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Die Suche nach dem Spitfire-Friedhof von Myanmar

Ein britischer Flugzeugnarr will bis zu 140 Spitfire-Maschinen aus dem Zweiten Weltkrieg ausgraben. Angeblich hat er die ersten Kisten geortet. Die Regierungen unterstützen die Schatzsuche.

  Der Briten liebstes Flugzeug: Von einst 21.000 sind noch 35 flugtauglich. Das soll sich nun ändern

Der Briten liebstes Flugzeug: Von einst 21.000 sind noch 35 flugtauglich. Das soll sich nun ändern

Die Briten lieben ihre Spitfire. Das wendige Jagdflugzeug hat in der kollektiven Erinnerung des Landes wesentlich zum Sieg gegen Nazi-Deutschland in der Luftschlacht um England im Zweiten Weltkrieg beigetragen. Jeder einzelne Pilot wird bis heute geehrt. Als Prinz William seine Kate geheiratet hat, dröhnte eine Spitfire-Parade über den Buckingham-Palast. Es gibt Spitfire-Fetischisten, die einfach alles über den Tiefdecker wissen und sammeln, was gar nicht so einfach ist, denn von einst 21.000 gebauten Maschinen sind noch 35 so gut erhalten, dass sie auch fliegen können. Eine davon wurde 2009 für 1.739.500 Pfund (2.138.524 Euro) versteigert. Deshalb sorgt eine Nachricht aus Myanmar für große, nationale Begeisterung: Dort sollen bis zu 140 Spitfires unter der Erde liegen, die nun wieder ans Tageslicht und zurück nach England geholt werden sollen.

Der Legende nach stammen die an mehreren Stellen in Myanmar vergrabenen Schätze aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Kurz bevor Amerika am 6. August 1945 die Atombombe über Hiroshima abwarf, wurden die Spitfires von US-Soldaten unter die Erde gebracht. Im April hatten die Alliierten die Japaner aus der damals noch Burma genannten ehemaligen britischen Kolonie vertrieben. Doch aus Angst, dass die Japaner zurückkommen und die britischen "Supermaschinen" für eigene Zwecke benutzen könnten, befahl Earl Mountbatten, die Flieger zu vergraben, die noch verpackt in Transportkisten herumstanden - angeblich sogar in Einzelteilen, vorsorglich wasserfest verpackt, in Teer-versiegelten Boxen. Earl Mountbatten von Burma, ein Onkel von Prinz Philip, hatte damals den Oberbefehl über die alliierten Streitkräfte in Südostasien. Seine Angst vor den Japanern hatte sich nach zwei Atombomben erledigt. Der Krieg war vorbei, und man hatte Wichtigeres zu tun, als Jagdflugzeuge auszubuddeln. Sie wurden vergessen.

Spitfires für den "britischen Himmel"

Bis David J. Cundall auftauchte. Der 62-jährige Farmer und Geschäftsmann aus Lincolnshire hat nach eigenen Angaben rund 1000 Kriegsveteranen interviewt, um mehr über die Spitfire-"Friedhöfe" zu erfahren. Seit 1999 habe man in Myanmar selbst gesucht, doch die Technik sei erst in den letzten Jahren so weit, dass man bei den Bodendaten sicher gehen könne. Seit damals sei er zwölf Mal vor Ort gewesen und habe rund 160.000 Euro ausgegeben, so der Brite. Die Ausgrabung nicht mit eingerechnet. In den kommenden zwei Jahren sollen die Flugzeuge geborgen werden. Erst einmal 60, deren Position man bereits kenne, in Phase zwei die übrigen.

Diese martialische Archäologie sorgt neben der Indiana-Jones-Begeisterung auch für mehr Freundschaft zwischen Großbritannien und Myanmar. "Die Spitfire war wohl das wichtigste Flugzeug in der Geschichte der Luftfahrt, und hat im Zweiten Weltkrieg eine entscheidende Rolle gespielt. Wir hoffen, dies ist eine Möglichkeit, mit der burmesischen Reformregierung zusammenzuarbeiten, um die Jagdflugzeuge zu finden, wiederherzustellen und zu zeigen, damit sie noch einmal den britischen Himmel beehren können", zitiert der "Guardian" eine pathetisch-patriotische Quelle aus Downing Street Nr. 10. Tatsächlich hat Premier David Cameron den Weg zu den Ausgrabungen geebnet, als er im April Myanmars Präsidenten Thein Sein besucht hat.

Es sieht so aus, als könne aus den Überresten des Zweiten Weltkrieges etwas ganz Friedliches entstehen.

sal
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