6. Juli 2012, 14:45 Uhr

Sebastians Tod lässt Ermittler rätseln

Kann ein Schmächtiger allein ein 1,5 Meter tiefes Loch in den Sand buddeln? Warum meldeten sich bislang kaum Zeugen? Nach dem Tod des zehnjährigen Sebastian auf Amrum konzentrieren sich die Ermittlungen auf den Unfallhergang.

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Unter dem Piratenschiff wurden Kerzen, Blumen und Kuscheltiere abgelegt: Hier hatte Sebastian eine Grube gegraben, die für ihn zur Todesfalle wurde.©

Der tragische Unfalltod des zehnjährigen Sebastian auf der Nordseeinsel Amrum gibt den Ermittlern weiter viele Rätsel auf. Dazu gehört die Frage, ob der Junge aus Österreich beim Spielen im Sand eine Schaufel benutzt oder nur mit den Händen gebuddelt hat, sagte die Husumer Polizeisprecherin Kristin Stielow am Freitag. Auch steht noch nicht fest, ob Sebastian alleine gegraben hat.

Nach Erkenntnissen der Ermittler spielte der Zehnjährige im Laufe des Tages mit mehreren Kindern im Bereich des "Piratenschiffs" am Strand von Wittdün. Einer von ihnen sei ein Lukas gewesen. "Der letzte Spielkamerad, von dem wir wissen", sagte Stielow. Lukas habe den Strand aber gegen 16.30 Uhr verlassen. Sebastian war nach mehrtägiger Suche im Sand verschüttet tot von der Polizei gefunden worden. Die Obduktion ergab, dass das Kind erstickt ist.

Viele Fragen zu dem Todesfall sind noch unbeantwortet. Warum hat sich bislang kein Zeuge des dramatischen Geschehens gemeldet? Auf Wittdüns weitläufigem Watt-Strand sind tagsüber meist eher wenige Menschen zu sehen. Auch der Spielplatz mit dem Klettergerüst "Piratenschiff" gilt nicht als überlaufen. Und wie konnte Sebastian verschüttet werden? Er soll neben der Rutsche gespielt haben. Der Sand dort ist nach Schilderung von Einheimischen extrem feinkörnig und zum Burgenbau ungeeignet.

Geologe rekonstruiert Unfallhergang

Für den Geologen Christoph Heubeck von der Freien Universität Berlin ist das Unglück ein Rätsel. Er könne nicht nachvollziehen, wie ein kleiner Junge im Alter von zehn Jahren in der Lage sei, mit Spielgerät ein Loch zu graben, das "wahrscheinlich mindestens so groß ist wie er selbst. Denn er muss sich dort ja auch noch hineinkauern oder hineinlegen können", sagte Heubeck. "Das kann man als Kind mit einer schlechten Ausrüstung fast nicht stemmen", fügte er hinzu. Vermutlich habe der Junge nassen Sand vom Grund des Loches am Rand auf den trockenen Sand aufgehäuft. Dieser sei dann schließlich abgerutscht und habe das Kind unter sich begraben.

Der Junge aus Österreich war am Sonntag von seinen Eltern als vermisst gemeldet worden. Polizisten fanden seine Leiche am Mittwoch am Strand von Wittdün unter knapp eineinhalb Meter Sand. Die Obduktion habe keine Hinweise auf Gewalteinwirkung beziehungsweise eine Straftat ergeben, sagte Stielow. Sebastian hatte mit seinen Eltern und seiner Schwester Ferien auf der Nordseeinsel verbracht.

swd/DPA
 
 
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