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28. September 2007, 13:56 Uhr

Anwalt beschwert sich über Nebenkläger

Mindestens bis Ende Oktober muss der 17-Jährige Marco W. noch in türkischer Haft bleiben. Ein Problem: Dem Gericht liegt noch keine Aussage des Opfers, der 13-Jährigen Charlotte vor. Marcos Verteidiger beschwert sich nun massiv über das Vorgehen der Nebenkläger.

Marcos Verteidiger will Beschwerde einlegen© Kaan Soyturk/AP

Auch nach einem knappen halben Jahr in türkischer Untersuchungshaft muss der 17-jährige Uelzener Schüler Marco W. weiter im Gefängnis ausharren. Ein Gericht in Antalya entschied nun, dass der des sexuellen Missbrauchs einer 13-jährigen Britin beschuldigte Schüler bis zur Fortsetzung des Prozesses am 26. Oktober nicht freikommt. W.s Anwälte wollen Beschwerde gegen die Entscheidung einlegen, die sie als unverhältnismäßig kritisieren. Sie warfen zudem der Nebenklage vor, unseriös zu agieren und das Gericht beeinflussen zu wollen.

Der 17-jährige Marco W. sitzt seit April in der Türkei in Untersuchungshaft. Ihm wird sexueller Missbrauch seiner 13-jährigen Urlaubsbekanntschaft vorgeworfen. Der Schüler hatte stets erklärt, er habe nur einvernehmliche Kontakte mit Charlotte gehabt und die 13-Jährige für wesentlich älter gehalten. Der Anwalt des Mädchens, Omar Aycan, sagte, das Gericht warte auf die Aussage Charlottes. Aycan erklärte, er dringe auf eine Anklage des Schülers wegen Vergewaltigung anstelle von sexuellem Missbrauch.

13-Jährige soll erneut vernommen werden

Laut Marco W.s deutschem Anwalt Matthias Waldraff will das türkische Gericht, dass die 13-Jährige in England vernommen wird, und hat ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen gestellt. Dem Anwalt der Familie zufolge sei Charlotte zwischenzeitlich in Manchester vernommen worden. Das Vernehmungsprotokoll liege aber noch nicht vor. Laut Medienberichten gab Charlottes Anwalt deren Aussage mit den Worten wieder: "Ich ziehe meine Anzeige nicht zurück. Er hat mich gegen meinen Willen vergewaltigt. Ich will, dass er hart bestraft wird." Charlottes Familie tritt als Nebenkläger auf.

Waldraff, der sich in Antalya aufhält, sagte, auch nach türkischem Recht dürfe man in einem nichtöffentlichen Prozess nicht aus Vernehmungsprotokollen zitieren. Ein solches Vorgehen sei unseriös. "Hier wird massiv versucht, von Seiten der Nebenklage Einfluss zu nehmen", so Waldraff. Er verwies zudem darauf, dass in einer relativ zeitnahen Aussage des Mädchens in Antalya keine Rede von Gewalt gewesen sei. Dies stehe im Gegensatz zur der neuen Aussage des Anwalts.

Die neuerliche Entscheidung des Gerichts am fünften Tag der Hauptverhandlung, Marco W. weiter in U-Haft zu lassen, bezeichnete Waldraff als "unverhältnismäßig". Man werde über die türkischen Anwälte Beschwerde einlegen. Waldraff und sein Kollege Michael Nagel unterstützen die drei türkischen Anwälte W.s, sind vor Ort aber nicht im Gericht dabei. Zudem wird Marcos Familie von einem Uelzener Anwalt vertreten. Zum Zustand Marco W.s nach der Entscheidung des Gerichts sagte Waldraff, der Schüler und seine Familie hätten mit einer solchen Entscheidung gerechnet und seien darauf eingestellt gewesen. "Es hat ihn nicht umgehauen." Marco W. sei vor allem nach der langen U-Haft angeschlagen, "aber er schlägt sich wacker, wie die Eltern auch".

Mirjam Mohr/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
Clibanarius (29.09.2007, 14:21 Uhr)
Und der unter mir
wird nicht Müde, hier jeden Tag bei "speziellen" Themen seine geistige Minderpräsenz gepaart mit seelischen Komplexe abzuladen.
sachsenwini (29.09.2007, 13:59 Uhr)
Also ich muss schon sagen,
hier ist es wohl jemanden gelungen, sich selbst sehr gut und treffend zu beschreiben.
Da muss man wohl nicht mehr viel hinzufügen.
Selbsteinsicht soll immerhin der erste Weg zur Besserung sein.
Clibanarius (29.09.2007, 12:37 Uhr)
@mupfeline
Tiefer abwärts als ihr euch schon befindet geht es nicht mehr. Kaum zu glauben, daß bei dem erbärmlichen gemurkse, was du und Konsorten hier regelmäßig ablieferst, du Mann und Kinder haben willst. Von jemandem für diesen Lebensabschnitt nötigen Altersregion erwartet man eigentlich mehr Hirnschmalz und Weitsicht und nicht wilde Spekuationen, ankläffen anderer Meinungen, einseitige Schuldzuweisungen, Hetze, Verschwörungstherorien und dergleichen Schwachfug.
sachsenwini (29.09.2007, 12:14 Uhr)
Was Charlotte wirklich ausgesagt hat
und wie sie es formulierte, weiß ja noch niemand. Alles was jetzt in der Presse über die Aussagen Charlottes veröffentlicht wird, sind die Formulierungen des türkischen Anwaltes Ömer Aycan, der das veröffentlicht haben möchte, was er gern lesen will.
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Es scheint seine Taktik zu sein, eine Behauptung in die Öffentlichkeit zu bringen, die erst beim nächsten Gerichtstermin richtig gestellt werden kann. Bis dahin beschäftigt nur diese seine Aussage die Medien und führt zur Meinungsbildung und zur Vorverurteilung. Das war auch bei der Aussage des Arztes und des jugendlichen Zeugen im Hotelzimmer der Fall. Als die tatsächliche Aussage an die Öffentlichkeit kam, soll er vor Wut geschäumt haben.
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Sicherlich hat Charlotte jetzt eine Aussage einsuggeriert bekommen, nach der sie nicht so ganz aktiv zu diesem Petting beigetragen hat, sondern eher dazu gedrängt wurde, oder das ihr „Schlafzustand“ ausgenutzt wurde. So eine Aussage wird sie sogar zu ihrer eigenen Rechtfertigung selbst gern glauben.
Nostradamus (29.09.2007, 11:55 Uhr)
Self fullfilling Prophecy
Der Anwalt des Mädchens will eine harte Strafe.
Dazu manipuliert er die Realität. Nachdem nun Eltern und andere monatelang auf das Mädchen einreden konnten ist kaum noch zu erwarten, dass sie die Wahrheit, insbesondere dann, wenn sie beeinflußt wird, sagen wird.
Der Anwalt MUSS darauf bestehen, dass das Mädchen die Aussage vor dem Gericht selbst wiederholt.
Als ich 13 Jahre alt war habe ich ein schweres Verbrechen beobachtet. Dieses ist zur Anzeige gekommen und die Klage ist trotzdem fallen gelassen mit der Begründung, dass ich auf Grund meines geringen Alters das gesehene nicht richtig einschätzen konnte und möglicherweise Sinnestäuschungen vorlagen.
Wie glaubwürdig ist das was dieses Mädchen sagt, wenn ihr Anwalt zeigen will, dass seine Annahme richtig ist.
Ich hoffe nur, dass deutsche Gerichte und auch die Polizei mit ALLER Härte gegen steuerhinterziehende türkische Gemüse-, Autohändler und Jungen, die unsere Mädchen angrabschen vorgeht.
Es muss endlich das Ende der Gemütlichkeit eingeläutet und klare Position bezogen werden.
Wie heißt es so schön: Der Klügere gibt so lange nach bis er der Dümmere ist.
mupfeline (29.09.2007, 11:45 Uhr)
@catchma
Reg dich ab, oder willst du auf die Stufe von Poster Clibanarius hinabsteigen?
mupfeline (29.09.2007, 11:44 Uhr)
@Jazzy
Ich habe schon schlimmere Postings gelesen die nicht gelöscht wurden. Im übrigen hat vor einigen Monaten in D der Vater einer minderjährigen Tochter einen türkischen Jugendlichen angezeigt der seine Tochter nachweisbar belästigt und beleidigt hat. Was daraus geworden ist, das weiß ich nicht.
Es ist gut dass in unserer Justiz Jugendliche! EBEN NICHT ein halbes Jahr ohne Anklage einsitzen müssen ohne Chance auf regelmäßige Kontakte mit Verteidiger und Eltern. Ein wenig unterschiedlich sind wir wohl doch - Gott sei Dank! Auch habe ich schon oft gehört dass auch türkische Mitbürger über diese Farce den Kopf schütteln.
sachsenwini (29.09.2007, 11:03 Uhr)

@ mupfeline Dürfen ausländische Anwälte hier in D vor Gericht Mandanten vertreten?

Genau weiß ich das zwar auch nicht, aber auf jedem Fall dürfen sie wohl als Beobachter bei dem Prozess anwesend sein, wenn es sich nicht um die politische Verschwörung eines feindlichen Staates handelt. Sie werden sicherlich auch mit dem deutschen Anwalt zusammenarbeiten und ihm entlastendes Material liefern können.
Auch darf im Gegensatz zum Fall Marco, der Angeklagte jederzeit mit seinem Anwalt sprechen.
Schwaebin (29.09.2007, 11:00 Uhr)
Unglaublich...
dass in der heutigen Zeit es anscheinend nicht möglich ist, die Aussage dieses Mädchens schnellstmöglichst in die Türkei zu bringen. Da waren ja die Kuriere im Mittelalter noch schneller!!
sachsenwini (29.09.2007, 10:52 Uhr)
@ Jazzzy Der Aufruf ist wahrscheinlich auch nicht ganz ernst gemeint.

Es würde sicherlich auch in Deutschland nicht so einfach sein, einen Menschen wegen eines unbegründeten Verdachtes mit durchschaubaren Tricks derart lange in Haft zu halten. Dazu fühlt sich unser Rechtssystem doch noch zu sehr der Moral und dem Recht verpflichtet.
+
Allerdings werden jetzt viele Opfer ganz automatisch mehr auf das strafbare Verhalten von Türken achten und sich mit berechtigten Anzeigen nicht mehr so zurückhalten. Vielleicht wirkt es auch auf die Justiz, dass sie ihre Rechtsmittel jetzt mehr ausschöpft und weniger nachsichtig gegenüber türkischen Straftätern ist.
-
Das wäre doch schon mal sehr positiv.
+
Auch ein Aufruf zum Urlaubsboykot ist unnötig. Die Skepsis gegenüber den türkischen Billigsilos ist schon angestiegen, und wenn sich erst einmal die russische Mafia dort breitmacht, halten sich zivilisierte Menschen ohnehin zurück.
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