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4. Februar 2009, 17:41 Uhr

Vatikan beugt sich dem Protest

Die herbe Kritik aus Kirche und Politik hat Wirkung gezeigt: Der Vatikan forderte den erzkonservativen Bischof Richard Williamson auf, seine Leugnung des Holocausts zu widerrufen. Williamson solle sich "eindeutig und öffentlich" von seinen Äußerungen distanzieren, hieß es in einer Erklärung. Der Papst äußerte sich selbst nicht.

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Soll seine umstrittenen Holocaust-Thesen widerrufen: Bischof Richard Williamson© Jens Falk/DDP

Der Vatikan hat auf die immer heftigere Kritik im Fall des erzkonservativen Bischofs Richard Williamson reagiert und den Holocaust-Leugner zu einer "unmissverständlichen Distanzierung" aufgefordert. Dieser könne erst wieder voll in die Kirche aufgenommen werden, wenn er von seinen Positionen zum Völkermord an den Juden abrücke, heißt es in einer am Mittwochnachmittag verbreiteten Erklärung. Zudem müsse sich die ultrakonservative Piusbruderschaft zu den Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils und aller seither gewählten Päpste bekennen. Der Papst äußerte sich selbst am Mittwoch nicht.

Um als katholischer Bischof vollständig rehabilitiert zu werden, "muss Williamson in unmissverständlicher Weise öffentlich Abstand nehmen von seinen Erklärungen zur Shoah", hieß es weiter. "Die Äußerungen von Monsignore Williamson sind absolut inakzeptabel und werden vom Papst abgelehnt."

Papst Benedikt XVI. habe von der Holocaust-Leugnung Williamsons im übrigen nichts gewusst, hieß es in der Erklärung des Vatikan weiter. Die Entscheidung, Williamson und drei weitere der traditionalistischen Pius-Bruderschaft angehörenden Bischöfe wieder in der Kirche aufzunehmen, habe Benedikt im Sinne der Einheit der Kirche gefällt. Diese Teilrehabilitierung habe die vier von einer "schweren Strafe nach kanonischem Recht befreit". Die Bischöfe seien damit noch nicht wieder im Vollbesitz ihrer Funktionen innerhalb der Kirche und hätten noch kein Recht, ihr Bischofsamt auszuführen.

Benedikt selbst hatte sich am Mittwoch in seiner mit Spannung erwarteten Generalaudienz zu dem Thema nicht weiter geäußert. Auf die Aufforderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel vom Dienstag, "sehr eindeutig" zu erklären, dass es keine Leugnung des Holocausts geben dürfe, mochte das Kirchenoberhaupt bisher nicht persönlich eingehen. Der Vatikan hatte am Dienstag eine solche Klarstellung als "unnötig" und "nicht angebracht" bezeichnet.

Aus der katholischen Kirche und der CSU wurde die Kanzlerin für ihre Forderung noch deutlich schärfer kritisiert. Es sei "unbegreiflich und empörend", wie die Integrität Benedikts XVI. sogar von staatlicher und politischer Seite infrage gestellt werde, sagte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Er sei darüber bestürzt. Der Papst habe es in diesem Zusammenhang nie an Eindeutigkeit fehlen lassen. Der Vorsitzende der CSU-Grundsatzkommission, Alois Glück, sagte der "Financial Times Deutschland", es sei "nicht die Aufgabe von politischen Mandatsträgern, sich zum Papst zu äußern".

Mit der Aufforderung zum Widerruf folgte der Vatikan nun zahlreichen Kritikern aus Kirche und Politik. Nach Merkel hatte zuletzt auch SPD-Chef Franz Müntefering den Papst aufgefordert, die Rehabilitierung des britischen Bischofs Williamson rückgängig zu machen. "Ich halte die Rehabilitierung eines Bischofs, der den Holocaust leugnet, für inakzeptabel. Das ist ein schwerer, historischer Fehler, den die Kirche so schnell wie möglich korrigieren muss", sagte Müntefering der "Berliner Zeitung".

Auch der Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky hatte den Papst zu einer Rücknahme der umstrittenen Rehabilitierung des Holocaust-Leugners gedrängt. "Den Holocaust zu leugnen, ist ungeheuerlich und eine große Belastung für die Beziehungen zum Judentum", sagte Sterzinsky.

Jüdische Organisationen begrüßen Vatikan-Erklärung

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, begrüßte die jüngste Erklärung des Vatikans als ersten Schritt zur Wiederaufnahme des katholisch-jüdischen Dialogs. Sie sei ein positives Signal, auf die die Öffentlichkeit schon lange gewartet habe, erklärte Knobloch am Mittwoch in München. Der Vatikan habe jetzt deutlich gemacht, dass die Piusbruderschaft nur dann von der Kirche anerkannt werde, wenn sie sich zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekenne. Damit müsse die Piusbruderschaft die Bezeichnung der Juden als Gottesmörder öffentlich zurückzunehmen und jegliches Leugnen des Holocausts aufs Schärfte verurteilen.

Ähnlich äußerste sich auch der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder. Der Vizepräsident der Amerikanischen Versammlung von Holocaust-Überlebenden und ihren Nachkommen, Elan Steinberg, sagte, der Heilungsprozess der "tiefen Wunde, die diese Krise dem katholisch-jüdischen Dialog zugefügt hat", könne nun beginnen.

DPA/AP
 
 
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