. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
27. Juni 2007, 14:01 Uhr

Uelzen - eine Stadt unter Schock

Die Kleinstadt Uelzen ist schockiert: Seit elf Wochen sitzt Marco W., einer der ihren, in einem türkischen Gefängnis. Doch was für ein Typ ist Marco W.? Seine Freunde und Mitschüler, Nachbarn und Kollegen der Eltern haben stern.de von ihren Eindrücken erzählt. Von Malte Arnsperger, Uelzen

Ganz Uelzen denkt an Marco W. in der Türkei© THW Uelzen/DDP

Ali kann es einfach nicht fassen. Er hat seinen Freund doch noch im Scherz ermahnt. "Genieß deine Ferien, hab viel Spaß, aber mach keine Dummheiten!" So hat Ali Marco in den Osterurlaub verabschiedet. Nur wenige Tage vor dem Abflug der Familie in die Türkei.

Das fröhliche Grinsen auf Alis Gesicht ist schlagartig verschwunden. Traurig schaut der Uelzener Schüler auf den Boden, als er über Marco spricht. "Er hat sich so auf den Urlaub in der Türkei gefreut, er wollte etwas ausspannen vor den Prüfungen im Juni", sagt Ali. Stattdessen landete er im Knast, eine 13-Jährige soll er sexuell missbraucht haben. Sein Schulfreund Ali wartete nach den Ostertagen vergeblich auf ihn. "Wir haben uns alle gewundert, warum Marco nicht in der Schule ist. Nach Tagen hat uns unser Deutschlehrer gesagt, dass er in der Türkei im Gefängnis sitzt. Diesen Schock kann man sich nicht vorstellen. Ich fasse es heute noch nicht."

Marco W. ist Gesprächsthema Nummer eins

Diese Ungläubigkeit ist in der niedersächsischen Kleinstadt allgegenwärtig. Normalerweise würden sich die rund 37.000 Einwohner jetzt auf das Stadtfest Anfang Juli freuen. Doch davon keine Spur. Marco W. und sein verhängnisvoller Urlaubsflirt sind Gesprächsthema Nummer eins. Seit Tagen berichtet die örtliche Zeitung auf Doppelseiten über den Fall, in der Bäckerei und in den Kneipen diskutieren die Uelzener über den 17-Jährigen und seine Familie.

Vor allem den Freunden und Lehrern von Marco geht die Geschichte sichtbar nahe. Ausgerechnet Marco soll sich an einem Mädchen vergangen haben. Das versteht hier niemand. Seine Schulleiterin Elke Schießer glaubt der 13-Jährigen kein Wort. "Es hört sich ja fast so an, als ob sich das Mädchen absichtlich unter ihn gelegt hat. Marco ist keiner, der Zwang ausübt."

Seinen Sitzplatz halten die Mitschüler frei

Das bestätigen seine Klassenkameradinnen. "Marco hat Scherze mit uns gemacht, hat uns gekitzelt oder über den Schulhof gejagt. Natürlich hat er wie alle Jungs auch mit Mädchen geflirtet, aber er hat es nie übertrieben", sagt die blonde Stefanie. Sie ist Marcos Nebensitzerin im Klassenzimmer. Seit Ostern ist der Platz neben ihr leer. Keiner setzt sich dort hin, versichert Stefanie: "Den halten wir für Marco frei." Morgens früh, wenn sie sich auf ihren Stuhl setzt, denkt Stefanie an Marco. "Ich versuche mir immer vorzustellen, wie es ihm wohl geht. Er ist so ein sympathischer, hilfsbereiter Typ. Wir denken alle an ihn und vermissen ihn und seine Scherze."

Marco W., ein ruhiger Typ, der aber im Freundeskreis seine Zurückhaltung ablegt, aus sich herausgeht und zu einem richtigen Scherzbold wird. So beschreibt ihn auch sein früherer Fußballmitspieler Pascal. Verschwitzt kommt der blonde Junge im dunklen Trainingsanzug aus dem Fitnessstudio. Bis vor zwei Jahren hat er mit Marco gebolzt. "Marco hat Mittelfeld gespielt. Er war aber nicht so gut", sagt der 16-Jährige und grinst. "Aber viel wichtiger ist, dass er ein sehr netter Junge ist. Eher still und zurückhaltend, deshalb glaube ich einfach nicht, dass er die 13-jährige Britin zu etwas zwingen wollte."

Marco W. könnte an der Geschichte zerbrechen

Einen großen Freundeskreis habe Marco, erzählt Pascal. Auch Mädchen gehören dazu. Bis vor einem halben Jahr hatte Marco sogar eine Freundin, Bettina. Pascal steht in regelmäßigen Kontakt mit dem Mädchen. "Sie ist richtig geschockt von der Geschichte. Das Ganze tut ihr furchtbar leid für Marco. Sie sagt, dass er auch nach der Trennung ein ganz normaler Junge war, mit dem man viel Spaß haben konnte."

Das Elternhaus von Marco. W in Uelzen© Malte Arnsperger

Doch Marcos fröhliches Gemüt könnte im türkischen Knast einen kräftigen, bleibenden Knacks bekommen, glaubt Ali. "Marco ist ein eher sensibler Typ. Man hat ja im Fernsehen gesehen, dass es ihm sehr schlecht geht. Ich befürchte, dass er an dieser Geschichte zerbricht."

Spenden von Kollegen

Eine gedrückte Stimmung herrscht auch an Marcos Elternhaus. Das weiß getünchte zweistöckige Gebäude liegt am Rande der Stadt, kleine Einfamilienhäuser reihen sich hier aneinander. Die Rasenflächen sind penibel gemäht und gut gepflegt. Nur bei der Familie W. ist der Vorgarten voll von Sträuchern, Blumen und kleinen Bäumen. Die grauen Rollläden sind allesamt heruntergelassen, die Zeitung steckt noch im Briefkasten, nichts regt sich.

Die meisten Nachbarn wollen nicht über das schlimme Schicksal der Familie reden. Nur Hans-Herrman Büsch - er wohnt genau gegenüber - macht aus seiner Wut auf die türkischen Behörden keinen Hehl. "Die Behandlung von Marco in der Türkei finde ich unmöglich. Er und sein Bruder sind so nette freundliche Jugendliche. Und die Familie machte auch immer einen ganz normalen Eindruck." Mutter und Vater habe er in den vergangenen Wochen allerdings kaum mehr gesehen, sagt Büsch.

Spenden für die Familie

Das geht den Kollegen von Marcos Vater ähnlich. Seit einem halben Jahr ist der Taxifahrer wegen einer schweren Erkrankung beurlaubt. Und nun sitzt sein Sohn in Haft und die Kosten für Anwälte und Reisen zu Marco steigen unaufhörlich. Deshalb sammeln nun neben Marcos Kameraden vom THW auch die Taxifahrer für die Familie. 1000 Euro haben sie in nur drei Tagen eingenommen. Uwe Winkelmann ist fünf Jahre lang mit Marcos Vater Taxi gefahren. Auch er hat gespendet. "Die Geschichte geht uns sehr unter die Haut. Der Vater ist bei uns sehr beliebt."

Mit seiner Spende möchte Winkelmann helfen zu verhindern, dass sein Kollege und die Familie ihr Haus verlieren. "Der Vater ist ein sehr sensibler Typ und ich glaube, dass ihn das schon sehr mitnimmt. Ich hoffe, dass sein Sohn möglichst bald freikommt."

Das hofft natürlich auch Marcos Freund Ali. Er will mit seinen Schulkameraden jetzt einen Brief an Marco aufsetzen. Und wenn Ali seinen Kumpel endlich wieder sieht, dann wird er ihm einen Tipp geben. "Mach erst mal keinen Urlaub mehr."

Von Malte Arnsperger, Uelzen
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
a2d2 (28.06.2007, 21:59 Uhr)
es ist leider nicht der Irak
...sonst hätten sie wohl wieder jeden Kettenraucher freigekauft.
Es ist ja nur ein verirrter Teeny, da wird dann nur endlos BlahBlah gequatscht, bis das Thema aus Seite 1 verschwindet.
Das da aber die Wähler der Zukunft die Psychose für Ihr ganzes Leben bekommen, merkt wohl keiner mehr da oben.
Die Dame aus dem Osten hat sich dann gequält am Schluß auch noch zu Wort gemeldet.
Doch keiner versucht mal Druck auf den UK-Partner auszuüben. Wenn die doch so super religiös sein wollen, dann soll man sie doch mal bei den Grundwerten kriegen - und fragen, wie man sowas mit seinem Glauben vereinbaren kann, ein junges Leben mit "christlichem Vorsatz" zu zerstören. Hier hat doch vor allem auch noch Jemand gewaltig bei seiner eigenen Aufsichtspflicht gepatzt - oder???
Ich wünsche dem Jungen auf jeden Fall mehr Glück, als alle "Fachleute" prognostizieren...
a2d2 (28.06.2007, 21:48 Uhr)
Test
jetzt gehts???
galahad610 (27.06.2007, 20:10 Uhr)
wie schon gesagt..
starmax,entspann dich....bleib höflich und friedlich...ich hab dich nicht beleidigt...und jeder,der es schafft,"polemik" im duden nachzuschlagen wirds auch wissen...und ich habe dir das auch nicht vorgeworfen,sondern nur darauf hingewiesen,das eine debatte ohne solches besser dran wäre....als werd endlich mal locker....
hevosenkuva (27.06.2007, 18:49 Uhr)
die Überschrift ist albern.
je öfter ich sie lese, desto alberner und gewollt dramatisch wird sie. urghs.
sachsenwini (27.06.2007, 18:12 Uhr)
@ Mindx Das wird überhaupt der Auslöser gewesen sein.

Ich denke, die Mutter wird gemerkt haben, dass sie ihre Aufsichtspflicht gröblich verletzt hatte und um nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, sie hätte es wissentlich geduldet, hat sie Anzeige erstattet.Damit hat sie die Geschichte erst recht öffentlich gemacht, und nun reden sich die beiden Jugendlichen mit ihren ungeschickten Geschichten um Kopf und Kragen. Ihre Geschichten sind derart unglaubhaft und das Mädchen kann mir in ihrem verzweifelten Bemühen nicht zugeben zu wollen, dass sie mit dem ganzen Spielchen auch einverstanden war, schon leid tun.
mindx (27.06.2007, 17:57 Uhr)
wie is
eigentlich m. Aufsichtspflicht f. 13-jährige,
hat sich die liebe mutter nicht auch strafbar gemacht, wenn die 13 jährige in der disco rumhängt ...
starmax (27.06.2007, 17:32 Uhr)
Krank?
Hier kann zum Glück jeder nachlesen, wer wen beleidigt. "Polemik, Vorurteile", und "hirnloses Geplappere" stammen aus deiner Feder. Wenn du das nicht mal als beleidgende Äußerungen mir gegenüber erkennen kannst/willst, wird es mit deinen wirtschaftstheoretischen Kenntnissen wohl auch nicht so weit her sein.
galahad610 (27.06.2007, 17:25 Uhr)
geht doch..
ja selbstverständlich...GENAU das ist ja das,was sein sollte...jeder hat seine meinung..aber mich zu beleidigen bringts auch nicht...beschränke dich einfach auf das thema und ok...und solange du mich nicht kennst(in persona)solltest du dich auch nicht zu entsprechenden beleidigungen hinreissen lassen...bleib sachlich,höflich und fair,so wie ich es bin,und wir können hier über durchaus problematische themen einen austausch pflegen...klingt das nicht vernünftig?und sollte es irgendwelche ecken geben,die ich noch nicht kenne,aber in die ich hineinriechensollte,wäre ich ,allen ernstes,dankbar...fürs lernen ists nie zu spät und ich bin sicher das der "stern" hier als treuhänder für unser beider mail-addi zu haben wäre...einfach wieder locker werden,ok?..aber eigentlich gings hier um den jungen und seine inhaftierung...wollen wir dazu zurückkommen?
mit bestem gruß
galahad 610
starmax (27.06.2007, 17:09 Uhr)
Jetzt hör mal zu, galahad
ich laß dir deine Meinung und du mir meine, ja? Weil hier nicht der Ort ist daß von dir aufgenommene Thema Crash zu diskutieren. Aber Polemik lasse ich mir von dir IQ-Ausgeburt nicht vorwerfen. Hoffentlich wirst du in deinem Job nicht böse überrascht. Ich kenne die Materie seit 18 Jahren und auch die Ecken, in die du noch hineinriechen solltest.
galahad610 (27.06.2007, 17:05 Uhr)
sachsenwini
an dieser stelle recht herzlichen dank für deinen sachlichen und fundierten beitrag..GENAU die ebene,die wir brauchen..:-)))
MEHR ZUM ARTIKEL
Der Fall Marco W. "Ich schlief ... er hat sich an mir gerieben"

Einen Tag, nachdem sich Marco W. aus dem türkischen Gefängnis meldete, wurden nun Auszüge aus dem Vernehmungsprotokoll des 13-jährigen Mädchens veröffentlicht. Darin erhebt sie schwere Vorwürfe gegen den deutschen Jungen - und beharrt auf dem sexuellen Missbrauch. mehr...

Fall Marco W. "Türkei geht rechtsstaatlich vor"

Die Sorge um Marco W. ist groß: Der 17-Jährige, der im türkischen Antalya mit einer 13-Jährigen einen Sexualkontakt gehabt haben soll, sitzt nun im Knast. stern.de fragte den Strafrechtsspezialisten Ulrich Sommer, was passiert wäre, wenn sich der Fall in Deutschland zugetragen hätte. mehr...

Der Fall Marco W. "Pommes und Steak wären gut"

Erstmals hat der inhaftierte Marco W. seine Sicht der verhängnisvollen Nacht erzählt. Demnach hat ihn die 13-jährige Charlotte angemacht - und war enttäuscht, dass es nicht zu mehr gekommen ist. Der Schüler berichtet auch von den langen Tagen im Knast und dem schlechten Essen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe