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28. Juni 2007, 07:00 Uhr

"Charlotte ist traumatisiert"

Eine Nachbarin und eine Sprecherin von Charlottes Familie haben sich geäußert: Demnach ist die Familie sehr religiös und steht unter Schock. Charlotte werde psychologisch betreut. Ihre Mutter wolle "alle Rechtsmittel" gegen Marco W. ausschöpfen.

Das angebliche Bild der 13-jährigen Charlotte veröffentlichte die "Bild" am Donnerstag© stern.de

Die Familie des britischen Mädchens, das angeblich in der Türkei von dem 17 Jahre alten Marco aus Deutschland missbraucht worden sein soll, vertraut auf die türkische Justiz. Sie sehe keine Veranlassung, mit der Familie des Jungen in Uelzen zu sprechen, teilte die Familie in Manchester der Hörfunkagentur dpa/Rufa mit. Sie würden auch keine Interviews mehr geben. Opfer sei nicht der 17-jährige Junge, sondern das 13 Jahre alte Kind. Die Familie hat inzwischen die Polizei eingeschaltet, um das Mädchen auch auf dem Schulweg vor Reportern zu schützen.

Am Mittwoch veröffentlichten ProSieben und der Nachrichtensender N24 ein Foto, das die 13-jährige Charlotte W. auf dem Gang zur Schule zeigen soll. Eine Nachbarin erklärte ProSieben, die Familie sei sehr gläubig und gehe häufiger in die Kirche. Darüberhinaus sagte die Frau: "Charlotte hat meines Wissens noch nie einen echten Freund gehabt". Eine Sprecherin ihrer Familie sagte nach Angaben der "Bild", dass die Familie unter Schock stehe, Charlotte traumatisiert sei und psychologisch betreut werde. Ihre Mutter wolle alle Rechtsmittel gegen Marco W. ausschöpfen.

Anwalt: Anzeige nicht zurückgenommen

Nach Angaben Charlottes hatte sie mit Marco keine Zärtlichkeiten ausgetauscht, sie war angeblich das Opfer sexueller Belästigung. Marco habe sie zwar nicht vergewaltigt, sich aber gegen ihren Willen im Bett auf sie gelegt, als sie schon eingeschlafen war, sagte die 13-jährige Britin nach Zeitungsberichten vor dem Staatsanwalt im türkischen Antalya aus. Damit widersprach sie Marcos Schilderungen von einem normalen Urlaubsflirt.

Nach den Worten von Marcos Anwalt Jürgen Schmidt haben frühere Aussagen des britischen Mädchens jedoch möglicherweise keinen Bestand mehr. "Meines Wissens ist diese Aussage längst widerrufen", sagte Schmidt dem Sender RTL. Er ließ offen, auf welche der Aussagen des Mädchens er sich bezog. Sein Mandant sitzt seit rund zehn Wochen unter dem Vorwurf in Haft, die Disco-Bekanntschaft sexuell missbraucht zu haben.

In Antalya dementierte der von der türkischen Anwaltskammer bestellte Anwalt des Mädchens, dass die Mutter die Anzeige zurückgezogen habe. Die Anzeige müsse schriftlich zurückgezogen werden, sage er der Nachrichtenagentur Anadolu. Er habe jedoch kein entsprechendes Schreiben erhalten. Da der Prozess inzwischen eröffnet sei, könne sowieso nur noch das Gericht über eine eventuelle Freilassung Marcos entscheiden.

Merkel will Marco helfen

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte in den ARD-"Tagesthemen", dass die Bundesregierung Marco unterstützen wolle. "Zunächst geht es jetzt darum, dass wir dem Jungen helfen, und das tut die Bundesregierung gemeinsam mit allen anderen, die dazu einen Beitrag leisten können", sagte Merkel. Es sei wichtig, dass der Junge ganz schnell wieder nach Deutschland komme.

Sollte der 17-Jährige verurteilt werden, könnte er die Strafe in Deutschland verbüßen, berichtete Anadolu unter Berufung auf Sachverständige des Justizministeriums in Ankara. Nach einer rechtskräftigen Verurteilung habe er die Möglichkeit, auf Grund bestehender Abkommen einen entsprechenden Antrag zu stellen. Einer Verbüßung der Reststrafe in der Heimat müssten die zuständigen Behörden beider Länder zustimmen.

Wer hatte die Initiative ergriffen?

Nach Angaben der 13-jährigen Britin hatte sie sich mit Marco am Abend in der Discothek getroffen und gestritten. Als sie mit ihrer Schwester und ihrer Freundin später im Hotelzimmer gewesen seien, sei Marco mit einem Freund gekommen. "Er wollte sich bei mir entschuldigen", zitierten die Zeitungen "Bild" und "Hürriyet" am Mittwoch. "Wir haben sie hereingelassen. Eine Weile saßen wir auf dem Bett und haben uns unterhalten." Weil sie müde gewesen sei, habe sie sich trotz des Besuches "neben dem Beschuldigten" schlafen gelegt.

"Als ich plötzlich zu mir kam, also erwachte, fühlte ich den Beschuldigten auf mir", sagte die Britin. "Ich schubste ihn weg. Dabei bemerkte ich aber eine Feuchtigkeit auf meinem Körper. Danach sind wir zum Arzt gegangen." Laut "Hürriyet" sagte die 13-Jährige weiter: "Von einer Vergewaltigung kann keine Rede sein. ... Aber das Ganze ist ohne meine Einwilligung geschehen." Im Gegensatz zur Aussage des Mädchens hatte Marco in einem Interview erklärt, die Initiative sei von der 13-Jährigen ausgegangen. Auf Grund einer Anzeige der Eltern des Mädchens sitzt Marco seit April in Untersuchungshaft. Der nächste Gerichtstermin ist am 6. Juli.

Affäre wäre auch in Deutschland strafbar

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg leitete ebenfalls ein Ermittlungsverfahren gegen den 17-Jährigen ein. "Wir sind auf Grund der Medienberichte tätig geworden", sagte Oberstaatsanwalt Manfred Warnecke am Mittwoch. Die Türkei könne das Verfahren nun auf dem Wege der Rechtshilfe an Deutschland abgeben. "Wir warten ab, ob die Türkei auf uns zukommt", sagte Warnecke.

Das deutsche Strafrecht gilt nach Paragraf fünf des Strafgesetzbuches auch im Ausland, wenn ein Deutscher gegen die sexuelle Selbstbestimmung einer Person verstößt, erklärte Jörg Fröhlich von der Generalstaatsanwaltschaft Celle. "Der Paragraf bietet die Möglichkeit, in Ausnahmesituationen sachgerecht zu reagieren." Der Paragraf 176 stelle sexuelle Handlungen mit unter 14-Jährigen unter Strafe.

Keine negative Erfahrung mit türkischen Behörden

Das gelte auch für minderjährige Täter über 14 Jahren. "Mir persönlich ist aber noch kein solcher Fall bekannt, der verhandelt worden ist", sagte Fröhlich. Sollte die Türkei das Verfahren auf dem Wege der internationalen Rechtshilfe abgeben wollen, könnte die niedersächsische Kontaktstelle des Zentralen Europäischen Justiziellen Netzwerks (EJN) an der Generalstaatsanwaltschaft Celle das sonst langwierige Verfahren beschleunigen, sagte Fröhlich. Bisher habe es keine negativen Erfahrungen mit den türkischen Behörden gegeben.

Wie der Stuttgarter Rechtswissenschaftler Christian Rumpf erklärte, komme auf Marco bei einer Verurteilung in der Türkei vermutlich eine Bewährungs- oder Geldstrafe zu. Das türkische Strafgesetz gehe bei Kindesmissbrauch von einem Strafrahmen von drei bis acht Jahren für Erwachsene aus. "Für Minderjährige zwischen 15 und 18 ist die Strafe jedoch laut Gesetz auf die Hälfte zu reduzieren." Das Gericht habe zudem einen gewissen Spielraum: Es könne auf Jugendliche zugeschnittene Erziehungsmaßnahmen anordnen oder aber eine Freiheitsstrafe in eine Geldstrafe umwandeln.

Das Zentrum für Türkeistudien in Essen wandte sich gegen politischen Aktionismus. "Der Richter in Antalya wird sich gegen den Versuch der politischen Einflussnahme sicherlich zur Wehr setzen, um keinen Anlass zu bieten, die Unabhängigkeit der türkischen Justiz in Zweifel zu ziehen", sagte der Direktor des Zentrums, Faruk Sen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 80)
 
muhtesem1 (30.06.2007, 12:35 Uhr)
Dennoch unerhört....
..dass sich die Bundeskanzlerin in einen Fall einmischt und versucht die Justiz zu beinflussen.Ganz zu schweigen von den Politiker zuvor,die größere Kanonen gebracht haben,ohne eine geringste Ahnung zu haben.Nur mit dem Vorurteil,die Türkei sei und lebe noch im Mittelalter.Das zeigt wieder mal,wieviel Allgemeinwisswen die dt.Politiker besitzen und von Dingen reden wovon sie keine Ahnung haben.Ich bin + kann denen hier im Forum nicht mal böse sein,denn ihre angeblichen Vorbilder sind nicht besser.Viele Menschen reden nur,weil sie einen Mund haben und schreiben,weil sie etwas an der Tastatur rumhacken können.
Thomas11 (30.06.2007, 12:05 Uhr)
@muhtesem1
Ihre Aussage: „Ihr habt nur den Fehler, dass ihr den Lügen der dt.Medien blind vertraut.“ Kann ich so nicht ganz unterstreichen.
Alles was wir haben sind die beiden Aussagen die über die Medien verbreitet wurden. Dass es die beiden Aussagen die bekannt geworden sind wirklich so gibt halte ich für ziemlich Sicher. Festmachen tue ich es daran, dass selbst Frau Merkel den Jungen Hilfe versprochen hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Frau Merkel den Fall nicht von Juristischen Experten prüfen lassen hat. Eine Internationale Schlagzeile „Bundesregierung unterstützt Sexualstraftäter“ oder Ähnlich kann sie sich nicht leisten.
muhtesem1 (30.06.2007, 11:02 Uhr)
Natürlich wußte das dt.Konsulat bescheid......
...auch die Medien wussten es.Nur hat man es jetzt Publik gemacht.Ihr habt nur den Fehler,dass ihr den Lügen der dt.Medien blind vertraut.Die formen aus halben Wahrheiten ganze Lügen und servieren es euch.Ist denn von euch besserwisser keiner in der Lage englisch oder türkische Medien zu lesen und sich etwas breiter zu informieren?Wohl kaum,sonst würde man hier nicht so einen Unsinn verzapfen.Nein,nicht Unsinn,sondern man führt ja schon ein Kreuzzug!Wenn ihr nur dt.Medien liest,dann seid ihr unbelesen!!!Immer mehr wird der Drang größer,dass wir geilen dt.Männer uns Schutz vor minderjährigen Mädchen im Ausland beantragen sollten!!!
JALA (29.06.2007, 22:27 Uhr)
wildfremden Jungen
Für Charlotte war Marco gar kein Fremder mehr.
Sie hatte sich in der Disco, am Strand in den Armen von Marco ja wohl sehr wohl gefühlt. Marco muß wohl ein sehr netter vorsichtiger Junge sein, der auch ein Mädel ohne nach sex zu suchen in den Arm nimmt. So wird er auf anderer Seite auf jedenfall von seinen Klassenkameradinnen beschrieben. Charlotte ist anscheinend noch so naiv nicht zu wissen, dass ab einen bestimmetn Punkt ein Junge so erregt ist, das .... bis das er abspritzt.
Marco kann einem da nur leid tun.
Charlotte aber auch!!
Der Schreck was mit Marco passiert ist.
Der Besuch beim Frauenarzt.
und jetzt noch.....
Der eigentlich nette Junge sitzt jetzt so schlimm im Knast und sie kann im Familienbund ihm nicht helfen.
Wie wird die Arme nur in 2 Jahren darüber denken und sich ......
Es wird wohl nur ein kurzer Zeitpunkt gewesen sein, wo sie sich mit Marco erschrocken hat.
Für beide wäre ein schnelles Ende des Verfahren, mit "Freiheit" für Marco, auch wenn ohne Freispruch zu wünschen.
Auch für Charlotte wäre eine Aussprache mit Marco zu wünschen.
Thomas11 (29.06.2007, 21:45 Uhr)
@muhtesem1...
ich glaube Sie haben menschmichas Kommentar nicht verstanden.
Der Kommentar geht auf die lange Ermittlungszeit hin. Es sind immerhin zwischen Verhaftung und Verfahren 12 WOCHEN!!! Und das obwohl sich die Türkische Justiz mit der Wahrheitsfindung offenbar schwer tut. Menschmichas geht also davon aus, dass die Türkischen Behörden den Fall erst 10 Wochen nach der Festnahme des Jungen, die Deutschen Botschaft informiert haben, was wohl gar nicht so abwegig wäre. Das man dann in Deutschland darüber empört ist dann natürlich die Schussfolgerung. Schließlich ist es doch so, hätte das Deutsche Auswärtige Amt bzw. die Deutsche Justiz früher Kenntnis von der Inhaftierung erfahren, dann hätte der Junge nicht so lange in der U- Haft schoren müssen, sondern die Deutschen Behörden (nicht die Politik) hätte auf der Türkische Justiz Druck gemacht, so dass es zu einen schnelleren Verfahren gekommen währe.
muhtesem1 (29.06.2007, 20:29 Uhr)
@menschmicha...
....warum hätte die Türkei mit dem dt.Konsulat Kontakt aufnehmen sollen?War das dt.Konsulat beim Sex dabei?Habe den Deutschen viel zugetraut,aber soviel auch wieder nicht*lol*.
sachsenwini (29.06.2007, 13:01 Uhr)
magic_whispering Vielleicht gerade wegen dieser prüden Erziehung.

Wenn sie sagen, dass ihre Kinder nicht prüde erzogen sind und dass sie sich nicht neben einen Jungen schlafen legen, lässt doch den Umkehrschluss zu, dass sie es tun würden wenn sie prüde erzogen wären?
Stellen wir uns einmal vor:
Das Mädchen darf sich in ihrer häuslichen Umgebung keinen Jungen nähern. Ich weiß nicht, welche Filme sie sehen und welche Literatur sie lasen darf. Ihre Freundinnen wissen von Erlebnissen mit Jungen zu berichten. Kann es da nicht sein, dass sie sich vornahm im Urlaub, wo sie niemand kennt, mit einem Jungen aus einem anderen Land, den sie nie wieder sieht, das auszuprobieren von dem Ihre Freundinnen immer erzählen?
Man könnte noch weiter gehen.
Sie hat ausgesagt, dass sie sich schlafen legte und dass der Junge neben ihr ebenfalls schlief!!!!
Kann es sein, dass sie in ihrer naiven hinterweltlerischen unaufgeklärten Gedankenwelt die Vorstellung hatte, wenn die anderen Mädchen vom „miteinander schlafen" sprachen, dass das wörtlich und eben nur genau so gemeint war?
hardrain (29.06.2007, 12:07 Uhr)
roy, evil, magic, sachsen und mensch
in völliger Dunkelheit Beiträge auf höchstem Niveau! Beachtlich - eine Frage: Wie schafft Ihr den nächsten Bordstein?
Wir harren auf spannende Antworten!
magic_whispering (29.06.2007, 09:27 Uhr)
An sachsenwinni
Ihre Aussage, dass das Mädchen nur sehr prüde erzogen wurde, kann nicht nicht teilen.
Wenn ein Mädchen sehr prüde erzogen wird, legt es sich nicht einfach neben einen wildfremden Jungen inst Bett.
Mein Kinder werden offen erzogen und ich habe Vertrauen zu ihnen. Sie werden nicht prüde erzogen, aber sie legen sich auch nicht neben wildfremden Jungen ins Bett.
Da paßt einfach etwas nicht.
Wie schon gesagt, meine Tochter versteht nicht, dass das Mädchen den Jungen nicht einfach aus dem Zimmer geworfen hat.
Wir müssen uns doch nur die Aussage des Mädchen vor Augen halten.
Sie wurde müde uns legte sich ins Bett neben den Jungen. Vorher wurde schon ausgesagt, dass sich ein Freundin schon schlafend im Zimmer befand und die Schwester mit einem weiteren Knabenbesuch auf dem Balkon.
Also sie legt sich neben den Jungen und der reibt sich an ihr bis sie etwas feuchtes bemerkt.
Der Junge reibt sich nicht gleich an ihr, sondern wartet bis sie eingeschlafen ist?
andere Version
der Junge war eingeschlafen und sie legte sich auch daneben, schlief ebenfalls ein. Plötzlich wachte der Junge auf, war auch sofort putmunter und rieb sich umgehend an ihr, was sie auch nicht gleich bemerkte, da sie nicht gleich putzmunter ist und bemerkt dann erst die Feuchtigkeit als der Junge fertig ist.
Von all dem egal welche Version, bekommt die Schwester auf dem Balkon nichts mit?
Na ich weiß nicht, klingt alles sehr abenteuerlich.
Eben wie schon mehrfach erwähnt, bei meinen Töchter, würden sich beide Jungens gar nicht mehr im Zimmer befinden, sie sind zwar nicht prüde erzogen sondern weltoffen, haben es halt nur nicht gern, wenn ihnen fremde Menschen beim schlafen zu sehen.
menschmicha (29.06.2007, 07:54 Uhr)
Die Türkei braucht sich nicht zu wundern
wenn Sie einen 17jährigen ins Gefängnis bringt ohne sich ausreichend über die wahren Umstände der Angelegenheit zu kümmern. Sonst sind alle Türken stolz auf ihr prima Verhältnis zu den Deutschen - und da? Eine rechtzeitige Kontaktaufnahme mit dem Deutschen Konsulat hätte dem Spuk schnell ein Ende bereitet!
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