. .
Panorama-Nachrichten
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
11. April 2009, 12:30 Uhr

Tödlicher Segeltörn in "neues Leben"

Die Befreiung der von Piraten gekaperten Segelyacht "Tanit" durch französische Soldaten endete blutig: Neben zwei Piraten wurde auch eine Geisel getötet: Florent Lemaçon, der mit seiner Frau Chloé und dem dreijährigen Sohn "in ein neues Leben" segeln wollte. Das Paar war vielfach gewarnt worden.

Piraten, Somalia, Tanit

Die Yacht "Tanit", als sie noch in den Händen der Piraten war© AFP

Der Aufbruch in ein freies "neues Leben" endete im Kugelhagel von Piraten und französischen Soldaten. Voller Optimismus waren Chloé und Florent Lemaçon mit ihrem dreijährigen Sohn zum langen Segeltörn nach Sansibar aufgebrochen. Alle Warnungen vor den somalischen Seeräubern schlugen die jungen Franzosen in den Wind. "Die Piraten dürfen unseren Traum nicht zerstören", erklärten sie.

Doch am 4. April enterten Piraten ihre Jacht "Tanit". Am Gründonnerstag stellten französische Fregatten die Jacht und zerschossen das Segel. Nach fruchtlosen Verhandlungen wurde Florent (27) am Karfreitag bei einem Befreiungsversuch erschossen. Mit ihm starben zwei Seeräuber. Ihre Kumpane wurden gefangen; Chloé, der kleine Colin und ein befreundetes Paar wurden unverletzt befreit.

Dritter französischer Militärschlag

Es war der dritte französische Militärschlag gegen somalische Piraten. Und es war der blutigste. Im April 2008 hatten Kommandos sechs Piraten überwältigt, die den Segel-Kreuzfahrer "Le Ponant" mit 30 Menschen an Bord gekapert hatten. Die Seeräuber warten jetzt in Paris auf ihren Prozess. Als Piraten im September die französische Jacht "Carré d'As" in ihre Gewalt brachten, um ihre Kumpanen freizupressen, schlugen die Franzosen wieder zu. Sie töteten einen Seeräuber, überwältigten sechs weitere und befreiten beide Geiseln.

Piraten, Somalia, Tanit

Florent Lemaçon (l.) und einer der Piraten an Bord der "Tanit"© AFP

Auch nach dem Tod von Florent Lemaçon will Frankreich bei seiner kompromisslosen Haltung gegen die Seeräuber bleiben. Präsident Nicolas Sarkozy bekräftigte seine "ganze Entschlossenheit, der Erpressung nicht nachzugeben und die Piraterie in Schach zu halten". Er findet dabei breite Zustimmung. Zu gefährlich erscheinen den Franzosen die Piraten - und zu leichtsinnig manche Opfer.

Mehrfache Warnungen

Chloé und Florent Lemaçon waren mehrfach gewarnt worden. In Ägypten hatten sie sogar Jean-Yves und Bernadette Delanne getroffen, die beiden Ex-Geiseln der "Carré d'As". "Ihre Befreiung verlief blutig, und ein Pirat wurde vor ihren Augen erschossen", berichtete Chloé danach. "Aber gleichzeitig haben sie sich nie in Gefahr gefühlt, denn diese Somalier wollten nicht ihr Leben. Sie wollten vor allem Geld." Die junge Frau fügte hinzu: "Der Ozean bleibt weit. Die Piraten dürfen unseren Traum nicht zerstören."

Auch Warnungen der französischen Marine konnten das junge Paar nicht abhalten. Einen ganzen Tag lang wurde die "Tanit" vor dem Horn von Afrika von einem Hubschrauber eskortiert. "Dieser französische Kontakt fern von zu Haus mitten im Meer ist schließlich doch sehr sympathisch!", schreibt das Paar in sein Tagebuch im Internet. Immerhin segelte die Familie seit der Nacht zum 16. März auch nachts mit gelöschten Positionslichtern. Es nutzte nichts.

Am 4. April schlugen die Piraten zu. Zwei Tage später wurde die "Tanit" von einem französischen Luftaufklärer geortet. Paris setzte drei Fregatten und ein Sondereinsatzkommando in Marsch. Am Mittwoch, 8. April, nahmen die Soldaten Verhandlungen mit den Seeräubern auf. "Als Rote Linie für die Sicherheit der Geiseln hatten wir uns gesetzt, dass keiner unserer Mitbürger an Land gebracht werden darf", erklärte Verteidigungsminister Hervé Morin.

Am Donnerstag blockierte eine Fregatte die "Tanit" und zerschoss das Segel, um die Entführer zu Gesprächen zu zwingen. Da war das Land schon in Sichtweite. "Die Verhandlungen haben nichts gebracht", sagte Morin. Die Geiselnehmer hätten alle Vorschläge abgelehnt, auch Lösegeld und den Austausch von Chloé und dem kleinen Colin gegen einen Offizier. Stattdessen hätten die Piraten immer härter von der "Tötung der Geiseln und der Sprengung des Schiffes" gesprochen, das Richtung Küste getrieben sei. Sarkozy habe daraufhin den Einsatz befohlen.

Hans-Hermann Nikolei/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
notton (13.04.2009, 22:21 Uhr)
@"Gutmensch" Robbespierre
Sie müssen ja die Bildzeitung gut kennen wenn Sie selbe andauernd bemühen...;-), aber Sie liegen trotz ihrer Lektüre (ich tippe mal Taz, ND oder linksradikale Gossen-Handzettel)falsch , wenn Sie sagen das D den Piraten neu-gedrucktes Geld überreiche "und alle seien glücklich"....
Würde nur Geld gedruckt, hätte wir eine Inflation und diese träfe zuförderst genauso die Armen wie Sie jetzt getroffen werden wenn das Geld aus dem Steuersack kommt.
Das das Geld NICHT oder besser kaum an "hungernde Fischer geht" dürfte klar sein, denn nur für die mehrstelligen Millionenbeträge EINES entführten Frachters, bekäme man in der Region das gesamte Fischerdorf über Generationen satt.
Das Geld fließt bekanntlich an Hintermänner, und wenn es nicht sogar die Betreiber der großen Trawler-Flotten selbst sind, sitzen die zumindestst mit denen am Tisch beim Poker... ;-)
Es sieht immer allerliebst aus wenn Gutmenschen die kleinen Zahnrädchen in Schutz nehmen, ohne zu begreifen das selbe genauso Teil des Getriebes sind...
notton (13.04.2009, 20:04 Uhr)
Wer so dämlich ist
jetzt in derart Gewässer wegen Jux & Tollerei "schippern" zu müssen, den solle man dann eben morgens mit Piraten Frühstücken lassen...
Natürlich war der Einsatz besser als Lösegelder zu zahlen, weil nur die Lösegelder die Piraterie befördern, aber in Zukunft sollte man bei privaten Hanseln - die zuvor sogar gewarnt wurden - gar nichts unternehmen!
Die anwesende Kriegsmarine hat genug zu tuen um die Frachter zu schützen!
OttoB (11.04.2009, 17:37 Uhr)
@Robbespierre
Wenn man jeden der nicht seiner Meinung ist als Bildzeitungspagei bezeichnen halte ich das für ein wenig billig.
Ich persönlich kenne die Meinung der Bildzeitung nicht und weiß nicht welcher Papagei etwas nachgeplappert hat. Wenn sie also wissen wer, was nachgeplappert hat,dann haben sie es gelesen. Das hier Fehler passiert sind ist richtig, das zu beheben ist eine wichtige Aufgabe, aber auch das gibt keinem das Recht auf Verbrechen aus Notwehr und dann ist da noch die Frage, man hat diesen armen Menschen alles genommen, aber wer hat ihnen für die zerstörten Fischernetze Maschinengewehre und Schnellboote gegeben.
Auch eine Frage die man am Stammtisch nicht beantworten kann.
Auf Freizeitkapitäne die hier Abendteuer erleben wollen, sollte keine Rücksicht genommen werden.
Aber auf schwere Fragen gibt es keine leichte Antwort, weder in der BILD noch am Stammtisch.
TheFreeman (11.04.2009, 15:24 Uhr)
Harte Haltung
das Risiko der Verletzung der Geiseln muss in Kauf genommen werden. Vollkommen korrekt und gerechtfertigt sind die Aktionen der Franzosen.
Die Piraten dürfen keine Gnade erfahren. Nur so kann dem Einhalt geboten werden.
Ich wünschte mir, Deutschland würde ebenso reagieren und die notwendige Härte zeigen, selbst wenn Gesundheit und Leben der Geiseln dabei in Gefahr geraten. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir darauf noch lange warten müssen. Aber die militärische Haltung der deutschen Regierung entspricht eher dem Werfen von Wattebällchen......
unglaeubiger (11.04.2009, 14:30 Uhr)
richtige entscheidung
in zukunft werden wohl keine schiffe unter französischer flagge mehr angegriffen.
das risiko für die piraten wird bei der harten haltung der franzosen zu groß.
es wird die länder treffen, die brav zahlen.
Robbespierre (11.04.2009, 14:22 Uhr)
Interessant
sind die Hintergründe der Taten, also warum die Piraten überhaupt Piratren wurden. Auf welt.de gibt es dazu ein Interview. Demnach wurde eine Gruppe Fischer zu Piraten, weil die großen (ausländischen) Fischtrawler vorsätzlich ihre Boote und Netze zerstört hatten. Kein Fisch =nichts zu essen. Das müßte auch den braven Bildzeitungspapageien in diesem Forum einleuchten, die vermutlich auch gerne den Konservenfisch einkaufen, der von von den Trawlern stammt...
OttoB (11.04.2009, 13:26 Uhr)
@lucifer01
Ich bin voll Ihrer Meinung, man muß sich fragen muß man für solche Verstandlosen Menschen etwas tun, Offiziere wollten sich austauschen lassen als Geisel, müssen andere sich in Lebensgefahr bringen.
Wenn Menschen meinen sie wollen es trotzdem, sie wollen diesen Nervenkitzel dann sollen sie, aber bei Gefahr keine Hilfe. Schlimmer wäre es ein französischer Soldat wäre bei der Aktion zu Schaden gekommen.
Robbespierre (11.04.2009, 13:16 Uhr)
@Oberamtsrat
Sie wollen wissen, was der Unterschied ist? Bei Franzosen und Amerikanern werden Geiseln und Piraten getötet. Bei Deutschen wird ein wenig von dem vielen neugedruckten Geld verteilt und alle sind glücklich. So einfach ist das, abseits von Bildzeitungs-polierten Hassphantasien.
Oberamtsrat (11.04.2009, 13:11 Uhr)
Frankreich und die USA
tun alles für ihre Bürger. Ich darf mir gar nicht vorstellen, wenn deutsche
Bürger durch Piraten überfallen werden.
Da wird erst einmal geklärt welches Gericht zuständig ist. Und unvorstellbar ist, dass ein Kriegsschiff (ein Deutsches) Gewalt anwendet. Was ist schon ein einzelner Bürger. Ja, dann möchte man einen Französischen oder Amerikanischen Pass haben. Deutschland, warum sind dir deine Bürger so unwichtig.
Salzsteuer (11.04.2009, 13:05 Uhr)
@lucifer
aber erst nach einem kräftigen Tritt in den Allerwertesten!
Hirn kann man halt durch nichts ersetzen.
MEHR ZUM ARTIKEL
Geiseldrama vor Somalia Piraten rufen Verstärkung

Showdown im Golf von Aden: Während weitere US-Kriegsschiffe in der Region eintreffen, bekommen die Kidnapper des Kapitäns der "Maersk Alabama" offenbar Verstärkung von gekaperten Frachtern, darunter auch die deutsche "Hansa Stavanger". Französische Soldaten haben derweil ein entführtes Segelschiff gestürmt. mehr...

"Maersk Alabama" Kapitän wollte Piraten davonschwimmen

Fluchtversuch auf hoher See: Der von Piraten gekidnappte Kapitän des Frachters "Maersk Alabama" hat offenbar erfolglos versucht, schwimmend aus der Gewalt seiner Entführer zu entkommen. Unterdessen schicken die US-Streitkräfte Verstärkung in die Region. mehr...

"Maersk Alabama" FBI verhandelt mit Piraten über entführten Kapitän

Das Ringen um den von Piraten gekidnappten Kapitän des Frachters "Maersk Alabama" hält an. Inzwischen hat sich die US-Bundespolizei FBI in die Lösegeld-Verhandlungen mit den vier Piraten eingeschaltet. Ein US-Zerstörer überwacht die Situation, die für die Kidnapper auch aus einem anderen Grund immer ungemütlicher wird. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe