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Russland kritisiert die USA nach Gewaltausbrüchen

Der Polizist, der den Afroamerikaner Michael Brown erschoss, wird nicht verurteilt. Politiker und Sportstars reagieren empört. In Ferguson kommt es zu schweren Krawallen. Die Ereignisse im Rückblick.

+++ 20.00 Uhr: Russland kritisiert, die USA vernachlässige Themen wie Rassismus +++

Angesichts der gewaltsamen Demonstrationen erhebt Russland Vorwürfe gegen die USA. Die Protestwelle zeige eine extreme Vernachlässigung von Themen wie Rassismus und Verletzung der Rechte ethnischer Minderheiten in den USA, teilt das Außenministerium in Moskau mit. Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington sind wegen der Ukraine-Krise stark angespannt.

+++ 19.03 Uhr: Anwälte nennen den Prozess "vollkommen unfair" +++

Die Anwälte der Familie von Michael Brown kritisieren die Justiz scharf. Der Prozess sei "vollkommen unfair" gewesen, sagt Benjamin Crump. Der Staatsanwalt Robert McCulloch habe eine enge Beziehung zur lokalen Polizei in Ferguson und sei eine völlige Fehlbesetzung gewesen. Daher habe man schon gegen seine Einsetzung protestiert und einen unabhängigen Ermittler gefordert, bevor die Geschworenenjury im August ihre Arbeit aufnahm.

Der Anwalt Anthony Gray sagt darüber hinaus, die Beweise seien von der Staatsanwaltschaft bewusst auf eine Weise präsentiert worden, damit der Polizist Darren Wilson nicht angeklagt werde. Viele Fragen an die Zeugen seien zynisch und sarkastisch gewesen.

+++ 15.27 Uhr: Ferguson ist das Thema des Tages in den USA +++

Die Unruhen in Ferguson sorgen dafür, dass "Amerika den Atem anhält". So titelt die New Yorker Zeitung "Daily News" in ihrer heutigen Ausgabe. Die Ausschreitungen nach der Entscheidung der Grand Jury, keine Anklage gegen den Polizisten und Todesschützen Darren Wilson zu zulassen, bewegen das ganze Land. Zahlreiche Zeitungen machen mit dem Thema auf. "Straßen des Zorns" titelt etwa das Boulevardblatt "New York Post", während Blätter wie die "New York Times" und die "Los Angeles Times" weniger reißerische Überschriften wählen.

+++ 14.25 Uhr: Polizei überrascht von neuer Gewalt in Ferguson +++

Die schweren Krawalle in Ferguson haben die Behörden nach eigenen Angaben überrascht. "Ich will ehrlich sein, ich habe einen Abend wie diesen nicht vorausgesehen", sagt Polizeichef Jon Belmar am Dienstag. Belmar sagt, es seien mindestens ein Dutzend Gebäude in Brand gesetzt und zwei Polizeiwagen beschädigt worden. 29 Demonstranten seien festgenommen worden. Kein Beamter habe seine Schusswaffe eingesetzt. Kein Polizist sei ernsthaft verletzt worden.

+++ 13.49 Uhr: Solidarität mit den Todesschützen +++

Aus den eigenen Reihen bekommt der Todesschütze Darren Wilson Rückendeckung. Drei Polizisten aus Portland zeigen ihre Solidarität mit dem Kollegen sogar öffentlich auf Facebook. Auf ihren Profilseiten veröffentlichen sie Bilder ihrer Abzeichen mit der Aufschrift "I am Darren Wilson", wie "USA Today" berichtet. Der Slogan ist bei der Polizei in und rund um Ferguson weit verbreitet. Noch im September versuchte das Justizministerium das Tragen von Bändern mit dieser Aufschrift zu verbieten. Die Begründung: Die Parole würde den Graben zwischen den Fronten nur vertiefen. Auch die Vorgesetzten der Polizisten aus Portland teilen diese Auffassung und weisen ihre Untergebenen an, die Bilder von Facebook zu entfernen.

+++ 12.03 Uhr: Frankreichs Justizministerin empört +++

Mit einer empörten Twitter-Botschaft reagiert Frankreichs schwarze Justizministerin Christiane Taubira auf die umstrittene Jury-Entscheidung. Taubira erklärt über den Kurznachrichtendienst: "Wie alt war Michael Brown? 18. Trayvon Martin? 17. Tamir Rice? 12. Wie alt der nächste? 12 Monate? 'Tötet sie bevor sie groß werden' Bob Marley".

+++ 10.34 Uhr: Zwölf Gebäude in Flammen +++

In Ferguson eskaliert die Lage. Mindestens zwölf Gebäude seien in Brand gesteckt worden, die meisten seien vollständig ausgebrannt, sagt der Polizeichef des Bezirks St. Louis. Die Unruhen seien "viel schlimmer" als jene, die unmittelbar nach den tödlichen Schüssen des Polizisten im August ausgebrochen waren. Auch zahlreiche Autos geraten in Brand. Er habe mindestens 150 Schüsse gehört, sagte Belmar. Allerdings gebe es bislang keine Hinweise auf Schwerverletzte. 29 Menschen seien bereits festgenommen worden.

+++ 10.30 Uhr: US-Sportstars sind wütend +++

Schwarze US-Sportstars können die Jury-Entscheidung nicht nachvollziehen. "Wow. Einfach Wow. Beschämend. Was muss noch passieren???" twittert die Weltranglisten-Erste im Frauentennis, Serena Williams.

Und auch Basketball-Legende Earvin "Magic" Johnson bekennt: "Ich bin sehr enttäuscht von der Entscheidung im Fall Mike Brown in Ferguson." Mehr Nachdenklichkeit forderte Basketballstar LeBron James: "Was können wir als Gesellschaft besser machen, damit solche Dinge aufhören und nicht immer wieder passieren!!"

+++ 9.25 Uhr: Polizist wird angeschossen +++

In der Nähe von Ferguson wird ein Polizist angeschossen. Der Beamte sei am Arm verletzt worden, schwebe aber nicht in Lebensgefahr, teilt die Polizei mit. Es sei noch unklar, ob der Vorfall in University City mit den Unruhen im benachbarten Ferguson zusammenhänge.

+++ 6.37 Uhr: Menschen protestieren landesweit +++

Landesweit kommt es nun zu Protesten. Von Ostküstenmetropole New York über Boston und Chicago bis hin zu Seattle und Los Angeles an der Westküste demonstrieren Menschen gegen das Jury-Urteil. Anders als in Ferguson, wo die Proteste in Gewalt umschlugen, bleiben die Demonstrationen in den übrigen Städten zunächst friedlich.

In New York versammeln sich jeweils hunderte Menschen auf dem Times Square und dem Union Square. Die Polizei begegnet den Demonstranten, die auf Bannern "Polizeiwillkür" und "Rassismus" anprangerten, mit einem Großaufgebot. In der Hauptstadt Washington kommen hunderte Demonstranten vor dem Weißen Haus zusammen. Sie fordern "Gerechtigkeit für Mike Brown" und rufen den in Ferguson berühmt gewordenen Slogan "Hände hoch, nicht schießen". In der mehrheitlich von Afroamerikanern bewohnten Westküstenstadt Oakland blockieren Demonstranten eine Autobahn.

+++ 4.57 Uhr: Erste Ausschreitungen in Ferguson +++

In Ferguson kommt es am Montagabend (Ortszeit) bei Protestkundgebungen zu ersten Gewaltausbrüchen. Demonstranten werfen mit Flaschen und Ziegelsteinen auf Polizeifahrzeuge, wie die Sender CNN und MSNBC berichten. Außerdem seien mehrere Schaufensterscheiben von Läden zerschlagen worden. Die Polizei reagiert mit dem Einsatz von Tränengas. Über dem Vorort der Großstadt St. Louis im Bundesstaat Missouri kreisen Polizeihubschrauber. Im US-Fernsehen waren auch Bilder von vereinzelten Feuern zu sehen. Mehrere Gebäude werden geplündert.

+++ 4.39 Uhr: Obama verteidigt Jury-Entscheidung +++

US-Präsident Barack Obama verteidigt die Entscheidung der Geschworenenkammer. "Wir sind eine Nation, die auf dem Rechtsstaatsprinzip gründet", sagt er am Montagabend (Ortszeit) in Washington. Es sei die Aufgabe des Gremiums gewesen, über den Fall zu urteilen. Zugleich ruft Obama auf, nicht mit gewaltsamen Protesten zu reagieren. "Es gibt keine Entschuldigung für Gewalt", sagt er. Die Polizei fordert er auf, friedliche Proteste mit Vorsicht und Zurückhaltung zu begleiten.

+++ 3.59 Uhr: Familie von Opfer enttäuscht über Urteil +++

Die Familie des getöteten Michael Brown kritisiert die Entscheidung der Geschworenenjury scharf. "Wir sind zutiefst enttäuscht, dass sich der Killer unseres Kindes nicht den Konsequenzen seiner Taten stellen wird", lassen seine Eltern über ihren Anwalt mitteilen. Gleichzeitig rufen sie Demonstranten gegen das Urteil auf, friedlich zu bleiben. "Auf Gewalt mit Gewalt zu antworten, ist keine angemessene Reaktion", heißt es in der Mitteilung. Zugleich bekräftigen sie ihre Forderung, dass jeder Polizist in den USA künftig eine Kamera am Körper tragen muss.

+++ 3.38 Uhr: Todesschütze wird nicht angeklagt +++

Der weiße Polizist Darren Willson, der den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown am 9. August in der US-Kleinstadt Ferguson erschossen hat, muss sich nicht vor einem Gericht verantworten. Eine Geschworenen-Jury votierte am Montagabend gegen eine Anklage. Man sehe keine hinreichenden Beweise für eine Straftat, gibt die Staatsanwaltschaft bekannt. Wegen der Entscheidung könnte es erneut gewaltsame Proteste geben. Die Polizei bereitet sich auf Krawalle vor.

kis/DPA/Reuters/AFP/DPA/Reuters
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