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10. Dezember 2007, 16:00 Uhr

Panama-Traum platzte in Manchester

Ihr Mann, der totgelaubte "Kanu-Mann" John Darwin, wurde bereits verhaftet. Jetzt ist auch seine Frau Anne bei ihrer Ankunft in England festgenommen worden - zu ihrem Erstaunen. Bei einer Shopping-Tour mit Journalisten in Miami hatte sie noch gefragt: "Die werden mich doch nicht festnehmen?" Von Cornelia Fuchs, London

Anne Darwin verlässt die Polizei-Station am Flughafen in Manchester© Andrew Yates/AFP

Sie hatte eine Panikattacke vor der Landung am Flughafen Manchester: "Ich bin ein nervöses Wrack", sagte sie zu den Journalisten, die sie begleiteten. Es war das Ende der Reise von Anne Darwin. Nach einer Woche auf der Flucht vor der Entwicklung der Dinge in England, wollte sie sich nun der Realität stellen. Ihr Mann John Darwin ist inzwischen des Betruges angeklagt, weil er im Jahr 2002 seinen eigenen Tod durch Ertrinken inszeniert hatte und danach unter falschen Angaben einen Pass beantragte und sich Lebensversicherungen auszahlen ließ.

Nachdem in englischen Zeitungen ein Foto des Ehepaares bei einer Einwanderungsagentur in Panama aus dem Jahre 2006 aufgetaucht war, hatte Anne Darwin in Zeitungsinterviews eingeräumt, dass sie seit 2003 wusste, dass ihr Mann tatsächlich noch lebt. Mehr noch: Nach ihrer Aussage hatte John Darwin sogar bei ihr gewohnt, während die beiden Söhne um den verstorbenen Vater trauerten. Vor sechs Wochen war Anne Darwin dann ihrem Mann nach Panama gefolgt, wo die beiden schon Land für den Bau eines Öko-Hotels gekauft hatten.

Anne Darwin hatte seit Tagen in der englischen Presse angekündigt, dass sie jetzt nach Hause fliegen wolle, um sich zu stellen. Am vergangenen Donnerstag hatte die Polizei vergeblich auf ihr Erscheinen gewartet. Am Wochenende appellierte der ermittelnde Kommissar Ian Henderson an Frau Darwin, endlich nach England zu kommen. Er würde sonst eine internationale Fahndung ausschreiben.

"Die werden mich doch wohl nicht festnehmen?"

Zu dem Zeitpunkt war Frau Darwin schon längst mit zwei Boulevard-Journalisten von Panama-City nach Miami geflogen. Britische Zeitungen melden, dass sie von der Newsagentur "Flash" exklusiv unter Vertrag genommen worden sei. Die englischen Zeitungen "Daily Mail" und "Daily Mirror", die jeden Tag der vergangenen Woche Exklusiv-Interviews auf ihren Titelseiten präsentierten, beteuern, dass Frau Darwin von ihnen kein Geld bekommen habe.

In Miami, so schreibt die "Daily Mail"-Journalistin Natalie Clarke, habe sie mit Anne Darwin Kleider eingekauft, während Darwins Ehemann John in England von der Polizei verhört wurde. Sie habe sehr entspannt gewirkt, sagt Clarke, und habe in aller Ruhe Hosen und Blusen ausgesucht, die sie mit ebensolcher Ruhe anprobiert habe. Clarke schreibt weiter, dass Anne Darwin wohl nicht bewusst gewesen sei, wie ernst die Situation in England werden würde: "Die werden mich doch wohl nicht festnehmen?", habe sie gefragt, als Clarke sie auf die Anklage gegen ihren Ehemann ansprach. Der wird heute einem Richter vorgeführt, der über eine Untersuchungshaft befindet. Als Höchststrafe drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.

Anne Darwin brach in Tränen aus

Auf dem Flug von den USA nach Manchester war Anne Darwin recht ruhig, berichtet Natalie Clarke. Sie aß ein bisschen, trank Kaffee und Wasser und konnte sogar etwas schlafen. Clarke schreibt weiter, dass Anne Darwin in Tränen ausbrach, als sie über ihre Söhne erzählte und über die Angst, dass diese nach Jahren der Lüge nun nichts mehr mit ihr zu tun haben wollten. Doch Anne Darwin sagte auch den Satz: "Tja, der Traum ist nun zu Ende" als die Maschine zum Landeflug ansetzte.

Anne Darwin hatte wohl nicht damit gerechnet, dass sie bei ihrer Ankunft gleich von fünf Polizeibeamten erwartet würde. Die kamen ins Flugzeug, riefen sie auf, nach vorne zu kommen und lasen der kleinen Frau mit den grauen Haaren ihre Rechte vor. Dann wurde Anne Darwin festgenommen. Den Blick nach unten gerichtet, die Mundwinkel weit nach unten gezogen, stieg sie in einen Polizeiwagen ein und wurde noch gestern Nachmittag nach Hartlepool gefahren. Dort wird sie heute von der Polizei befragt.

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
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