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28. November 2009, 15:44 Uhr

Zwei haben nichts zu verlieren - Fluchtwagen gefunden

Mord, Geiselnahme, Raub - Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski zählen zu den brutalsten Verbrechern des Landes. Auf der Flucht: zwei Männer, die ihr Leben im Knast verbracht haben. Nun wurde der 5er-BMW gefunden, mit dem die Männer unterwegs waren. Von Frank Thomsen

Aachen, Flucht, Michael Heckhoff, Peter Paul Michalski

Heckoff (l.) und Michalski: Die beiden Schwerverbrecher könnten sich in Essen aufhalten© Reuters/Polizei NRW

Durch Essen kriecht die Angst. Eine ganze Stadt malt sich aus, dass hinter der nächsten Ecke Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski lauern könnten - jene zwei bewaffneten Schwerverbrecher, die am Donnerstag aus dem Knast in Aachen ausgebrochen sind. Sie gelten als jederzeit schussbereit und sollen zuletzt im Essener Süden gesehen worden sein. Mütter zeigen nun ihren herangewachsenen Kindern Bilder der Flüchtigen, damit sie beim Kneipen- und Clubbesuch am Freitagabend die Augen offen halten. Autofahrer machen sich an der roten Ampel Gedanken, ob wohl gleich die Tür aufgerissen wird und sie eine Pistole am Kopf spüren. Ladenbesitzer schlossen ihre Geschäfte am Freitagabend früher.

Die Flucht löst eine der spektakulärsten Polizeiaktionen des Jahres aus, koordiniert von der Kölner Polizei. Die Fahndung läuft seit Donnerstagabend. Zuletzt hatten die beiden am Samstag einem Essener Ehepaar einen schwarzen 5er-BMW (Kennzeichen E - PS 1010) geraubt und waren erneut geflüchtet. Die Besitzer blieben unverletzt. Nach Informationen von "bild.de" handelte es sich um ein Unternehmerehepaar aus Essen. Mit dem Manager sollen Heckhoff und Michalski stundenlang umhergefahren sein, anschließend hätten sie ihn in Mühlheim-Saarn freigelassen. Die Frau hätte im Haus warten müssen, ihr drohten die Täter nach bild.de-Informationen an, ihrem Mann etwas anzutun, sollte sie die Polizei rufen. Die Polizei bestätigte den Bericht nicht. Mittlerweile ist das Auto in Mülheim an der Ruhr gefunden worden. Zumindest einer der Ausbrecher hat nach den Erkenntnissen der Polizei in der Gegend "persönliche Bezüge", ob verwandtschaftlicher oder freundschaftlicher Art, wollte ein Polizeisprecher nicht sagen.

Bis zum Ausbruch der Schwerverbrecher galt die Justizvollzugsanstalt in Aachen als hundertprozentig sicher, niemand war hier rausgekommen. Es ist der Knast der besonders schweren Jungs: Mörder, Kinderschänder, viele Lebenslängliche.

Ein Gefängniswärter als Fluchthelfer

Heckhoff und Michalski fanden einen Weg heraus; offenbar half ihnen ein Gefängniswärter, der nun auf der anderen Seite der Gitterstäbe sitzt - in U-Haft. Auf der Flucht fuhren sie zunächst mit dem Taxi, das sie brav bezahlten. Dann aber nahmen sie eine Frau als Geisel und ließen sich von Köln nach Essen fahren. Da blieb das Auto der Geisel ohne Sprit liegen. Und in Essen sollen sie nun immer noch sein. Wo genau: Entweder weiß es die Polizei nicht, oder sie sagt es nicht.

Auf der Flucht sind zwei Männer, die ihr erwachsenes Leben in Zellen und auf Gefängnishöfen verbracht haben: Michael Heckhoff, 50, und Peter Paul Michalski, 46. Ihre Verbrechen: Geiselnahme und Mord. Ihre Urteile: lebenslänglich. Ihre Aussichten auf ein normales Leben: nahe null.

"Die beiden sind nicht so nett und sympathisch, wie sie auf den Fahndungsbildern wirken. Sie sind alles andere als nett. Sie sind brandgefährlich", sagte ein Polizeisprecher.

Seit fast 30 Jahren hinter Gittern

Michael Heckhoff ist ein etwas dicklicher Mann mit Schnauzbart (den er sich inzwischen abrasiert haben soll), 1,75 Meter groß. Er gilt als einer der gefährlichsten Geiselgangster Deutschlands. Seit Anfang der 80er Jahre sitzt er, mit kurzen Unterbrechungen, im Gefängnis. Er war nach einer Geiselnahme in der JVA Werl 1992 wegen Mordversuchs verurteilt worden. Bei der Geiselnahme zündete sein Komplize zwei Geiseln an. Heckhoff hatte für die Tat eine Pistolenattrappe aus Seife und Brot geknetet, die wie eine echte aussah. Kriminell war Heckhoff schon lange vorher: als Geiselnehmer und Bankräuber.

Peter Paul Michalski wirkt auf einem Polizeifoto hager, klug sieht es aus, wie er in die Kamera blickt. 1,76 Meter groß ist er. Michalski sitzt ebenfalls seit Anfang der 80er Jahre im Knast, mit einer dreijährigen Unterbrechung. Wegen Mordes und schwerer räuberischer Erpressung bekam er lebenslänglich. Diese Taten beging er 1993 bei zwei Raubüberfällen - während eines Hafturlaubs.

Zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung

Trotz Großfahndung mit Hubschraubern, Hunden und Wärmebildkameras sind Heckhoff und Michalski am Samstagnachmittag noch immer nicht gefasst. Die Polizei erhielt zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung. Eine heiße Spur schien zunächst nicht darunter zu sein. Durchsuchungen von Waldgebieten und einem Schwimmbad im Essener Süden bleiben ohne Erfolg.

So bleibt die Angst. Und jede Information, die die Polizei veröffentlicht, nährt diese Angst weiter. So teilt die Polizei am Samstagvormittag mit: Niemand solle den beiden Männern zu nahe kommen, sie seien nervlich stark angespannt, hätten womöglich seit Donnerstag wenig gegessen und kaum geschlafen. Ein guter Tipp, hoffentlich wird sich jeder dran halten können.

Der Helfer Heckhoff und Michalski haben es nicht allein aus dem hochgesicherten Gefängnis geschafft. Mit Hilfe von Videoaufnahmen entlarvten die Ermittler einen 40-Jährigen Bediensteten der Justizvollzugsanstalt Aachen. Er soll die Gefangenen "vorsätzlich aus der JVA herausgeschleust und mit schussbereiten Dienstwaffen nebst Munition ausgestattet haben", teilte das Düsseldorfer Justizministerium mit. Ein Richter erließ einen Haftbefehl. Dem Angestellten werden unter anderem Gefangenenbefreiung im Amt, Beihilfe zur Geiselnahme und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Bislang schweigt der JVA-Mitarbeiter. Er soll in eine Justizvollzugsanstalt außerhalb Nordrhein-Westfalens gebracht werden.

Die JVA-Aachen Bis Donnerstag war die Bilanz lupenrein. In der Geschichte der Justizvollzugsanstalt Aachen gab es keinen Ausbruch. Ausbruchsicher heißt das im Jargon. Zur kriminellen Prominenz gehörten vorübergehend die Gladbecker Geiselgangster Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski. Bei ihrer Eröffnung 1995 galt das Gefängnis als eines der modernsten in Europa. Von den rund 800 Gefangenen verbüßen 130 Schwerverbrecher lebenslange Haftstrafen und Sicherungsverwahrung. Es gibt Drogenkriminelle und Kinderschänder, deren Unterbringung anderswo nicht sicher scheint.

Die schwere, streng gesicherte Tür an der Pforte führt in einen komplexen Mikrokosmos aus Schleusen, ausbruchsicheren Türen, Schlössern, Kameras und strengen Regeln. Ohne Verbündete ist ein Ausbruch jedoch ein Ding der Unmöglichkeit. Fünf schwere, verschlossene Türen versperren den Weg in die Freiheit. Wahrscheinlich half ein Gefängniswärter Heckhoff und Michalski. In einem solchen Fall bringt das ganze Sicherheitssystem nichts.

mit AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Administrator (30.11.2009, 10:37 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins

whismerh2 (29.11.2009, 11:39 Uhr)
@Kalox
Wunderbar der Herr Psychologe meldet sich mal zu Worte.
Danke für die lehrreiche Aufklärung.
Ich würde die evetuelle Tatsache der Nichttötung nicht auser Acht lassen, bei dem Risk ?
Fakt ist doch das es sich wie hier momentan ersichtlich um keine ausgewiesene Mörder handelt, die für Jahre und mehr in den Bau wandern, und bekannterweise Kinder- und Frauenmörder nach guter Führung, sprich max 5-15 Jahre wieder in die Freiheit, sprich auf die Gesellschaft , mit bekannten Folgen los gelassen werden.
Daraus ziehe ich den Schluss
Scheinbar sind Banken heiliger oder dieser Angriff auf diese Instution wird schwerer wie das auf Kinder und Frauen.
geandet.
Bekannt sollte sein wie Banken monetan mit der Gesellschaft und deren Nachkommen evtl. späteren Kunden umgehen glaube zu können ( Nicht Alle)
Aber eventuell hat facilidad_de_ser Recht.
Alles nur ein Test, damit die Herren Kollegen seitens der Banken elite wissen,
wie weit kann man gehen, da der natürliche Instikt der Fairniss schon verloren gegangen ist, um händerringend einen Ausweg aus diese miesere zu finden.
Es bleibt auch letzendlich die Erkenntniss,
das, sollte das alles stimmen, diese zwei
Personen eine höhere Kriminalität zugesagt wird, wie die Instution die sie angeblich haben versuchen zu berauben.
Last not least
Auch wenn ich weiß, das Banken bei einer Kreditklemme helfen können , aber leider ist auch das Gegeteil der Fall, und das ohne Gnade
Sollte bekannt sein, Beispiele gibt es zu genüge.
krikri (29.11.2009, 11:13 Uhr)
Die Bilder
sind echt der Hammer. Nein, sowas sympathisches aber auch
sophia7519 (29.11.2009, 10:52 Uhr)
Die Jagd nach dem Phantom
Wieder einaml Spannung pur und heldenhaft wie die Behörden erneut alles Können oberhalb des Knöllchenschreibens und Kassierens zur Schau stellen. Weiter so !

confused (29.11.2009, 00:11 Uhr)
entweder die Polizei meint sich lächerlich
machen zu müssen oder der Hr. Redakteur meint sich wichtig machen zu müssen. Wobei mir letzteres eher als richtig erscheint, denn war es nicht so das bei Fällen wie diesem irgendwann mal von der Polizei gesagt wurde sämtliche Informationen werden erstmal zurückgehalten bis nach Auflösung des Falles ?. Anders ist es nicht zu erklären, denn sorry so bescheuert kann keiner sein als wie das er Hubschrauber mit Wärmebildkameras einsetzt und das im Pott, als ob die sich im Wald verstecken oder sonst wo auf freiem Gelände, und von wegen Hunger - ich lache mich ehrlichgesagt rund wenn ich es lese. Die beiden Herren hatten Geld für Taxi, da haben die auch garantiert Geld für essen. Und wenn die nicht gemeinsam einkaufen gehen - einzeln fallen die nicht auf erkennt sie so gut wie niemand.... Wärmebildkameras via Hubschrauber in einer Grossstadt... lachmichweg. was für Hirngespinnste.....zuviel Amerikanische Polizeiserien geguckt Hr. Redakteur ?
Albatros111 (28.11.2009, 23:54 Uhr)
Erpressung?
Ich vermute, dass die Ausbrecher Komplizen außerhalb des Gefängnisses haben. Die haben dann die Familie des JVA-Wärters bedroht und ihn so gezwungen, beim Ausbruch zu assistieren. Die Ausbrecher werden bald bei ihren Komplizen untertauchen und dann in einigen Wochen mit gefälschten Pässen und neuen Identitäten über Osteuropa nach Südamerika ausreisen.
jomimo (28.11.2009, 22:58 Uhr)
whishmersh2
mein 2. Post war eine Reaktion auf jo--jo und seinen Vorschlag" Fußfesseln " .
" Muskelchip" war meine Reaktion darauf.

. Und was sich daraus entwickeln entwickeln könnte im schlimmsten Fall, muss der unbescholtene Bürger nicht fürchten.
. Es geht beim Thema immer noch um Schwerstkriminelle.
. War nur ein Gedanke für jojo.
. Jedoch: auszuschließen ist keine Überraschung bei dieser neuen sogenannten Regierung.
whismerh2 (28.11.2009, 19:47 Uhr)
@jomimo
Thanks, Me too
Mir kommt das halt alles sehr spanisch vor,und dann der Wortlaut von Dir, erst der chip für die Bösen, kurz danach sind wir dran, denke ich.
Wenn Du den ersten post liest, weißt Du warum ich vielleicht so denke sprich vermute.
Mir gefällt das alles nicht, zu offentsichtlich
und ich unserer Regierung leider nicht mehr dieser Zuversicht anvertraue so wie früher.
Was nicht heißen soll das ich denen Ihrer Taten (momentane Flüchtigen) auch nur im Ansatz respektiere das Gegenteil ist der Fall.
Aber wir wissen halt nicht Alles, mag sein das es Leute gibt die mehr wissen und das gezielt benutzen, um diese Repektive für Ihre Ziele ausnutzen könnten.
Obstler (28.11.2009, 19:42 Uhr)
Ach nee...der sinkende Stern
Ich frage mich, ob diesen Käse wirklich der Herr Chefredakteur geschrieben hat, oder ob nur ein Zuliefertext signiert wurde.
Unerträglich.
Boulevard zum abgewöhnen. Panikmache und Schüren von Ängsten.Im Ausgleich dafür kaum Information. Wo sind die weinenden Frauen und schreienden Kinder hin? Wo ist der einbeinige Bettler, der sich den Stumpf blutig lief, bevor er unter einer Brücke zitternd Zuflucht fand?
whismerh2 (28.11.2009, 19:06 Uhr)
@jomimo
Genau erst Die und dann bekommen wir den chip implatiert, Mann muss immer nur die bösen Buben projezieren, und dann glauben wir zum Schutze der Allgemeinheit Alles.
Ich möchte hier nichts schön reden, aber Ihre Geiseln haben Sie Laufen sprich am Leben gelassen, un das unter der Gewissheit nicht mehr zu verlieren können
und der Kollege plaudern könnte.
Sollte zu Denken geben, zumal fast jeder Vergewaltiger und Kinderschänder wieder rein rechtlich, auf freien Fuße komme kann, dieses Personen soweit ich das verstehe, diese hätten nicht haben können.
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