16. Januar 2009, 08:21 Uhr

Chronologie eines Wunders

Drei Minuten nach dem Start stürzt US-Airways-Flug 1549 in den Hudson River in New York. Ein früherer Kampfpilot landet mit 155 Menschen an Bord im eiskalten Wasser. "Es war eine Begegnung mit dem Tod", sagt ein Passagier. Die Chronologie einer Beinahe-Katastrophe. Von Jan Christoph Wiechmann, New York

Hudson, New York, Airbus, Notlandung, Flugzeug

Über die Tragflächen verließen die meisten Passagiere ihr im Hudson River havariertes Flugzeug©

US-Airways-Flug 1549 ist pünktlich an diesem eisigen Nachmittag auf dem Flughafen La Guardia in New York City. 155 Menschen sind an Bord des Airbus A320 auf dem Weg nach Charlotte im Bundesstaat North Carolina und weiter in den Nordwesten nach Seattle. Es ist 15.26 Uhr, die Sicht ist gut, der Himmel leicht bewölkt, es hat geschneit an diesem Donnerstag, die Temperatur: minus 6 Grad Celsius.

Die voll besetzte Maschine hebt ab von Startbahn vier, macht eine Linkskurve, wie gewöhnlich, und steigt um 15.27 Uhr auf eine Flughöhe von 914 Meter. Etwa 45 Sekunden lang verläuft alles normal, der gut zweistündige Flug Richtung Süden kann beginnen, als plötzlich ein lauter Knall die Passagiere aufschreckt. Flammen steigen aus dem linken Triebwerk auf, es riecht nach Kerosin und Rauch. "Das linke Treibwerk ist explodiert, es kamen Flammen heraus", erzählt Jeff Kolodjay, der mit seinem Vater und Bruder an Bord ist. "Obwohl die Maschine nicht außer Kontrolle geriet, wussten wir doch, dass etwas passiert war, denn wir flogen zurück", sagt Passagier Alberto Pinero.

Ursache war vermutlich ein Gänseschwarm

Vermutlich ist es ein Gänseschwarm, mit dem das Flugzeug in der Höhe kollidiert. Zwei größere Vögel verfangen sich in beiden Triebwerken, ein so genannter "double bird strike", ein doppelter Vogelschlag. Er setzt die Triebwerke außer Kraft, es wird gespenstisch still. Etwa 56.000 "bird strikes" gab es in den USA zwischen 1998 und 2004, fünf endeten als schwere Unfälle.

Die Stimme des Piloten Chesley "Sully" Sullenberger aus Danville in Kalifornien ist ruhig, als er verkündet: "Brace for Impact." Bereitmachen für einen Aufprall. "Da wussten wir, jetzt kann alles vorbei sein", sagt Pinero. Die Passagiere klemmen den Kopf zwischen ihre Arme, einige pressen ihn auf den Schoß, viele beginnen zu beten. An Bord befinden sich Senioren und ein Kleinkind, dazu Angestellte der Bank of America und Wells Fargo, die auf dem Weg sind in die Bankenstadt Charlotte.

Ex-Kampfpilot am Steuer

Sullenberger, 57, ist ein erfahrener Pilot, 40 Jahre im Dienst, auch als Kampfpilot der Airforce, seit 29 Jahren fliegt er für US Airways. Vor zwei Jahren gründete er seine eigene Sicherheitsberatungsfirma. Sein Spezialgebiet: Psychologische Kniffe, die nötig sind, um eine Flugcrew in der Krise funktionsfähig zu halten. "Ein Unfall", so sagte er einmal, "ist in einer Pilotenkarriere höchst selten."

Im Kontrollzentrum von La Guardia beschließen sie, die Maschine zurückkehren zu lassen, doch der Pilot will Kurs nehmen auf den nahe gelegenen Flughafen Teterboro in New Jersey. Binnen zwei Minuten sinkt der Airbus von 975 auf 366 Meter. Um 15.31 Uhr zeigt der letzte Eintrag eine Flughöhe von 91 Meter. Dann bricht der Kontakt ab.

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KOMMENTARE (10 von 20)
 
HombreUno (16.01.2009, 17:06 Uhr)
Vogelschlag in beiden Triebwerken
So selten ist es nicht, dass beide Triebwerke durch Vogelschlag ausfallen.
.
Das gleiche war bei der aus Frankfurt/Hahn kommenden Ryanair Boeing 737-800 am 10. Nov. in Rom/Ciampino passiert. Der einzige Unterschied besteht darin, dass bei der Ryanair sich glücklicherweise der Vogelschlag beim Final-Approach ereignete und nicht während des Takeoff.
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http://www.stern.de/panorama/:Italien-V%F6gel-Flugzeug-Notlandung/645047.html?id=645047
sportartmakler (16.01.2009, 13:24 Uhr)
was ist eigentlich mit dem co-piloten
ich denke das pilotenteam ist gleichwertig, ergänzt sich notwendigerweise und ist in letzter instanz gemeinsam verantwortlich. schwamm drüber
tricky_dude (16.01.2009, 13:04 Uhr)
@bernie-abg
Dies ist seine Flasche!!!!
Im ernst, das war halt ein altgedienter Profi am Werk und branchenübergreifend sollte man sich überlegen ob man gute Leute wirklich in Frühpension schicken soll. Ich finde nicht.
emeinung (16.01.2009, 13:01 Uhr)
Ein Wunder ist...
...ein Ereignis, welches man mit dem menschlichen Verstand nicht erklären kann und eigentlich wider der Natur ist. In diesem Fall handelte es sich aber nun mal um eine theoretisch wie praktisch mögliche Notlandung/Notwasserung, sicher auch mit etwas Glück und einem sehr fähigen Piloten am Steuer. Trotz aller Erleichterung aber den Ball flachhalten und nicht so schwülstig mit Wörtern wie "Wunder" um sich schmeißen! Wird in Hollywood schon die Verfilmung für's Fernsehen vorbereitet?
bernie-abg (16.01.2009, 12:38 Uhr)
Ein Wunder, ein Wunder,...
...wie? Ist etwa Manna vom Himmel gefallen oder hat ein fähiger Pilot einen prima Job gemacht? Wenn es ein Wunder war, dann lasst uns alle "eine Sandale hoch halten", ansonsten ist diese Formulierung bloß Wasser auf die Mühlen der leichtgläubigen Esotheriker.
PatZ. (16.01.2009, 12:32 Uhr)
Nochwas...
...natuerlich ist ein Birdstrike etwas ganz normales. Selbst ich habe es schon 2 Mal live miterlebt. Einmal sass ich drin einmal hatte ich deswegen Verspaetung. Und ich habe noch gut 60 Jahre Fliegerleben vor mir.
Aber in diesem Falle ist es anders, da alle Triebwerke betroffen waren.
PatZ. (16.01.2009, 12:01 Uhr)
@whitewatcher
Ja und nein. Die Triebwerke sind so konstruiert, dass ein Start mit nur einem Triebwerk immernoch moeglich ist, falls es auf einer Seite zu einem "Birdstrike" kommt. Deswegen die Test. Ein Start fortzufuehren ohne ein funktionierendes Triebwerk ist logischweise unmoeglich.
Die Tests werden wegen der o.g. Bedingung durchgefuehrt. Normalerweise geht das Triebwerk nicht kaputt, wenn es einen "Birdstrike" gibt, aber es funktioniert solang nicht mehr, bis die Sauerei aus dem Triebwerk entfernt wurde.
Ausserdem soll es wohl ein Gaenseschwarm gewesen sein. Die Dinger sind ja auch nicht grade vergleichbar mit einer Taube.
In einem Punkt stimme ich dir allerdings zu: Ein Birdstrike auf beiden Seiten (allen Triebwerken) ist extrem unwahrscheinlich. Aber nicht unmoeglich.
In diesem Falle ist wohl einiges Pech aber auch gluecklicherweise viel viel Glueck dazugekommen.
tricky_dude (16.01.2009, 11:51 Uhr)
@whitewatcher
Irgendwo war zu lesen das es Wildgänse waren. Die sind ja nun wirkich recht groß und fett.
tricky_dude (16.01.2009, 11:46 Uhr)
@MAWilms
Der einzige Fall den ich kenne ist in den späten 60ern, oder 70ern passiert. War eine DC8, glaub ich von Korean, oder Nippon. Die Maschine konnte sogar repariert werden und war nach einer Weile in der Werft wieder im Einsatz.
Ich muß dagegen der 320 wird mir immer symphatischer. Hab auch schon mal eine sehr brenzlicge Sytuation in einem erlebt, ist gutgegangen, aber sicher auch wegen der Leistungsfähigkeit der Maschine. Die Notwasserung ist für mich ein weiterer Beweis daß das ein gutes Flugzeug ist.
whitewatcher (16.01.2009, 11:40 Uhr)
Normalerweise halten Triebwerke das aus
Triebwerke werden so gebaut, dass sie einen Vogelschlag überstehen. Man macht sogar Tests, bei denen betäubte Hühner in ein laufendes Triebwerk geschossen werden (riesen Sauerei).
Ein Birdstrike, bei dem ein Triebwerk richtig Schaden nimmt, und dann auf beiden Seiten, ist unwahrscheinlich. Das wird schon ein größerer Schwarm gewesen sein ....
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