. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
14. September 2008, 15:25 Uhr

Fluglotse beschuldigt Piloten

Ein Pilotenfehler könnte 88 Menschen den Tod gekostet haben: In einem Interview mit dem russischen Fernsehen hat ein Fluglotse dem Piloten der Unglücksmaschine von Perm schwere Vorwürfe gemacht. Bei der Notlandung habe dieser sämtliche Anweisungen des Towers missachtet.

Helfer an der Unglücksstelle: Die Wrackteile der Boeing 737 sind über vier Kilometer verstreut© EPA/NTV

Beim Absturz eines Passagierflugzeuges sind in Russland alle 88 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Unter den Toten sei auch ein Deutscher, teilte die russische Fluggesellschaft Aeroflot am Sonntag mit. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte dies zunächst nicht. Mitarbeiter des deutschen Konsulats seien auf dem Weg zur Unglücksstelle, um sich ein Bild von der Lage zu machen, sagte ein Sprecher.

Die Maschine vom Typ Boeing-737-500 kam aus Moskau und stürzte kurz vor der Landung in der nahe dem Ural gelegenen Stadt Perm auf unbewohntem Gebiet ab. Eine Sprecherin von Aeroflot sagte, der Kontakt mit dem Flugzeug sei abgebrochen, als die Maschine in 1100 Metern Höhe den Flughafen ansteuerte. In einem Interview im russischen Fernsehen widersprach ein Fluglotse dieser Aussage. Er sagte, der Pilot wollte notlanden, habe aber sämtliche Anweisungen des Towers missachtet. Statt zu sinken, sei er gestiegen, statt nach links, sei er nach rechts geflogen. Dann habe der Fluglotse gefragt: "Alles normal?" - "Ja, alles normal", war die Antwort nach Aussage des Fluglotsen, ehe die Maschine abstürzte.

Auch er ist unter den Todesopfern: Armeegeneral und Präsidentenberater Gennadi Troschew© AP

Trotz des Fluglotsen-Berichtes wollten die Behörden einen Anschlag an Bord nicht ausschließen. Die Ermittler gingen allen möglichen Ursachen für die Katastrophe nach, darunter auch einem Anschlag. Das sagte Aeroflot-Chef Waleri Okulow nach Angaben der Agentur Itar-Tass in Moskau. Laut Regierungsangaben starb bei dem Absturz auch der im Kaukasus äußerst umstrittene Armeegeneral und Präsidentenberater Gennadi Troschew, der während des Tschetschenien-Kriegs in den 1990er Jahren die russischen Truppen im Nordkaukasus kommandiert hatte. Troschew beriet den Kreml in der Kosakenfrage. Zudem waren hohe Funktionäre des Sambo-Sportverbandes an Bord. Der ehemalige Kremlchef Wladimir Putin ist ein erklärter Anhänger der russischen Kampfsportart Sambo (Selbstverteidigung ohne Waffe). Aus den schwelenden Trümmern der 16 Jahre alten Maschine sind bereits zwei Flugschreiber geborgen worden, mit deren Hilfe die Unglücksursache ermittelt werden soll.

Von den 82 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern an Bord hat niemand überlebt. Nach Angaben von Aeroflot waren insgesamt 21 Ausländer an Bord der Unglücksmaschine, neun Aserbaidschaner, fünf Ukrainer und jeweils ein Staatsbürger Deutschlands, Frankreichs, Lettlands, Italiens, der Schweiz, der Türkei und der USA. Aeroflot versprach den Familien der Opfer finanzielle Entschädigung in Höhe von zwei Millionen Rubel (umgerechnet rund 55.000 Euro). Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin drückte dem Gouverneur von Perm sein Beileid aus. "Die Regierungskommission wird jegliche Anstrengungen unternehmen, um den Absturz zu untersuchen, damit den Familien der Toten geholfen wird", zitierte die Nachrichtenagentur RIA aus Putins Schreiben.

Durch den Aufprall der Flugzeugteile wurden am Boden Gleisanlagen sowie Elektroleitungen der Transsibirischen Eisenbahn auf etwa einem halben Kilometer Länge zerstört. Von Moskau aus startete eine Sondermaschine mit 60 Bergungskräften, Ermittlern und Psychologen, um zu dem Unglücksort zu gelangen und die Angehörigen der Opfer zu betreuen. Niemand habe den Absturz überleben können, sagte die Zivilschutz-Sprecherin Irina Andrianowa. Am Ort des Unglücks waren rund 300 Helfer im Einsatz.

Aeroflot ist die größte russische Fluglinie, die zusammen mit ihren verschiedenen Tochterfirmen jährlich nach eigenen Angaben weltweit rund zehn Millionen Passagiere befördert. Laut der russischen Statistikbehörde kamen 2007 bei 23 Flugzeugunglücken in Russland 41 Menschen ums Leben. Auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion war zuletzt am 24. August eine knapp 30 Jahre alte Maschine vom Typ Boeing 737 in der zentralasiatischen Republik Kirgistan abgestürzt. Dabei starben mindestens 65 Menschen.

Mai/Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Natsukawa (15.09.2008, 01:31 Uhr)
@Immer_auf_Achse
Deswegen habe ich es auch so vorsichtig wie möglich versucht zu verpacken. Und weil ich nicht möchte, daß der Text beim echten "Zwiebelfisch" auftaucht". Also immer schön ruhig bleiben mit Deinen Anfeindungen! (*kopfschüttel*)
Immer_auf_Achse (14.09.2008, 21:28 Uhr)
Natsukawa, Deine Sorgen möchte ich haben. Ich arbeite zur Zeit auch in russland und bin letzte Woche auch mit einer 737 von Aeroflot geflogen. Das es unter den Opfern "nur" eine Deutscher war ist für mich und meinen Angehörigen schon wichtig. Für mich ist es wichtig, da es auch ein Freund sein könnte, der am nächsten Tag bei mir eintreffen sollte. Für meine Angehörigen ist es wichtig, da sie nicht wissen, ob ich unter den Opfern sein könnte. So denken alle Menschen auf dieser Erde, ich verstehe nicht warum es in Deutschland immer wieder Menschen gibt, die dies als verwerflich ansehen. Im ganzen gesehen ist dieses Unglück, wie letztens ins Spanien, für mich immer wie ein Schock. Ich bin mit beiden Gesellschaften geflogen. Daher sehe ich diese Dinge vieleicht etwas anders als viele Leser daheim. Aber es kotzt mich an, welch neunmal Kluge Sprüche immer hier geschrieben werden. Viele Grüße Michael
Natsukawa (14.09.2008, 20:28 Uhr)
...
und bitte meinen Vertipper bei "Tod" zu entschuldigen (konnte die Edit-Funktion nicht finden).
Natsukawa (14.09.2008, 19:55 Uhr)
Kleine Korrektur am Artikel
Bitte nicht falsch verstehen, wenn ich bei diesem traurigen Artikel mit einem Zwiebelfisch daherkomme...
"Ein Pilotenfehler könnte 88 Menschen den Tod gekostet haben". - Das hoffe ich im Sinne der Toten nicht für sie; nicht auszudenken, wenn die Verstorbenen jetzt ihr Dasein als Untote fristen müßten, weil es ihnen den Tot gekostet hat. Ich denke "...das Leben gekostet" ist die richtigere Formulierung.
Nicht böse sein, ich bin nur über die Redewendung gestolpert und hab ein wenig gegrübelt...
Schlammschwimmer (14.09.2008, 19:08 Uhr)
Also
...ich finde es ja eher bedenklich, dass manche scheinbar nicht den Horizont besitzen sich vorzustellen, dass hunderte, wenn nicht hunderttausende von Deutschen in dieser, oder anderen Gegenden in der Welt arbeiten und die Daheimgebliebenen sehr wohl Gewissheit darüber haben möchten, dass ihren Angehörigen bei einem derartigen Unglück nichts passiert ist. Manchmal habe ich das Gefühl, die Kleingeistigkeit gepaart mit implantierter Paranoia gegenüber allen nationalen Dingen nimmt überhand. Ein bischen über den Tellerrand blicken und die Interessen der Mitmenschen wahrnehmen, würde zum Verständnis dazu beitragen, warum bei solchen Meldungen die Zahl der verunglückten Landsleute angegeben wird.
Maria1000 (14.09.2008, 19:02 Uhr)
@Ev1l: Worin besteht exakt Ihr "Problem"?
WSir sind hier nunmal in Deutschland und wer Angehörige hat, die gerade in der Gegend unterwegs sind per Flieger, ist diese Angabe, dass ein Deutscher unter den Opfern ist ja wohl ERLAUBT und RELEVANT!
Man kanns auch übertreiben mit dieser lächerlichen neurotischen "Political Correctness" hierzulande!
bonzer (14.09.2008, 18:31 Uhr)
@evil
da musst du nicht irgendwas rauslesen, dass sich jemand über einen anderen als mensch erhöht. für ein regionales blatt oder dessen online-ausgabe ist es nun mal eine schlagzeile wert - zu erwähnen, dass ein deutscher unter den opfern ist. das ist übrigens weltweit standard.
Ev1L (14.09.2008, 16:57 Uhr)
OnceKnown
Sowas gehört nicht in die Überschrift! Wenn solche Sachen im Text zu finden sind sagt ja auch keiner was.
OnceKnown (14.09.2008, 16:36 Uhr)
@Ev1L & masilein
Wo liegt das Problem? Ich erfahre gerne, ob Landsleute unter den Opfern waren. Bedeutet doch nicht, dass wir wertvoller sind als andere. Kriegt euch mal wieder ein.
albundy69 (14.09.2008, 16:07 Uhr)
Vorschlag an Herrn Medwedjew !
Wahrscheinlich waren es Südossten, Tschtschenen, Uiguren (kamen schnell aus China rüber) oder díe CIA. Schnell eine gute Geschichte lancieren um russische Schlampigkeit zu überspielen ! Bei den Attentaten in Moskau waren die ersten Meldungen nach 3,5 St. schon lanciert !!!
MEHR ZUM ARTIKEL
Kalifornien Vollbesetzter Pendlerzug rast in Güterzug

Ein schweres Zugunglück in Kalifornien hat mindestens 17 Menschen das Leben gekostet. Etwa 135 Fahrgäste wurden verletzt, als ein Pendlerzug und ein Güterzug frontal ineinander rasten. Warum die Züge auf demselben Gleis fuhren, ist bislang ein Rätsel. mehr...

Flugzeugabsturz Deutsche Familie unter den Toten

Fünf Tage nach dem Flugzeugabsturz von Madrid gibt es traurige Gewissheit: Die Familie aus Pullach bei München, die in dem Spanair-Flugzeug gesessen hatte, zählt zu den Todesopfern. Das hat ein DNA-Vergleich zweifelsfrei ergeben. Über die Ursache des Absturzes gibt es dagegen nur Spekulationen. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe