Geblendeter Pilot und Pannen bei Evakuierung

11. Juli 2013, 17:08 Uhr

Neue beunruhigende Details zur Crash-Landung der Boeing 777 in San Francisco: Der Pilot wurde im Landeanflug nach eigener Aussage geblendet, und die Evakuierung der Maschine startete verzögert.

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Die beschädigten Sitzreihen der Unglücksmaschine der Asiana Airlines©

Wenige Tage nach der Beinahe-Katastrophe einer Passagiermaschine in Kalifornien kommen neue Einzelheiten ans Licht. So haben die Piloten der Unglücksmaschine von San Francisco nach US-Behördenangaben kurz nach der Bruchlandung die Evakuierung verzögert. Sie hätten das Kabinenpersonal angewiesen, mit der Evakuierung zu warten, daraufhin habe der Kabinenchef die Passagiere gebeten, auf ihren Sitzen zu bleiben, sagte die Chefin der Verkehrssicherheitsbehörde (NTSB), Deborah Hersman.

Zur selben Zeit aber habe ein Steward beim Blick aus dem Fenster Feuer gesehen, das Cockpit sei sofort alarmiert und die Evakuierung eingeleitet worden. Laut Hersman vergingen zwischen Bruchlandung und Evakuierung 90 Sekunden. Gemeinhin ist genau das die Zeitspanne - ganze anderthalb Minuten - in der ein Flugzeug komplett evakuiert sein soll.

Hersman sagte, es sei noch zu früh für ein Urteil über das Verhalten der Piloten. "Wir kennen ihre Überlegungen nicht, aber es ist auch schon bei früheren Unfällen vorgekommen, dass Crews aus Sicherheitsgründen mit der Evakuierung gewartet haben", sagte die NTSB-Chefin nach ersten Vernehmungen der Besatzung. Möglicherweise hätten die Piloten das Feuer nicht gesehen. Andernfalls wäre es "ernsthaftes Problem".

Bei der Bruchlandung der Boeing 777 der südkoreanischen Fluggesellschaft Asiana waren am Samstag zwei junge Chinesinnen ums Leben gekommen und mehr als 180 weitere Menschen verletzt worden. Die Auswertung der Flugschreiberdaten ergab, dass die Boeing 777 beim Landeanflug viel zu langsam war und zu niedrig flog. Technische Defekte an der Maschine wurden bisher nicht entdeckt. Dagegen wurde bekannt, dass der Pilot Lee Kang Kuk auf einem seiner ersten Einsätze mit einer Boeing 777 und sein Ausbilder, der ihm als Ko-Pilot zur Seite stand, ebenfalls neu im Job war. Laut Asiana Airlines handelte es sich bei beiden aber um erfahrene Piloten.

Beim Landeanflug mit Laserpointern geblendet?

Nach Angaben der NTSB-Chefin sagte Unglückspilot Lee aus, beim Landeanflug von einem Lichtblitz geblendet worden zu sein. Zu dem Zeitpunkt habe die Flughöhe nur noch rund 150 Meter betragen. Unklar war zunächst, worum es sich bei der Lichtquelle handelte. Es kommt immer wieder vor, dass Piloten beim Start oder Landeanflug mit Laserpointern geblendet werden.

Laut Hermann beschrieb das Kabinenpersonal plastisch die Zustände innerhalb des Passagierbereichs: Zusätzlich zum Chaos der Evakuierung bliesen sich demnach zwei Notrutschen bereits im Inneren auf und quetschten zwei Stewards gegen die Wand, die mühsam befreit werden mussten. Warum die Notrutschen zu früh auslösten, müsse ebenfalls noch untersucht werden, sagte sie.

Zudem wurden Mitschnitte von Notrufen nach der Bruchlandung veröffentlicht. Eine Überlebende beklagte in einer Aufnahme, dass zu wenig Helfer am Unglücksort seien. "Eine Frau hier hat schwere Verbrennungen. Sie wird wahrscheinlich bald sterben, wenn wir keine Hilfe bekommen", sagte sie. Bei dem Aufprall seien Menschen aus dem Flugzeug geschleudert worden, sagte NTSB-Chefin Hersman.

ins/anb/AFP/DPA
 
 
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