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30. November 2009, 17:40 Uhr

"Ein Albtraum ist vorbei"

Bis ins letzte Detail sind die Hintergründe der Tat noch nicht geklärt. Das wichtigste für die Familie ist, dass die Leiche des Milliardärs Friedrich Karl Flick nach einem Jahr wieder aufgetaucht ist. Für die Flick-Witwe ist dies das Ende eines Albtraums.

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Das Flick Mausoleum auf dem Friedhof in Velden (Archiv)© Gert Eggenberger/AP

Es ist, als wäre für die Familie, die sich alles kaufen kann, der sehnlichste Weihnachtswunsch wahr geworden: Der gestohlene Sarg mit der Leiche des deutsch-österreichischen Multimilliardärs Friedrich Karl Flick ist nach einem Jahr wieder aufgetaucht. "Ein Albtraum ist für mich vorbei", sagte die Witwe Ingrid Flick der "Bild"-Zeitung. Auch wenn viele Hintergründe noch unklar sind, ist damit wohl einer der bizarrsten österreichischen Kriminalfälle gelöst. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten fast ein Jahr lang erfolglos nach dem Sarg gefahndet und die Ermittlungen dann Ende August ratlos eingestellt.

In dem seltsamen Fall hatte Flicks schlimmste Angst ihn postum eingeholt: Sein ganzes Leben lang hatte der in Berlin geborene Industrie-Erbe Furcht vor einer Entführung. Seine riesige Villa am Wörthersee in seiner Wahlheimat Kärnten hatte er deshalb wie eine Festung schützen lassen. Nach seinem Tod im Alter von 79 Jahren am 5. Oktober 2006 bestattete ihn seine Familie in einem Mausoleum in Velden unter einer tonnenschweren Granitplatte. Diese rückten die Diebe dann Anfang November vergangenen Jahres unbemerkt zur Seite und transportierten den Sarg samt Leiche ab.

Die Polizei fand in dem mysteriösen Fall kaum Spuren. Nur eine alte Frau berichtete seinerzeit, sie habe einen weißen Lieferwagen gesehen. Trotz der von der Witwe ausgesetzten 100.000 Euro Belohnung für Hinweisgeber tat sich offiziell nichts, die Ermittlungen wurden eingestellt.

Auch am Montag wollten die österreichischen Behörden zunächst nichts zu den Hintergründen der Tat sagen. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung steckt eine ungarisch-rumänische Bande hinter der Entführung des Toten. Die Kriminellen wollten Millionen von Euro erpressen. Die sechs Männer hätten sich bereits kurz nach der Tat bei der Familie gemeldet. Die ungarische Polizei habe sie inzwischen gestellt und in Budapest festgenommen. Weder die ungarischen Beamten noch deren Kollegen in Wien wollten sich zu den Festnahmen äußern. Es seien noch "kriminalpolizeiliche und technische Untersuchungen" im Gange, sagte ein Sprecher der österreichischen Polizei. Die Ermittlungen in Ungarn dürften nicht gefährdet werden.

Der Sarg mit der Leiche befindet sich nach Angaben des österreichischen Bundeskriminalamtes noch im Besitz der Behörden und soll bald an die Familie übergeben werden. "Die Nachricht ist eine wahnsinnige Erleichterung für die Familie, vor allem jetzt, da das Weihnachtsfest kurz bevor steht", sagte Flick-Sprecher Jörg Andreas Lohr in Düsseldorf. "Die Seele meines verstorbenen Gatten kann nun endlich an dem Ort die Ruhe finden, den sich Friedrich Karl gewünscht hat", sagte Ingrid Flick.

Flicks Heirat mit der 30 Jahre jüngeren Ingrid Ragger nach zwei gescheiterten Ehen hatte 1990 für Schlagzeilen gesorgt. Der Multimilliardär war 1985 nach dem Verkauf des Flick-Firmenimperiums in das steuerlich deutlich günstigere Österreich gezogen und hatte dort die Kärntnerin kennengelernt. Beide wohnten in einer prachtvollen Villa am Wörthersee, 1999 kamen die Zwillinge Victoria-Katharina und Karl Friedrich zur Welt. Flick hinterließ seiner Familie ein geschätztes Vermögen in Höhe von fünf bis sechs Milliarden Euro.

Ob sich der Milliardär wirklich ein großes Mausoleum am Wörthersee als letzte Ruhestätte gewünscht hat, ist umstritten. Es halte sich das Gerücht, dass der passionierte Jäger viel lieber in seinem Revier im Burgenland begraben werden wollte, berichtete das österreichische Boulevardblatt "Kronenzeitung" und mutmaßte: Vielleicht habe der wahre Urheber der Entführung dem öffentlichkeitsscheuen Flick nur seinen letzten Wunsch erfüllen wollen.

DPA/AFP
 
 
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