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17. Januar 2005, 19:21 Uhr

Prinz Harry, der "königliche Idiot"

Prinz Harrys Auftritt im Nazi-Kostüm hat im Europäischen Parlament eine lebhafte Debatte über den Umgang mit Deutschlands NS-Vergangenheit ausgelöst. Die Entgleisung des Prinzen könnte europaweite Folgen haben.

Prinz Charles will Harry zur Strafe seine Schweineställe ausmisten lassen© Stephen Hird/DPA

Der SPD-Europaabgeordnete Helmut Kuhne hat den britischen Prinzen Harry nach dessen Auftritt mit einer Hakenkreuzbinde am Faschingskostüm scharf kritisiert. Kuhne forderte ein Umdenken im Umgang mit den Symbolen der nationalsozialistischen Diktatur, vor allem auf der britischen Insel. "Dass ein königlicher Idiot das Hakenkreuz getragen hat, ist die eine Seite der Medaille", sagte Kuhne am Montag in Brüssel. "Dass deutsche Austausch-Schüler in Großbritannien auf Schulhöfen und in Straßen als Nazis beschimpft werden, ist die andere Seite."

In keinem anderen Land Europas seien die Medien derartig davon besessen, Deutschland und die Nazis auch nach 60 Jahren in einen Zusammenhang zu bringen, sagte Kuhne. "Und in keinem anderen Land Europas finden sich so viele Narren, die darauf anspringen." Prinz Harry hatte vergangene Woche für Empörung gesorgt, weil er auf einer Party mit einem Nazi-Kostüm erschienen war.

Wochen zuvor hatte Außenminister Joschka Fischer im britischen Rundfunk ebenfalls den eigenwilligen Umgang mancher Engländer mit der deutschen NS-Vergangenheit kritisiert. Vor allem stieß Fischer auf, wie wenig junge Engländer vom modernen Deutschland wüssten.

Kampf gegen faschistische Ideen

Angestoßen durch den Ausrutscher des Prinzen erklärte die EU-Kommission nun ihre grundsätzliche Bereitschaft, ein europaweites Verbot von NS-Symbolen zu prüfen. Wichtiger sei aber der Kampf gegen die entsprechenden Ideen, sagte der EU-Justiz- und Innenkommissar Franco Frattini nach Angaben seines Sprechers.

Der Vizepräsident der EU-Kommission reagierte damit auf die Forderung deutscher Europa-Abgeordneter, die öffentliche Verwendung von Nazi-Symbolen ähnlich wie in Deutschland auch europaweit unter Strafe zu stellen. Frattini will dies nach Angaben seines Sprechers erwägen, wenn es beim Kampf gegen rassistische, faschistische und antisemitische Ideen helfe. Ein Verbot dürfe aber das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht tangieren. Bisher sei allerdings nicht klar, ob dies überhaupt in die Zuständigkeit der Europäischen Union falle oder von den Mitgliedstaaten geregelt werden müsse.

Die Innen- und Justizminister der 25 EU-Staaten könnten über ein Symbol-Verbot bereits kommende Woche bei ihrem informellen Treffen in Luxemburg beraten. Frattinis Sprecher forderte den Ministerrat auf, die Verhandlungen über einen seit zwei Jahren blockierten EU-Rahmenbeschluss zur Ahndung von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus wieder aufzunehmen. Bisher hatte die italienische Regierung - angeblich auf Betreiben des rechtsgerichteten Regierungspartners Lega Nord - einen Beschluss verhindert.

AP/DPA
 
 
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