. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
16. Januar 2009, 11:44 Uhr

Sully, der Held von New York

Alles sprach dafür, dass dieser Tag zu einem Katastrophentag wird. Nach einem Triebwerksschaden musste eine A320 auf dem Hudson River in New York notlanden. Doch Pilot Chesley Sullenberger rettete allen 155 Menschen das Leben. Von Manuela Pfohl

New York, Hudson, Airbus, Flugzeugabsturz, retten, sullenberger

Chelsey B. Sullenberger ist Amerikas neuer Held: Der ehemalige Kampfpilot rettete mit einem gekonnten Manöver das Leben von 155 Menschen© Safety Reliability Methods, Inc./AP

"Wir bieten Ihnen Experten-Lösungen für komplexe Probleme im Zusammenhang mit Sicherheitsfragen an." So steht es auf seiner Homepage. Seit seiner grandiosen Landung auf dem New Yorker Hudson River besteht kein Zweifel mehr daran, dass Chesley B. Sullenberger aus Danville in Kalifornien meint, was er sagt. Der Pilot von Flug 1549 der US Airways rettet 155 Menschen mit einer Notlandung das Leben.

Nach der Kollision mit einem Vogelschwarm war das linke Triebwerk beschädigt worden - im Tower auf dem New Yorker Flughafen La Guardia herrscht danach lähmendes Entsetzen. Die Flugsicherheits-Experten fürchten das Schlimmste. Sullenberger gibt über die Bordlautsprecher "Brace for Impact" bekannt: "Bereitmachen für den Aufprall". Manche Passagiere fangen an zu beten, andere weinen. Alberto Pinero macht sich keine Illusionen. "Wir wussten, jetzt kann alles vorbei sein." Doch der Pilot behält die Nerven. Um 15.32 Uhr, setzt der 57-Jährige den vollbesetzten Airbus A320, der eigentlich auf dem Flug von New York nach Charlotte in North Carolina unterwegs war, sicher auf dem Hudson River auf. Alle Passagiere überleben - und die USA haben einen neuen Helden.

Einer, der seinen Job ernst nimmt

Ein schmaler Mann mit lichtem weißem Haar, der auf einem Foto lächelnd in die Kamera schaut. Ein unauffälliger Typ, einer, der keinen großen Wert darauf legt, im Mittelpunkt zu sein, der aussieht, als ob er bei Wal Mart an der Kassenschlange steht, ohne zu murren, der seinen Rasen noch selber mäht und sich bei seiner Steuererklärung um keinen Cent verrechnet. Einer, der ohne große Worte zupackt und seinen Job ernst nimmt. Zweimal habe Sullenberger die Maschine nach vergessenen Passagieren durchsucht, bevor er als Letzter den schon knietief unter Wasser stehenden Airbus verließ, berichtet ABCNews.

"Es deutet alles darauf hin, dass der Pilot eine Meisterleistung vollbracht hat", erklärt New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg voller Anerkennung und Boguslaw Mintowt-Czyz, der als Pilot selber Jahre lang einen A 320 geflogen ist, lobt: "Ein super, super Job." Tatsächlich gibt es genug Beispiele dafür, dass Triebwerksschäden und versuchte Notlandungen in tödlichen Katastrophen enden. Nach Erkenntnissen des Luftfahrtbundesamtes FAA entstehen allein in den USA durch Zusammenstöße mit Vögeln jährlich Schäden in Höhe von 600 Millionen Dollar an Zivil- und Militärflugzeugen. Seit 1988 sind dadurch weltweit mehr als 200 Menschen zu Tode gekommen.

"Da wurden mir die Knie weich"

Luftfahrtexperten äußerten sich erstaunt, dass der Airbus beim Auftreffen auf den Hudson nicht auseinanderbrach. "Eine Notwasserung ist normalerweise zerstörerischer als eine Notlandung", wunderte sich der Unfallforscher Max Vermij. Eigentlich hätten die Triebwerke und die Tragflächen beim Aufprall abreißen müssen.

Auch Lori Sullenberger weiß, was das bedeutet. Dass ihr Mann gerade eben eine solche Katastrophe verhindert hat, ahnt sie zunächst nicht, als er sie zu Hause anruft. Es habe da ein paar Probleme gegeben, hatte er am Telefon gesagt. "Ich habe gedacht, es geht um irgendwas Nebensächliches", erzählt Lori dem US-Sender CNN. Als ihr Mann ihr die ganze Geschichte berichtet, werden ihr allerdings die Knie weich. "Ich habe angefangen zu zittern - ich kann das alles noch gar nicht fassen." Zwei Töchter haben die Sullenbergers. Lori hat sie sofort aus der Schule abgeholt, um den Glückstag zu feiern. "Wir sind alle sehr stolz auf Sully", sagt Jim Walberg, ein Freund der Familie, und Jake Brown, der eine Tür weiter wohnt, meint, ihn habe das Ganze nicht überrascht. "Bei Sullys militärischen Erfahrungen und seiner Liebe zum Fliegen habe ich nichts anderes erwartet."

Spezialgebiet: Psychologische Kniffe

Tatsächlich ist Chesley Sullenberger ein erfahrener Pilot, seit 40 Jahren ist er im Dienst. Nach Ausbildungen an der US-Luftwaffenakademie sowie an verschiedenen Universitäten war er Kampfpilot der Air Force. Seit 29 Jahren arbeitet er bei der Fluggesellschaft US Airways. Außerdem engagierte er sich bei der Pilotenvereinigung (ALPA) als Ausbilder für Flugsicherheit und ermittelte für eine nationale Kommission bei Unfällen. Für US Airways hat er nach Medienberichten hunderte von Piloten in Sicherheitskursen ausgebildet.

Sullenberger arbeitet zudem als Berater für Betriebssicherheit. Dabei geht es um das Verhalten der Piloten ebenso wie um Sicherheitsstrategien der Fluggesellschaften und den Umgang mit Notfällen. Auf der Internetseite seines Unternehmens "Safety Reliability Methods" heißt es, Sullenberger habe mit der US Air Force und den zivilen Flugsicherheitsbehörden bei zahlreichen Unfallermittlungen zusammengearbeitet. Darüber hinaus habe er mit Wissenschaftlern der US-Weltraumbehörde Nasa einen Leitfaden über Irrtümer in der Luftfahrt erstellt und als Gastdozent für Katastrophenmanagement an der Universität Berkeley bei San Francisco gearbeitet. Sein Spezialgebiet: Psychologische Kniffe, die nötig sind, um eine Flugcrew in der Krise handlungsfähig zu halten.

In nächster Zeit wird es sicher viele weitere Anfragen geben. Das US-Luftfahrtbundesamt muss jetzt herausfinden, warum der Unfall so glimpflich ausging. Der Held von New York wird es ihnen erklären.

Mitarbeit: Niels Kruse und Thomas Krause

Von Manuela Pfohl
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
jockel_us (16.01.2009, 21:57 Uhr)
@ ganzbaf : Segelflieger...
...sind oft die besseren Piloten, das stimmt, und spielte in diesem Fall - Gleitoekonomie - mit Sicherheit eine wichtige Rolle. Die andere Haelfte ist Cockpit und Crew-Management, und das wird nirgendwo so gut trainiert wie beim Militaer und bei den Airlines. Und dann ist da noch der Flugzeugtyp. Geruechte besagen, dass Airbus eine Wasser-Version des A320 plant, auf Schwimmern. Ihr habt es hier zuerst gelesen ;-)
ganzbaf (16.01.2009, 21:34 Uhr)
Das war wohl weniger ein ">Kampffliegertrick"...

als vielmehr gelungenes Gleitmanöver, worin der Käptn als (ökologisch korrekter) Segelflieger eben auch geschult war... ;-PP
.
Luftwaffe go home ;-Ä
Corazito3333 (16.01.2009, 20:26 Uhr)
Ein Held endlich jemand zu dem man aufschauen kann
es war eine Meisterleistung und ich gönne es den Amerikanern, sie haben Obama und einen Helden. Einen Menschen der die richtige Entscheidung trifft, sie meistert, Leben rettet und keine Millionen dafür kriegt. Neue Männer und Frauen braucht das Land, Vorbilder auch unserer! Ein toller Typ, obwohl er kein Lokführer ist!!!!!!!!!!!!!
jockel_us (16.01.2009, 19:46 Uhr)
Auch andere Piloten nehmen ihren Job ernst...
...sonst haetten wir in der kommerziellen Luftfahrt in den USA nicht die niedrigste Unfallquoten seit Jahren.
Das schmaelert nicht den Verdienst, dass hier eine absolute Meisterleistung, von der ganzen Crew, vollbracht wurde, die vielleicht einem anderen Piloten mit der selben Erfahrung nicht gelungen waere.
Sullenberger hat einen Grossteil dieser Erfahrung als Militaerpilot unter extremen Flugbedingungen gesanmnelt, wie viele seiner Kollegen bei den hiesigen Airlines, und nicht wenige auch bei der Lufthansa.
Sollte denen in Deutschland zu denken geben, die gerne bei jedem Anlass auf die "militaristischen" USA einpruegeln. Luftwaffenflieger in Deutschland haben nur einen Bruchteil der Uebungserfahrung, die bei den fliegenden Einheiten der USA ueblich sind.
Naechstes mal im Condor-Flieger nach Mallorca darueber nachdenken. Und dem lokalen Bundestagsabgeordneten eine Email schicken, wenn die naechste Sparrunde bei Uebungsfluegen der deutschen Luftwaffe ansteht.
Unterm Strich sind sich da wohl alle einig, dass die frueheren Militaerpiloten bei Lufthansa, Condor usw. aehnlich gut trainiert sein sollten wie "Sully".
bob-der-meister (16.01.2009, 17:12 Uhr)
John Maynard
Schade, dass Theodor Fontane das nicht mehr erleben durfte. Vielleicht hätte er aus dem Stoff eine Ballade gemacht. ;-)
islaender (16.01.2009, 16:49 Uhr)
Respekt
zu dieser Leistung, well done M8
sportartmakler (16.01.2009, 16:37 Uhr)
@tricky-dude
solch ein gesetz haben wir auch, aber anscheinend nicht genügend kläger die den angabenverzicht von alter und geschlecht geruichtlich erzwungen haben.
STR_EDDS (16.01.2009, 16:21 Uhr)
@hannes_schinder
Oh mein Gott! So sicher wie zu jedem Bericht über welke Tulpen irgendein Schwachsinn mit "Schäuble" auftaucht, so sicher werden inzwischen auch Piloten mit Lokführern verglichen. Nichts gegen Lokführer. Aber zwischen einem Piloten und einem Lf liegen Welten. Und das zurecht.
.
Eine Notwasserung ohne die Kiste zu zerlegen - Respekt. Aber ob das an dem Alter liegt? Es gibt sicherlich auch Piloten mit 20+ Flugerfahrung, welche hier versagt hätten. Letztendlich zählen Faktoren wie Mustervarianz und die Art der erflogenen Stunden mehr als das reine Lebensalter.
troller (16.01.2009, 16:05 Uhr)
hannes_schinder
Sie vergleichen ernsthaft den Führer eines erd- und spurgelenkten Fahrzeugs - also einer Lokomotive - mit einem Piloten? Sie sind genauso abgehoben, wie Ihre Lohnforderungen...
tricky_dude (16.01.2009, 15:46 Uhr)
@atticus
Einspruch! In den USA gibt es ein Antidikriminierungs-Gesetz. Da s bedeutet das ein Bewerber weder Geschlecht noch ALter in einer Bewerbung angegeben werden muß. Der Jugendwahn bei uns ist absolut hausgemacht!! Ich hab selber in den USA Bewerbungen bearbeitet, also erzähl mir nichts! Der Arbeitsmarjt dort ist altersbezogen deutlich fairer als bei uns.
MEHR ZUM ARTIKEL
Flugzeugdrama in New York Die Unglücksstelle im Hudson River

Mit 154 Menschen an Bord hatte der Pilot der Maschine von US Airways keine große Wahl: Er musste den Flieger auf dem Hudson River in New York notlanden. Wie durch ein Wunder überlebten alle. stern.de zeigt, welchen Weg die Maschine flog. mehr...

Flugzeugabsturz Vögel - Gefahr für Flugzeuge

Echte Vögel können zur Gefahr für die stählernen Vögel werden - wie der Flugzeugabsturz von New York. Einen "doppelten Vogelschlag" meldete der Pilot der Maschine von US Airways. Und landete seinen Airbus im Hudson River. mehr...

Flugzeugunglück in New York Chronologie eines Wunders

Drei Minuten nach dem Start stürzt US-Airways-Flug 1549 in den Hudson River in New York. Ein früherer Kampfpilot landet mit 155 Menschen an Bord im eiskalten Wasser. "Es war eine Begegnung mit dem Tod", sagt ein Passagier. Die Chronologie einer Beinahe-Katastrophe. mehr...

Sicherheit an Bord Wie verhalte ich mich im Notfall?

Die erfolgreiche Wasserlandung des Airbus auf dem Hudson hat gezeigt, wie wichtig das richtige Verhalten bei der Evakuierung eines Flugzeugs ist. Wir geben Tipps für das sichere Fliegen. Denn zwei Drittel aller Passagiere fühlen sich an Bord eines Flugzeuges unwohl. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe