. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
27. November 2006, 10:55 Uhr

"Ihr Leben hing am seidenen Faden"

Der Entführer als Lebensversicherung: Wäre ihrem Peiniger etwas passiert, hätte Natascha Kampusch ihre Gefangenschaft nicht überlebt. Denn ihr Verlies wäre auch mit modernsten Suchgeräten nicht gefunden worden. Ein britischer Verlag will nun das Buch "Girl in the Cellar - The Natascha Kampusch Story" veröffentlichen.

Das Foto zeigt den Eingang zum Haus von Wolfgang Priklopil, in dem er Natascha Kampusch rund acht Jahre gefangen gehalten hatte© Stamberg/DPA

Das Kellerverlies der jahrelang verschleppten Natascha Kampusch wäre nach Einschätzung der Ermittler auch mit modernsten Suchgeräten nicht gefunden worden. Wäre ihrem Entführer etwas passiert, "dann hätte Frau Kampusch das nicht überlebt", sagte Generalmajor Gerhard Lang vom österreichischen Bundeskriminalamt der Tageszeitung "Kurier". Natascha Kampuschs "Leben hing an einem seidenen Faden, und der führte direkt zu Priklopil (Wolfgang, Anm.)", sagte Lang.

"Weder eine normale Hausdurchsuchung noch eine Wärmebildkamera hätte dieses Labyrinth entdeckt", schilderte er laut Nachrichtenagentur APA die Umbauten im Haus des Täters Wolfgang Priklopil. "Um in dieses Verlies zu kommen, musste man in eine Grube steigen, einen Wandverbau auf die Seite schieben, einen Tresor aufmachen, und zwar mit einem Code, links und rechts zwei Dübel und Schrauben entfernen, den Tresor rausnehmen, in ein Loch reinkriechen, eine Blende wegnehmen, erst dann kam man zur Tür, die in dieses Verlies führt." Er selbst habe es nur drei Minuten darin ausgehalten.

Grabungsarbeiten nach der Leiche

Lang bestätigte, dass am Abend vor Kampuschs Flucht am 23. August im Wienerwald Grabungsarbeiten nach der Leiche des Entführungsopfers stattgefunden hätten. "Es hatte alles zusammengepasst. Zeugenaussagen, Ortsbeschreibung, es gab auch plausible Gründe anzunehmen, dass ihre Leiche dort begraben ist", sagte der Ermittler.

Die heute 18 Jahre alte Frau war als Zehnjährige auf dem Schulweg entführt worden und hatte mehr als acht Jahre in Geiselhaft verbracht. Sie war im August vor ihrem Entführer geflohen, der sich kurz darauf das Leben nahm.

Anwälte wollen gegen Buch vorgehen

Ein britischer Verlag will Ende November ein unautorisiertes Buch über den Fall des Entführungsopfers Natascha Kampusch veröffentlichen. Die Wiener Rechtsvertreter der 18-Jährigen wollen dagegen vorgehen: "Wir werden alle rechtlichen Schritte ergreifen", kündigte Kampuschs Anwalt Gerald Ganzger nach Angaben des Österreichischen Rundfunks ORF an. Man habe dem Verlag bereits vor zwei Wochen ein Mahnschreiben geschickt. In Österreich und Deutschland soll das Buch nach Informationen des deutschen Mediendienstes "Pressetext" vorläufig nicht in den Handel kommen. Die Kampusch-Anwälte hatten schon vor Wochen erklärt, sie würden unautorisierte Werke über ihre Mandantin bekämpfen.

Ausschnitte aus dem 304 Seiten umfassenden Buch mit dem Titel "Girl in the Cellar - The Natascha Kampusch Story" (Mädchen im Keller - Die Natascha-Kampusch-Geschichte), wurden bereits von der Londoner Tageszeitung "The Times" veröffentlicht. Dabei ging es jedoch weniger um die junge Frau, die vor drei Monaten nach achteinhalb Jahren ihrem Entführer entkommen war. Vielmehr befasste sich der Text mit bereits bekannten Details über eine - von der Polizei inzwischen bestrittene - Verbindung zwischen Kampuschs Mutter und dem Entführer Wolfgang Priklopil.

Dazu Kampusch-Anwalt Ganzger: "Soweit ich aus dem Vorabdruck herauslesen konnte, scheint mir das Buch ein Sammelsurium von Zeitungsartikeln und Pressemeldungen zu sein. Das ist aber nur mein erster Eindruck." Ein Buch, das sich nur mit dem Kriminalfall beschäftige, sei generell nicht zu verbieten. Allerdings seien bereits die ersten offiziellen Ankündigungen des Verlags "zu 100 Prozent bedenklich", sagte Ganzger, denn unautorisierte Berichte über Kampuschs "Beziehung" zu ihrem Entführer seien, genau wie die Bedingungen der Gefangenschaft, eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts seiner Mandantin.

DPA/AP
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Fall Kampusch Ermittler schließen Nataschas Akten

Die Ermittlungen im Fall Natascha Kampusch sind abgeschlossen. Nachdem in drei Monaten über 200 Zeugen befragt wurden, werden die Akten in dem spektakulären Entführungsfall Medienberichten zufolge wohl noch diese Woche geschlossen. mehr...

Natascha Kampusch "Nein, frei bin ich nicht"

Mehr als acht Jahre war sie in Gefangenschaft, vor fast zwei Monaten ist sie geflüchtet. In einem Interview berichtet Natascha Kampusch nun über ihre Zukunftspläne und ihre Angst vor dem Nichtstun. mehr...

Natascha Kampusch Kampusch will Priklopils Haus

In einem Interview hat Natascha Kampusch gesagt, sie beanspruche das Haus ihres Entführers - aber nicht für sich selbst. Eine bestimmte alte Dame solle dort einziehen, die Kampusch noch nicht persönlich kennt. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe