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22. Juli 2007, 12:47 Uhr

"Sie sanken wie Blei"

Bereits am Donnerstag kenterte ein Boot mit afrikanischen Flüchtlingen vor Teneriffa. Erst nach und nach wird nun das ganze Ausmaß der Tragödie deutlich: 90 Menschen ertranken in den Fluten - das schlimmste Flüchtlingsdrama, das sich je vor den Kanaren ereignet hat.

Sie haben überlebt - doch die Flüchtlinge erwartet nun eine ungewisse Zukunft© Cristobal Garcia/DPA

Immer wieder fragt John: "Haben Sie etwas von ihnen gehört?" Doch die Mitarbeiter des Roten Kreuzes auf Teneriffa schütteln den Kopf, versuchen, dem 24-Jährigen irgendwie Mut zu machen. Der junge Ghanaer ist einer der 48 Afrikaner, die das jüngste Flüchtlingsdrama vor den Kanarischen Inseln überlebt haben. Doch von seinen fünf Brüdern und acht Freunden weiß er seither nichts. "Ich suche sie", wiederholt er mit Tränen erstickter Stimme.

Sie alle saßen in dem Boot, das am Donnerstag bei schwerer See rund 170 Kilometer südlich von Teneriffa kenterte. Erst nach und nach wird das ganze Ausmaß der Tragödie deutlich: Nach Aussage der 48 Geretteten waren mindestens 135 Menschen aus Ghana, Gambia oder Liberia an Bord, fast 90 von ihnen ertranken demnach. Johns Brüder und Freunde waren ebenso darunter wie mehrere Frauen und Kinder. Es ist das schlimmste Flüchtlingsdrama, das sich je vor den Kanaren ereignet hat. Hoffnung auf weitere Überlebende gibt es nicht. Am Samstag wurde die Suche eingestellt.

Panik an Bord ließ das Boot kentern

John und die anderen werden von Psychologen betreut. "Sie mussten hilflos mit ansehen, wie ihre Weggefährten ertranken, und sind stark traumatisiert", sagt Austin Taylor, Einsatzleiter des Roten Kreuzes. Doch selbst einige der erfahrenen Retter stehen unter Schock, und dies lässt erahnen, wie dramatisch der Einsatz war.

Was sich in jener Nacht im Atlantik abspielte, glich einem Albtraum, wie aus den Schilderungen der Einsatzkräfte hervorgeht: Als der Rettungskreuzer "Luz de Mar" (Meereslicht) bei Sturm und peitschender See dort eintrifft, wo ein Militärflugzeug die Flüchtlinge zuvor gesichtet hatte, steht ihr Leck geschlagenes Boot bereits halb unter Wasser. Der Außenbordmotor ist ausgefallen. "Bloß nicht bewegen, bleibt sitzen!", schreien die Retter den verängstigten Afrikanern auf englisch und französisch immer wieder zu, während sie versuchen, sich dem Kahn zu nähern.

Doch einige der Insassen springen in Panik auf, bringen das Boot zum Schaukeln. Eine fünf Meter hohe Welle lässt es kentern. Alle stürzen ins Meer, verzweifelte Hilfeschreie dringen durch die Nacht. Mit Tauen gesichert springen einige der Retter hinterher, setzen dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel. Andere werfen Rettungsringe und Gummiboote ins Wasser. 48 Afrikaner können so gerettet werden, die übrigen verschwinden in den Fluten.

"Sie sanken wie Blei", berichtete der Präfekt der Kanaren, José Segura. Nicht nur, dass die meisten Flüchtlinge aus Afrika nicht schwimmen können: Auf den langen Überfahrten sitzen sie tagelang zusammengepfercht in den überfüllten Booten, ihre Gliedmaßen sind so steif, dass sie sich kaum bewegen können. Die dicke Kleidung, mit der sie sich vor der Kälte zu schützen versuchen, tut ein Übriges.

Höllentrip - und dann eine ungewisse Zukunft

Für den Traum von einem besseren Leben in Europa haben John und die anderen mit ihren Familien viel Geld aufbringen und sich auf Jahre verschulden müssen. Die skrupellosen Schleppermafias verlangen für die lebensgefährlichen Überfahrten meist mehrere tausend Euro. Hilfsorganisationen warnen indes, dass die Schleuser ihre Routen wegen der zunehmenden Kontrollen vor der Küste Westafrikas immer weiter nach Süden verlegen und das Risiko damit weiter steigt. In diesem Fall berichteten die Überlebenden, sie seien in Guinea Bissau ausgelaufen - bis nach Teneriffa sind es gut 2000 Kilometer.

Den Höllentrip hat John zwar überlebt, doch nun steht er vor einer ungewissen Zukunft: Er wurde in ein Aufnahmelager gebracht, und wenn er innerhalb von 40 Tagen nicht in seine Heimat abgeschoben werden kann, wird er aufs spanische Festland geflogen und dort seinem Schicksal überlassen - mit einem Abschiebebescheid in der Tasche, der ihm legale Arbeit unmöglich macht.

Jörg Vogelsänger/DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Rosenengel (23.07.2007, 22:57 Uhr)
Spanien hat vor 2 Jahren an 800.000
illegale Einwanderer Papiere verteilt. Mit einem mal gab es hier 800.000 Mitwettbewerber auf dem Arbeitsmarkt mehr. Das merkt man nun an fehlender Arbeit, zunehmender Kriminalität und zunehmenden Rassismus. Und natürlich ging und geht davon auch eine Sogwirkung aus. Wenn man dem nicht rigoros einen Riegel vorschiebt, wird Europa in einer Flut von illegalen Einwanderern förmlich ertrinken. Und da die meisten dieser Einwanderer Moslems sind, werden sie Dank falsch verstandener Toleranz und Gutmenschentum in einer nahen Zukunft die Mehrheit in Europa stellen. Christliche Kultur Adé.
calamari1968 (23.07.2007, 16:07 Uhr)
So ist das halt,
wenn man ohne Ahnung sich auf eine Hochseereise begibt, dann kann man dabei umkommen.
Warum müssen immer wir herhalten für alle Armen dieser Welt?
Auch Europa war mal arm, aber wir haben uns selbst zu dem gemacht was wir heute sind.
Warum ist Afrika dazu nicht in der Lage?
Illegale Einwanderer gleich wieder zurück wo sie hergekommen sind, damit sie dort erzählen können, was einen wirklich erwartet.
Was wollen die denn alle hier?
Ohne Bildung, Ausbuildung Sprachkenntnisse usw.
Von Sozialhilfe leben oder wie?
Mit Hilfsarbeitetjobs (ohne Zusätze vom Staat) kann man in Europa nicht überleben, dazu sind die Preise hier viel zu hoch.
Kann man das vielleicht auch mal in den Herkunftsländern publik machen?
Spanien braucht Hilfe vom Rest Europas, weil die im Moment die Hauptlast an der Abwehr zu tragen haben und im Moment etwas alleingelassen werden damit.
Abfang der Boote noch auf hoher see und sofort zurück.
Gar nicht erst auf europäischen Boden lassen.
Es reicht langsam!
Wem das zu hart erscheint, der darf gerne allein dafür bezahlen, wenn er es anders haben will.
Calamari
Garnet (23.07.2007, 10:58 Uhr)
Fluechtlinge?
Es ist immer traurig wenn Menschenleben unnoetig verloren gehen. Wenn Menschen auf so unnoetige Art und Weise sterben.
Es handelt sich bei diesen Menschen jedoch nicht um Fluechtlinge sondern um illegale Einwanderer. Jeder kann fuer Europaeische Lander Visa offiziell beantragen. Dem steht nichts im Wege. Wer sich jedoch auf die Illegalitaet einlaesst muss mit solchen Katastrophen rechnen. Gewiss gibt es in diesen Laendern Armut.Die gibt es in Europa auch. Diese Menschen haben weder von ihrer Ausbildung,Erziehung oder ihrer Kultur auch nur das geringste an Faehigkeiten um in unserer Gesellschaft zu ueberleben. An der Mittelmeerkueste und in West Afrika warten Millionen um illegal auch Europa einzufallen. Wer den Mut nicht hat dies zu sehen und zu erkennen wird Europa Belastungen aussetzen welche dieser Kontinent nicht verkraften kann.
testsieger2006 (23.07.2007, 09:52 Uhr)
Mitschuld der Spanier
Spanier wurde doch erst zum Primärziel, nachdem dis spanische Regierung in einer großen humanitären Geste illegal in Spanien lebende Ausländer legalisiert hat.
Countryjoe (23.07.2007, 06:34 Uhr)
Warnendes Beispiel
Am besten den Rest schnellstmöglich nach Hause schicken, damit die Überlebenden ihre Landsleute warnen können.
Dieser Flut muß Einhalt geboten werden.
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