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27. Dezember 2009, 20:47 Uhr

Retter Schuringa: "Verdammt, der will das Flugzeug sprengen"

Die Niederländer feiern ihren Landsmann Jasper Schuringa, 32 - er hat den Flugzeug-Attentäter sofort und todesmutig attackiert und die Flammen gelöscht. Wer ist der Held der Beinahe-Tragödie von Detroit?

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"Ich bin fast ausgeflippt": Jasper Schuringa, 32, im TV-Interview© CNN

Hollands Hochstimmung lässt sich in drei Worten zusammenfassen: "Wir sind Held". Dass ein 32-jähriger Amsterdamer Werbefilmer am ersten Weihnachtstag fast allein einen verheerenden Terroranschlag auf ein amerikanisches Passagierflugzeug verhindert haben soll, macht die Niederländer stolz. Jasper Schuringas Name ist in aller Munde. "Holländer überwältigt Terroristen!", lautet die allgegenwärtige Schlagzeile.

Über jede Einzelheit des dramatischen Geschehens an Bord des Airbus A330 in der letzten Phase des Fluges 253 von Amsterdam nach Detroit wird in den niederländischen Medien wieder und wieder berichtet, oft in den Worten des "Retters" selbst: "Als ich den Verdächtigen sah, wie er Feuer fing, da bin ich natürlich fast ausgeflippt", sagt er. "Ich dachte nur noch: Oh verdammt, der versucht, unser Flugzeug zu sprengen."

Andere Passagiere bestätigten Schuringas Berichte weitgehend. Und Hollywood-Drehbuchautoren dürften sich eifrig Notizen gemacht haben. Danach saß der 23-jährigen Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab in einem Gangplatz der Reihe 19 auf der rechten Seite des A330, nicht weit vom Fenster und der Tragfläche, wo eine Explosion größten Schaden angerichtet und die Maschine vermutlich zum Absturz gebracht hätte.

"Wasser! Wasser!"

Unter seiner Decke habe der Mann herumgefummelt, und plötzlich sei ein Knall zu hören gewesen, berichteten Zeugen. Schuringa - er saß einige Plätze entfernt schräg hinter dem Nigerianer - erinnerte das Geräusch an einen Silvesterknaller. "Jeder ringsum geriet in Panik", berichtete der Holländer. Ohne zu zögern sei er in Windeseile über Sitzplätze und Fluggäste hinweg zu dem Mann geklettert; mit bloßen Händen habe er begonnen, die Flammen zu löschen.

"Andere Passagiere halfen mir. Und ich schrie immer "Wasser, Wasser!", denn Feuer in einem Flugzeug ist natürlich nichts Gutes." Sofort seien Crewmitglieder mit Wasserflaschen und Feuerlöschern gekommen. "Ich versuchte, den Körper des Mannes nach Sprengstoff abzusuchen, dann habe ich so ein Ding von ihm weggerissen, das rauchte und schon schmolz. Ich versuchte es auszudrücken, während ich ihn bändigte."

Bis die Flammen gelöscht waren, so berichtete die Zeitung "De Telegraaf", habe Schuringa den Attentäter trotz Brandwunden an den Händen "in blinder Wut" im Würgegriff gehalten. Rasch sei der Nigerianer dann mit Hilfe von Crewmitgliedern und anderen Passagieren gefesselt und in die Erste Klasse geschleift worden.

Zivilcourage - und Todesmut

In Amsterdam ist die Aufregung den Eltern des Helden, Bob und Ingrid Schuringa, auch zwei Tage nach dem dramatischen Geschehen noch anzumerken. "Wir haben mit ihm telefoniert und er hat uns berichtet, wie er über die Sitze geflogen ist, als er sah, was der Bursche da anfing." Erleichtert seien sie, sagt der Vater, und natürlich "unendlich stolz". Zugleich aber seien sie immer noch geschockt "bei der Vorstellung, dass innerhalb einer Minute alles hätte anders kommen können".

Ebenso wie Amerikaner fragen sich Niederländer, woher Schuringa eigentlich so viel Zivilcourage genommen hat - um nicht zu sagen Todesmut. Amsterdamer Bekannte und Kollegen verweisen dabei auch darauf, dass Schuringa ein welterfahrener Vielflieger sei. "Jasper wurde auf den Niederländischen Antillen geboren, genauer auf Curaçao", berichtet sein Freund Kasem Challiou. Er habe einige Jahre in Oman gewohnt, mit seinen Eltern, die für Shell arbeiteten. Auch in Westafrika habe die Familie gelebt, wo Schuringa einmal mit Hilfe der französischen Fremdenlegion vor einem Bürgerkrieg geflohen sei.

Dank des Ministerpräsidenten

In Amsterdam betreibt Schuringa, der mehrere Jahre an der Filmakademie in Miami (Florida) studierte, ein Videostudio, das Firmen- und Werbefilme für Unternehmen in vielen Ländern anfertigt. Der Firmenname "Go with the Flow Productions" will freilich nicht recht zum spontanen Heldenmut des Mitbesitzers passen, denn "mit dem Strom schwimmen", war es ja gerade nicht, was Schuringa an Bord des Airbus getan hat.

Bei der für den 8. Januar geplanten Rückkehr nach Amsterdam erwartet den vielfliegenden Holländer nun wohl ein Heldenempfang. Im Namen der Regierung dankte ihm der amtierende Ministerpräsident Wouter Bos schon mal telefonisch. Viele Politiker sind dafür, dass Königin Beatrix Schuringa einen Orden verleiht. In der allgemeinen Hochstimmung stört nicht einmal mehr, dass der Vorschlag zuerst von dem islamfeindlichen Rechtspopulisten Geert Wilders gemacht wurde.

Pilot forderte Hilfe an

Der Pilot des Fluges 253 der Northwest Airlines hat am Sonntag nach Angaben des Flughafens von Detroit Hilfe angefordert. Der vermutliche Attentäter hatte sich nach Informationen der Nachrichtenagentur AP in der Bordtoilette eingeschlossen. Delta betreibt den Flug der Northwest Airlines. Wie aus Polizeikreisen verlautete, ereignete sich der Zwischenfall auf derselben Verbindung, die am Freitag von einem versuchten Anschlag betroffen war.

Nach Informationen der "New York Times" forderte die Crew nach der Landung in Detroit Hilfe an, weil der Passagier Crew und Mitreisende beschimpft habe. Polizeifahrzeuge seien der Maschine auf dem Rollfeld entgegen gekommen, die übrigen Passagiere seien in insgesamt fünf Bussen abtransportiert worden. "Das ist das typische Vorgehen in einer solchen Situation, es muss alles möglichst schnell gehen", sagte Flughafensprecher Scott Winter.

Thomas Burmeister/DPA
 
 
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