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7. Juni 2007, 15:36 Uhr

"Empören Sie sich auch in der Türkei!"

Es sollte eine freundliche Podiumsdiskussion werden, ein Zeichen für Integration und Toleranz auf dem Evangelischen Kirchentag in Köln. Doch dann gerieten Bischof Huber und seine muslimischen Gesprächspartner heftig aneinander. Von Zacharias Zacharakis

Vor der Diskussion saßen sie noch einträglich nebeneinander: Bischof Wolfgang Huber (l.) und Ayyub Köhler, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime© Federico Gambarini/DPA

Wer die Rechte der Frau im Islam bewerten möchte, der solle sich doch einfach einmal die "Sitzordnung in einer Moschee" ansehen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Wolfgang Huber, hielt bei einer Podiumsdiskussion mit Muslimen auf dem Kirchentag in Köln nicht zurück mit seiner Kritik. Das ließen sich die Muslime natürlich nicht gefallen.

Den orangefarbenen Schal hatten sie sich alle auf dem Podium lässig um den Hals geworfen. Doch das Erkennungszeichen für die Pilger des 31. Evangelischen Kirchentages war mehr oder minder das einzige, was die Vertreter von evangelischer Kirche, Islam und Politik in Halle drei der Messe Köln einte. "Wie hältst Du's mit der Religionsfreiheit?" Die etwas abgewandelte Gretchenfrage aus Goethes Faust sollte nicht einseitig an die muslimischen Vertreter gerichtet sein. Allerdings mussten sich Bekir Alboga, Beauftragter der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB), und Ayyub Köhler, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, im Laufe des Streitgesprächs häufiger verteidigen. Grünen-Vorsitzende Claudia Roth versuchte mit Mutlikulti-Parolen eine vermittelnde Position einzunehmen.

Redner nur über einen Punkt einig

Von der feurigen Rhetorik auf dem Podium ließen sich die rund 3000 Zuhörer in der Halle schnell einnehmen. Sie hatten auf einem Heer aus Sitzkartons Platz genommen und applaudierten euphorisch bei jedem Vorstoß von Bischof Huber. Natürlich waren sich alle Redner im Grundsatz einig, dass die Religionsfreiheit ein universelles Menschrecht ist und sich nicht nur alle Menschen in Deutschland daran halten müssten. Doch hier beginnt schon das Problem: Wie steht es mit der Religionsfreiheit in der Türkei? Zu den dort jüngst verübten Morden an drei Christen sagte Huber in Richtung Köhler und Alboga: "Bitte schicken sie ihre Empörung darüber auch in die Türkei."

Seit zweieinhalb Jahren versuchen der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und die islamischen Verbänden einen offiziellen Dialog aufzubauen. Dabei geht es vor allem um die EKD-Handreichung, einem Papier zur Verständigung zwischen den Religionen, das bei den Muslimen heftige Kritik auslöst. Diese bekräftigte Köhler auch in Köln: "Die Handreichung können wir so nicht akzeptieren." Alboga legte nach: "Das Verhältnis in Deutschland ist noch nicht entspannt. Ich habe Bischof Huber zum Abbau der Spannungen aufgefordert und habe das bisher vermisst." Der Besuch von Huber vor zwei Wochen in einer Mannheimer Moschee sei deshalb "ein Schritt in die richtige Richtung" gewesen.

Das Gespräch musste ergebnislos enden

Huber nahm das wiederum als Provokation auf: "Der Fortschritt bestand darin, dass wir überhaupt eingeladen wurden. Der Rat der EKD hat noch nie eine Einladung abgelehnt." Der Gegenangriff von Alboga folgte auf den Fuß: "Wenn wir hier Religionsfreiheit haben, warum soll ich mich immer aus der Defensive verteidigen?" Als die Moderatorin der Runde nach einer knappen Stunde Gesprächszeit ein Ende setzen wollte, gipfelte der Streit mit einem letzten Schuss von Köhler gegen Huber: "Es ist nicht gut, wenn Sie bei der Bevölkerung den Eindruck entstehen lassen, dass wir nicht den gleichen Gott anbeten." Bischof Huber konnte das nur noch mit einer sauren Miene quittieren. Das Gespräch zwischen den Religionsvertretern musste ergebnislos enden, auch wenn sich die Parteien immerhin darauf einigten, den Dialog fortzusetzen. Bei den Kirchentagspilgern jedenfalls dürfte die Veranstaltung einen schalen Nachgeschmack hinterlassen haben.

Von Zacharias Zacharakis
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
DerJurist (10.06.2007, 14:25 Uhr)
Religionen sind primitiv
Sorry Leute, Religionen haben viele ehrbare Tugenden insich wie fleiß, Bescheidenheit, Nächstenliebe etc. Aus Sicht eines Wissenschaftlers ist´s aber stets das gleiche Prozedere.
Wann immer der Mensch etwas wissenschaftlich nicht erklären konnte, war immer ein Gott am Werkeln. Wenn während einer Schlacht in der Antike sich die Sonne verdunkelte, war es der Gott XY der gegen den Krieg war. Heute sagen wir Sonnenfinsternis dazu. Wurden in manchen Jahren Küstenstädte vermehrt von Fluten oder Stürmen heimgesucht, war es auch der Gott XY der dieses oder jenes wollte. Heute sagen wir El Nino. Das gleiche mit Erdbeben, Hurrikans, Tsunamis, Pest etc.
Mal ehrlich, schließen wir uns mal meinem Vorredner an und bemerken, dass wenn jemand tatsächlich die Bibel aufmerksam lesen würde, er merken würde das dieser Gott keinen Wert auf eine Kirche legt, ja sie sogar nicht möchte. Stört´s wen ? Nö, was man nicht sehen will sieht man nicht.
Das gleiche bei den Moslems mit der Politisierung der Massen durch Religion und Gottes Willen.
Die Beweise das Religionen nichts taugen liegen überall vor uns. Wir sehen aber immer nur, dass die andere Religion nichts taugt.
Z.b. sterben auch in Deutschland Moslems durch Übergriffe. Oft sind diese Übergriffe nicht einmal durch die Religion begründet. Ein Prediger in XY nimmt dies aber gern zum Anlass zu predigen wie Islamfeindlich die Menschen in Deutschland seien. Das gleiche hier. In der Türkei werden 3 Christen ermordet. Niemand weiß eigentlich so wirklich worum es ging. War vielleicht Schutzgeld im Spiel ? Hat einer der Männer mit der Tochter eines einflussreichen Rädelsführers gevögelt ? Waren die Mörder vielleicht doch aus einer ultrakonservativen islamischen Sekte die sich auf die Fahnen geschrieben haben Christen zu töten ? Wir glauben aber unzweifelhaft was wir gern glauben wollen. Das die Türken alle fromme Moslems sind und die Christen am liebsten ausrotten würden !
Bye the way, das Osmanische Reich war das einzige dieser Zeit in dem Christen und Juden mit den Moslems zusammen leben konnten ohne verfolgt oder getötet zu werden. Noch ein Exkurs: Vor, während und nach dem 2. Weltkrieg war die Türkei eines der Haupteinwanderungsländer für verfolgte Juden. Diese leben noch heute glücklich dort. Warum weiß das Bischof Huber nicht ?
Aytekin (10.06.2007, 12:44 Uhr)
In der Türkei werden Christen ermordet
aber das in Deutschland Türken bzw Ausländische mitbürger auch umgebracht werden, sogar in einer noch grösseren Zahl als in der Türkei der Fall ist, wird gern übersehen. Es gab auch in Deutschland mehr Angriffe auf muslimische Einrichtungen (Mehr als 80) regt man sich lieber auf die drei Angriffe in der Türkei auf. Es ist wahrlich so, das es hier viele Islam-spezialisten gibt, auch wenn sie davon nicht wirklich eine Ahnung haben. Man gaukelt halt einfach den Medien nach.
inge_je (10.06.2007, 12:28 Uhr)
Tuerkei
Ein richtiger Moslem wird nie Christen akzeptieren, dazu muss man nur den Koran lesen und dann weiss man warum. Dialoge zu halten bringt nichts, Christen werden weiterhin in der Tuerkei ermordet.
stestoe (08.06.2007, 12:14 Uhr)
Aberglauben
Solange es Menschen gibt, die irgendwelche imaginären Wesen anbeten (nennt man sie nun Gott, Allah, Zeus oder Jabberwocky), solange werden sie sich im Namen des jeweiligen Gottes bekriegen.
Erst wenn sich die Nichtexistenz des Übersinnlichen als Allgemeinwissen durchgesetzt hat, bleiben wir von diesem Unsinn (orangene Schälchen, Dauerkostümfest in Rom, Jungfrauenschwemme) verschont.
soauchnicht (08.06.2007, 01:27 Uhr)
Ehrenmord
Also der Vegleich von Eifersuchtsmord und Ehrenmord hinkt doch gewaltig. Der Ehrenmord findet Zustimmung in der Familie und er Gesellschaft. Der Eifersuchtsmord gilt als das, was er ist: ein Mord; und wird bestraft!
Ansonsten täte es der Menschheit gut, sich von der Plage der Religionen zu befreien. Alle meinen, die allein seligmachende zu sein und lassen die jewils andere nur unter Vorbehalt gelten, wenn überhaupt. Und ich brauche keine Informationen, wie Muslime leben, Solange sie sich in unsere Gesellschaftsornung einfügen, können sie tun und lassen, was sie wollen und sie sollten schätzen, dass sie das hier bei uns können. Ansonsten funktioniert das Zusammenleben nicht.
Random012 (07.06.2007, 22:52 Uhr)
:-)
Wenn Christen die Bibel lesen würden dann gäbe es keine Kirche:
Matthäus 6
Zitat:
5 Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin.
6 Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.
"Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler;" Hahaha...HEUCHLER ALLESAMT!!!
:-P
Random012 (07.06.2007, 22:47 Uhr)
-.-
@ weda_kong:
Sowas kann nur von einen Christen kommen.
Anscheinend haben Sie es nicht begriffen.
"Nur zur Info: Ehrenmorde ist keine Religioseangelegenheit. Ehrenmorde gibt es auch unter Christen. "
Ehrenmorde sind eine soziale Angelegenheit die sich nicht auf Muslime beschränken. In Deutschland gibt es andauernd Ehrenmorde. Gibt es doch ab und zu selbst in den Nachrichten wenn mal wieder davon berichtet wird das ein Familienvater seine Frau umgebracht hat weil sie in zB. verlassen wollte. Das nennt man dann aber nicht Ehrenmord sondern eher Eifersuchtsdrama...
Bei Christen kann man sicherlich genauso gut im Dreck rumwühlen wie bei Muslime.
Zum Beispiel die perversen Priester die kleine Jungs anfassen.
Punkt ist hier doch das der Bischof da den Moralapostel spielt.
In der Bibel findet man mindestens genauso viele Menschenverachtende Sachen wie im Koran:
18 Wenn ein Mann einen störrischen und widerspenstigen Sohn hat, der auf die Stimme seines Vaters und auf die Stimme seiner Mutter nicht hört, und sie züchtigen ihn, er aber hört [weiterhin] nicht auf sie,
19 dann sollen sein Vater und seine Mutter ihn ergreifen und ihn hinausführen zu den Ältesten seiner Stadt und zum Tor seines Ortes.
20 Und sie sollen zu den Ältesten seiner Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist störrisch und widerspenstig, er hört nicht auf unsere Stimme, er ist ein Schlemmer und Säufer!
21 Dann sollen ihn alle Leute seiner Stadt steinigen, daß er stirbt; so sollst du das Böse aus deiner Mitte wegschaffen. Und ganz Israel soll es hören und sich fürchten.
Ja klar das ist "Bildlich" ausgedrückt und muss erstmal "interpretiert" werden...
weda_kong (07.06.2007, 19:42 Uhr)
Ehrenmorde gibt es auch unter Christen
Aber ja doch, Nur_Mut, ich bin voll Ihrer Meinung. Ich selbst bin evangelisch und so Stücker alle zwei drei Wochen gibt es in unserer evangelischen Gemeinde einen Ehrenmord unter uns Christen - dass wir uns das aber nicht abgewöhnen können tztztzt ...!
Nur_Mut (07.06.2007, 19:36 Uhr)
Mehr information würde den Deutschen gut bekommen
Seit 40 Jahren leben Sie in diesem Land mit den Muslimen zusammen. Trotzdem sind Sie heute noch so ahnungslos wie vor 40 Jahren.
Nur zur Info: Ehrenmorde ist keine Religioseangelegenheit. Ehrenmorde gibt es auch unter Christen.
Random012 (07.06.2007, 17:46 Uhr)
Sinnlos!
Diese Diskussionen sind reichlich sinnlos. Es wird die meisten Muslime und Evangelikalen sowieso nicht interessieren ob die zu einer Übereinkunft kommen.
Und das schlimme ist ja das sie das nichtmal ansatzweise können.
Und mich als Atheist interessiert es auch nicht. Von außen betrachtet sind das Leute die über etwas streiten das nur in ihren verblendeten Köpfen existiert.
Leute für die eine Idee über das Wohl eines anderen Menschen steht sind mir sowieso nicht geheuer. ;-)
Solange sich beide Seiten an die Menschenrechte und die Gesetze halten besteht das Problem doch nur im Glauben. Und das sich die Kirche mitsammt ihren Vertretern anmaßt zu entscheiden wer die Guten und wer die Schlechten sind find ich ziemlich arrogant. Als wenn es Ehrenmorde nur bei Muslimen gäbe...
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