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17. Februar 2010, 10:52 Uhr

"Pussy-Club"-Betreiber vor Gericht

Sex nach Belieben zum Festpreis. Mehrere Betreiber von Flatrate-Bordellen stehen seit heute vor dem Stuttgarter Landgericht. Der Vorwurf: Menschenhandel und Sozialversicherungsbetrug - der in die Millionen gehen soll.

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Der Pussy-Club in Fellbach: Auch hier sollen keine Sozialversicherungsbeiträge für die Prostituierten gezahlt worden sein© DPA

Sechs Betreiber sogenannter Flatrate-Bordelle müssen sich seit heute vor dem Stuttgarter Landgericht wegen Sozialversicherungsbetrugs in Millionenhöhe verantworten. Die sechs Angeklagten - drei Frauen und drei Männern im Alter von 22 bis 31 Jahren - sollen zahlreiche Prostituierte beschäftigt und Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro hinterzogen zu haben.

Das Geschäftsmodell der Flatrate-Bordelle hatte im Sommer deutschlandweit für Diskussionen gesorgt. Unter anderem hatte ein Bordell in Fellbach bei Stuttgart damit geworben, dass Freier für einen festen Geldbetrag dort unbegrenzt Sex haben könnten. Die vier Hauptangeklagten sollen zusammen mit einer weiteren Frau in den "Pussy-Clubs" in Stuttgart, Wuppertal, Heidelberg und Berlin-Schönefeld eine Vielzahl junger Frauen, meist aus Rumänien und teils unter 21 Jahren, angestellt haben. Dem sechsten Angeklagten wird Beihilfe zur Hinterziehung von Sozialversicherungsbeiträgen zur Last gelegt.

Laut Anklage wären für die Prostituierten Sozialabgaben fällig gewesen, weil diese in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis arbeiteten. Die Frauen mussten sich demnach für eine feste Tagespauschale den Freiern zur Verfügung halten. Ihre Arbeitszeiten richteten sich nach den Öffnungszeiten der Clubs.

Die Angeklagten hätten die Frauen aber bewusst fälschlicherweise als Selbstständige behandelt, um ein Einfordern von Sozialabgaben zu verhindern. Tatsächlich hätten die Frauen aber keinerlei unternehmerisches Risiko getragen, weil ihnen Arbeitsmaterial und Arbeitsräume unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden seien. Zudem hätten die Frauen eigentlich eine Arbeitserlaubnis benötigt, um legal in Deutschland arbeiten zu können.

Bei einer bundesweiten Razzia hatte die Polizei die Bordelle am 26. Juli durchsucht. Vier Angeklagte wurden danach in Untersuchungshaft genommen. Ein Urteil gegen die Gruppe wird für den 6. Mai erwartet.

APN
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Swissmiss (17.02.2010, 15:29 Uhr)
@ ramteid
Genau. Und das Ganze wird durch die Gesetzgebung auch noch unterstützt; Stichwort legalisierte Prostitution. Die Zuhälter, Bordellbetreiber und Konsorten haben jetzt erst recht freie Fahrt und die Frauen sind ihnen noch viel stärker ausgeliefert. Polizeiliche Kontrollen von Betrieben sind jetzt erst möglich, wenn konkret der Verdacht auf Sozialversicherungsbetrug oder Menschenhandel bestand. Früher konnte die Polizei eine Bude schon genauer unter die Lupe nehmen, wenn der Verdacht auf Prostitution bestand und so die Frauen eher vor Ausbeutung schützen. Jetzt ist dies nicht mehr möglich. Und unter dem Vorwand der Selbstständigkeit werden die Frauen ausgebeutet wie nie zuvor. Gesetzlich geschützte Menschenverachtung pur.
ramteid (17.02.2010, 13:47 Uhr)
Gier im neuen Gewand
Diesen von letztendlich Kranken geduldeten Menschenhandel sollte man verbieten. Die Frauen werden von ihrem natürlichen Dasein zum Gebrauchsgegenstand erzogen und viehisch ausgenützt. Die Doppelmoral der Gesellschaft ist nicht nachvollziehbar.
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