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6. Dezember 2007, 10:24 Uhr

Jungen offenbar erstickt

War es die Mutter, die im schleswig-holsteinischen Darry ihre fünf Söhne im Alter zwischen drei und neun Jahren getötet hat? Und wenn ja, was hat sie zu dieser Tat getrieben? Nach Informationen der Staatsanwaltschaft sind die fünf Jungen offenbar mit Schlafmitteln betäubt und dann erstickt worden. stern.de zeigt Fotos der Familie.

Das Haus in das Drama von Darry passierte© DPA

Nach Informationen der Staatsanwaltschaft in Kiel sind die fünf Jungen in dem schleswig-holsteinischen Ort Darry offenbar zuerst betäubt und dann erstickt worden. Das habe eine erste Obduktion der Leichen der Kinder ergeben, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick stern.de.

Die Polizei nahm die Spurensicherung am Tatort am Mittag wieder auf - nachdem der Vorgang am Morgen für abgeschlossen erklärt worden war. "Es handelt sich um eine Routinemaßnahme, wir haben keine neuen Erkenntnisse zum Tathergang", sagte der Sprecher der Polizeidirektion Kiel, Wolf Schmidt.

Zur Situation, in der die Jungen im Alter von drei bis neun Jahren gefunden wurden, wollte er keine Angaben machen. Die "psychisch angeschlagene Mutter", die unter dringendem Tatverdacht steht, befinde sich in einer Fachklinik. Zu den Vätern der Kinder hätten die Ermittler Kontakt aufgenommen.

Nach Ansicht der Politik seien solche Fälle auch durch staatliche Maßnahmen nicht völlig auszuschließen. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD), sagte im ZDF-"Morgenmagazin": "Politik wäre unehrlich, wenn wir sagen würden, solche Taten ließen sich mit absoluter Sicherheit verhindern." Er wies darauf hin, dass die Zahl der Morde in den vergangenen 100 Jahren etwa gleich geblieben sei.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hat dazu aufgerufen, aufmerksam zu sein und überforderte Familien nicht allein zu lassen. "Diese Vorfälle sind entsetzlich, sie passieren aber nicht aus heiterem Himmel", sagte die Ministerin. "Wir müssen prüfen, ob es Warnsignale gegeben hat, wo Schwachstellen waren und ob Informationen verloren gegangen sind", so von der Leyen. Dabei helfe das Nationale Zentrum für frühe Hilfen den Kommunen. Fehler müssten von Fachleuten und den Verantwortlichen vor Ort gemeinsam aufgedeckt und systematisch aufgearbeitet werden. Ziel müsse sein, dass Kommunen dabei voneinander lernten und ihre Erfahrungen austauschten. "Aber wir müssen uns auch als Gesellschaft verantwortlich dafür fühlen, nicht wegzuschauen, wenn Familien in der Nachbarschaft verzweifelt und überfordert sind", sagte die CDU-Politikerin.

Gesetzeslücken gibt es nicht

Die Kinderbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Marlene Rupprecht, sagte im RBB-Inforadio, gesetzlich gebe es keine Lücken. "Was wir brauchen ist eine bessere Vernetzung vor Ort, des Gesundheitsdienstes, der Gesundheitsämter." Im Kinder- und Jugendhilfegesetz "steht ganz eindeutig drin, dass alle zusammenarbeiten müssen". Rupprecht räumte aber ein, dass man auch damit einen Fall wie den der möglicherweise psychisch gestörten Mutter in Darry nicht ganz ausschließen könne.

Kritik übte die SPD-Politikerin an der finanziellen Ausstattung mancher Kinder- und Jugenddienste. Die Mitarbeiter müssten im Notfall Situationen mit hohem Gefährdungspotenzial richtig einschätzen können und brauchten deshalb eine sehr gute Ausbildung. "Hier müssen sich Kommunalpolitiker manchmal fragen lassen, ob sie dafür Geld zur Verfügung stellen."

Das ZDF berichtete, die Frau sei stark selbstmordgefährdet und deswegen in künstlichen Schlaf versetzt worden. Weiter berichtete der Sender von Hinweisen, dass das Jugendamt noch am Mittwoch versucht habe, zu der Familie Kontakt aufzunehmen. Die Mutter soll nach dem Willen der Behörden dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik bleiben. "Wir bereiten den Unterbringungsbefehl vor", sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Uwe Wick. Die Frau soll so schnell wie möglich vor den zuständigen Amtsrichter gebracht werden.

Die etwa 450 Einwohner Darrys stehen nach der entsetzlichen Tat unter Schock. "So was haben wir hier noch nicht erlebt, das ist schlimm", sagt der 66-jährige Horst Milkereit. Sein Junge sei mit einem der getöteten Kinder in die erste Klasse der Grundschule gegangen, berichtet der 49 Jahre alte Nachbar Michael Wiesner. Sein Sohn wisse noch gar nichts von dem schrecklichen Geschehen. "Das gibt es doch gar nicht, das gibt es doch nur in den USA und nicht bei uns", sagt Wiesner.

Waren die Kinder verwahrlost?

Nach Informationen von "Spiegel Online" soll Lehrern der örtlichen Grundschule ein verwahrloster Zustand der beiden älteren Kinder aufgefallen sein. So seien sie ohne Jacke oder mit alten Pausenbroten in der Schule aufgetaucht. Wie die Internet-Seite weiter berichtet, sei das Jugendamt informiert gewesen. Es habe die Familie am Mittwoch aufsuchen wollen, weil die Kinder nicht in die Schule gekommen waren.

Die Familie, in der sich das Drama abspielte, sei vom Jugendamt betreut worden, sagte die Frau des Bürgermeisters von Darry, Stefanie Arnold, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Berichte über eine Verwahrlosung der Kinder bestätigte sie nicht. "Die Kinder machten einen ordentlichen Eindruck. Wir haben uns nie vorstellen können, dass hier so etwas passiert."

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
muhtesem1 (07.12.2007, 22:49 Uhr)
VERBESSERUNG...
... die ganz des nachbarn, sollte "Die Gans des Nachbanrn," heißen.
hiermit danke ich dem stern für ihre neutrale haltung. sie gibt mir und vielen anderen, ohne zensur hier eine, auch wenn es manchmal eine harte, meinung auszusagen. das ist keineswegs in anderen meiden so frei. ich konnte+durfte hier auch sooft stern kritisieren, ohne gesperrt zu werden. das ist wahre medienarbeit, die sich nicht zu scheuen braucht. ich bin froh, daß es stern gibt, weil sie mir die möglichkeit gibt, mich auch so auszudrücken,wie ich es sehe. .
DANKE STERN !
muhtesem1 (07.12.2007, 22:40 Uhr)
wishmerh2, leider hast du nichts verstanden,....
...obwohl du lesen kannst. mein kommentar soll ein gedankenstoß auf viele vorurteile in vielen foren hier im stern geben.alex, es ist nich von der hand zu weisen, daß in den letzten jahren hier in deutschland die kindermorde und kinderschnadtate sich sehr mermehrt haben. natürlich passiert das auch in der türkei. ich habe nicht das gegenteil behauptet. aber wenn es in anderen ländern passiert,dann stürzen wir deutsche uns auf die anderen,wie die geier auf die klippen.dabie könnten wir,wenn wir in den spiegel scheuen,oder auch vor unserer haustür,dann müßten wir uns nicht schämen.anstatt das zu tun,reißen viele ihre mäuler auf,und schimpfen über die ganz des nachbarn,oder haben augen drauf.nochmals zu dir whismerh2, warum sollte stern mein kommentar löschen? es war und ist ein gedankenstoß für menschen,die über eine iq von mindestens von 0,5 verfügen. laß dir das mal von jemandem erklären :-)) MFG
Spocks_Kommentar (06.12.2007, 15:54 Uhr)
Das ist kein Grund für einen Schock!
Das ist kein Grund für einen Schock, das ist in Deutschland normal.
3 bis 4 Kinder pro Woche werden von ihren Eltern bei der Erziehung (eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet?!) oder sonstwie getötet und das seit Jahrzehnten.
Fragen Sie Ihren Versicherungsvertreter nach einer Versicherung über 50.000,00 Euro auf das Leben eines 9-jährigen Kindes. Gibt es nicht, weil signifikant viele hoch versicherte Kinder in Gegenwart ihrer Eltern "plötzlich" verunglückt sind.
Das Problem ist ganz einfach:
Solange Eltern von Natur aus als das Beste für ihre Kinder gelten wird sich das nicht ändern.
Solange die Familie Hilfe braucht, wenn Kinder verwahrlosen oder geschlagen werden und nicht die Kinder wird sich das nicht ändern.
Solange eine Ministerin Kinderrechte ins Grundgesetz schreiben will, wo doch die Menschenrechte drin stehen wird sich das nicht ändern.
Mit anderen Worten: Solange Kinder als das Eigentum ihrer Eltern angesehen werden und nicht als Menschen mit eigener Würde, solange es Menschen (Eltern) und Sachmenschen (Kinder) gibt, die den Status eines Schäferhundes auch in den Augen der Ämter nicht übersteigen wird sich das nicht ändern.
Und solange Kinder nicht täglich für längere Zeit außer Haus in einem kritischen Umfeld sind, egal wie klein sie sind, und dort kontrolliert wird was mit ihnen geschieht, wird sich das nicht ändern.
Wir brauchen keine neuen Gesetze, wir brauchen auch keine Blockwarte, wir brauchen ein anderes Bewußtsein, nämlich das, daß Kinder Menschen sind ohne wenn und aber und wir brauchen viel viel viel mehr Mißtrauen gegen Eltern und Familie aller Art.
Erst wenn wir vom christlichen Familienbild Abschied genommen haben, wird sich das ändern. Nicht umsonst sehen konservative Christen Körperverletzung als gut für die Entwicklung an.
Kirchen raus, Menschlichkeit, Achtung und Respekt vor der Person rein in die Erziehung und nicht mehr das Diktat der Folterdarstellung am Kreuz über der Kinderzeit, dann wird sich was ändern, aber vorher nicht.
Redaktion (06.12.2007, 15:47 Uhr)
@ whismerh2
Lieber whismerh2,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Wir haben an dieser Stelle noch keinen Kommentar gelöscht und verstehen daher Ihre Frage nicht.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Redaktion
whismerh2 (06.12.2007, 15:01 Uhr)
@redaktion
Ihr habt mal angekündigt wenn Ihr
Kommentare entfernt das ihr auch
die Kommentare dazu entfernt,
da sie keinen Sinn mehr ergeben.
Wieso steht meiner noch drinnen ???
Fall Muhtesem
whismerh2 (06.12.2007, 14:41 Uhr)
@muhtesem
Ich würde mal sagen der Kommentar
ist vollkommen überflüssig und voll
daneben.
Hat Sie bis jetzt hiert in diesem forum irgend jemand oder die Türkei angegriffen.
Hat bis jetzt jemand gesagt wir sind
überlegen.
Die meissten hier sind betroffen
und fassungslos wie ich auch.
Sie anscheinend nicht.
Dudu (06.12.2007, 13:16 Uhr)
@H.P.
Ja, hatte ich vorausgesetzt
Nur mit Egoismus- und Ellenbogengesellschaft wirds nicht gehen
Wir werden aber auch mehr Staat zulassen müssen, ohne gleich von Polizeistaat, Überwachungsstaat und elterliches Selbstbestimmungsrecht zu fasseln
H.P. (06.12.2007, 13:06 Uhr)
neues Denken und Handeln.
Dudu (6.12.2007, 13:00 Uhr)
Alles schön und gut, nur es wird nicht gehen. Nein, wir alle müssen uns ändern, unsere ganze Gesellschaft muss sich ändern, wir brauchen ein neues Denken und Handeln. Ich könnte vieles dazu sagen, nur es hört kaum noch einer zu.
Dudu (06.12.2007, 13:00 Uhr)
Konsequenzen Lösungen?!
@catchme hat in gewisser Weise schon recht.
Natürlich sind echte Kurzschlusshandlungen vermutlich nicht zu verhindern und völlige Sicherheit kann es und wird es nicht geben können, wie @undjetztnochder zutreffend beschreibt
Aber Vorschläge liegen doch auf den Tisch, etwa
Pflicht zu Vorsorgeuntersuchungen (die es früher ja durchaus gab). Nicht das dies ein Allheilmittel wäre, ist es sicher nicht.
Rücknahme Millionenschwerer Kürzungen in der Jugendhilfe durch die Länder und Kommunen, ein Jugendamt kann nur "richtig" funktionieren, wenn auch gut geschultes Personal in wirklich ausreichender Zahl vorhanden ist
Welche Rechte haben denn heute noch Lehrer/Schule/Kita? Auch hier muss wieder mehr passieren
Think-Smart (06.12.2007, 12:58 Uhr)
Gefühlskälte
Und auch hier in unserem kleinen 500 Seelen Dorf sehe ich nur Kinder, die finster und verängstigt dreinschauen, die angst bekommen, wenn man sie anlächelt, obwohl sie dich kennen. Das Jugendamt hat keine schuld. Es ist die Hetzerei der Politiker und Medien.
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