Die Menschen in vielen deutschen Hochwassergebieten können aufatmen: Die Lage hat sich deutlich entspannt.

Helfer in Köln© dpa
Die Menschen in vielen deutschen Hochwassergebieten können aufatmen: Die Lage hat sich deutlich entspannt. An der Mosel fielen die Pegel in der Nacht zu Samstag kräftig. Auch in einigen fränkischen Gemeinden ging das Hochwasser zurück. Die Pegelstände des Rheins stiegen langsamer als erwartet. Allerdings gab es nicht überall Entwarnung: Die Stadt Wertheim in Baden-Württemberg stellte sich auf ein neues Jahrhunderthochwasser ein. An der Unstrut in Thüringen wurde wegen eines drohenden Deichbruchs der 1000-Einwohner-Ort Leubingen evakuiert. In Teilen Bayerns und in Dresden verschärfte sich die Lage. In den kommenden Tagen können fast alle Regionen auf Entspannung hoffen, da die Temperaturen sinken und statt Regen höchstens Schnee erwartet wird.
Im oberpfälzischen Naabtal wurde am Vormittag die Leiche einer 75 Jahre alten Rentnerin geborgen, teilte die Polizei mit. Die Frau war beim Zeitungsaustragen mit ihrem Rad gestürzt und in der Naab ertrunken. In Rheinland-Pfalz wurde ein 71-jähriger Mann weiter vermisst, der am Freitag bei Echternacherbrück mit seinem Auto vom Fluss Sauer fortgerissen wurde. Das Auto wurde leer gefunden.
Die Kölner Altstadt wird voraussichtlich von einer Flutwelle verschont bleiben, sagte ein Sprecher der Hochwasserschutzzentrale. Allerdings seien einzelne Stadtviertel im Süden überflutet worden. Samstagmittag wurde ein Pegel von 9,61 Meter gemeldet, bis Mitternacht könnte das Wasser auf 9,85 steigen. Erst bei der kritischen Marke von 10 Metern würden die Fluten überschwappen. Beim Jahrhunderthochwasser von 1995 hatte der Pegel 10,60 Meter erreicht. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland standen die Signale ebenfalls auf Entwarnung. Der Rhein stieg nur noch geringfügig und sollte nach Prognose des Mainzer Meldezentrums am Nachmittag in Koblenz den Höchststand von 8,20 Metern erreichen. Die Mosel fiel stark.
In Teilen Bayerns verschärfte sich die Lage. An der Naab stiegen die Pegel weiter. Besonders kritisch war es in Kallmünz, wo der Pegel 5,20 Meter erreichte - normal sind 1,50 Meter. Der historische Ortskern wurde überschwemmt, viele Einwohner waren in ihren Häusern eingeschlossen. Retter evakuierten einen Campingplatz. Am Main bot sich ein ähnliches Bild, viele Keller liefen voll. «Und die Hochwasserwelle ist noch nicht durch», hieß es vom Krisenstab.
Im oberfränkischen Coburg hingegen waren die starken Überschwemmungen in der Innenstadt weitgehend zurückgegangen, die meisten Straßen sollten im Laufe des Samstags wieder freigegeben werden, sagte ein Polizeisprecher. Auch im unterfränkischen Bad Kissingen wurde es besser. Nach dem schlimmsten Hochwasser seit Jahrzehnten sank der Pegel der Fränkischen Saale deutlich.