischen Ländern und werden noch dazu hochgeachtet!
floyd77 (13.07.2009, 13:11 Uhr)
@Popobawa
Nochmals zur Klarstellung: Wenn ich hier in einem Bananenstaat leben würde, dann würde ich mich über das Geschehene nicht wundern. Jedoch sind wir hier in D., also ein Land, das ich persöhnlich zu den freisten, korrektesten und demokratischsten Länder dieser Welt bis jetzt zähle. Es ist mir klar, dass so eine Tat immer passieren kann, und sie zu verhindern ist schwierig. Sogar das Gegenteil hätte passieren können, in dem ein Muslim einen Deutschen wg. seines Glaubens im Gerichtsaal ersticht. Schließlich haben wir manche verrückte Muslime auf dieser Welt. Sind wir bis dahin einverstanden?
Was mich wundert ist bloß das wenige Interesse an das Geschehen, obwohl so eine Tat wirklich Aufklärung braucht. Erzählen Sie mir bitte nichts Anderes, denn ich kenne D. und ich weiß wie auf solche Taten reagiert wird. Wenn ich die anderen zitierten Beispiele (sowie bestimmt viele andere), dann wird meine Verwunderung höher. Verstehen Sie mich jetzt? Ich rede nicht über Islamophobie, weil ich das Wort nicht mag, sondern ich denke, dass die Medienneutralität und die Politikerneutralität bei vielen nicht mehr stimmt. Es werden klar und deutlich eigene Interessen verfolgt. Mal ist das Thema hoch interessant und hoch priorisiert, mal das Andere wird zurückgeschoben. Auch wird mal so berichtet, mal anders. Ich habe das Gefühl, dass Medien und Politiker uns vorschreiben wollen, was wir zu denken sollen. Zwar ist das Ganze gar nicht vergleichbar mit korrupten Staaten wie Iran und Lybien, aber ganz idyllisch ist es für mich hier auch nicht mehr. Oder wie sehen Sie das?
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