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20. Juni 2011, 15:58 Uhr

Japan gegen weltweite Stresstests bei AKW

Japan hat den Vorstoß der Internationalen Atombehörde abgelehnt, bei allen Atomkraftwerken weltweit, einheitliche Sicherheitsstandards einzuführen. Im havarierten AKW Fukushima kämpfen die Arbeiter unterdessen weiter gegen technische Probleme.

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Will globale Sicherheitsstandars bei AKW verhindern: Japans Wirtschaftsminister Banri Kaieda© Dieter Nagl/AFP

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, hat als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Japan rasche Stresstests für alle 440 Kernkraftwerke auf der Welt gefordert. Die Schutzvorkehrungen gegen extreme Naturereignisse wie Erdbeben, Tsunamis und Hochwasser sollten in den nächsten eineinhalb Jahren auf nationaler Ebene überprüft werden, schlug Amano am Montag zum Auftakt eines Ministertreffens der IAEA vor.

Den Stresstests könnten stichprobenartige Untersuchungen seiner Behörde in Form von Inspektionen folgen. "Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Sicherheit von Atomkraftwerken hat schwer gelitten", begründete Amano seinen Vorstoß vor Delegierten aus den 151 IAEA-Mitgliedsländern, die bis Freitag über eine Verbesserung der atomaren Sicherheit beraten.

"Verschiedene Ansichten" zur Reaktorsicherheit

Ausgerechnet Japan will sich jedoch nicht für weltweit bindende Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke einsetzen. Zu dieser Frage gebe es in der Internationalen Gemeinschaft viele verschiedene Ansichten und diese sollten respektiert werden, sagte der japanische Wirtschaftsminister Banri Kaeida. Japan werde aber sicherstellen, dass Lehren aus der Atomkatastrophe von Fukushima gezogen würden und die Sicherheit der Anlagen im Land erhöht werde.

Tatsächlich ist unter den Mitgliedern der UN-Unterorganisation das Ausmaß der Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen umstritten. Russland möchte die IAEA-Kriterien, die bisher nur empfehlenden Charakter haben, rechtsverbindlich machen, stößt damit aber auf Widerstand. Der Chef der russischen Atomenergiebehörde, Sergej Kirijenko, begrüßte deshalb Amanos Vorstoß. Deutschland hat als Konsequenz aus der Reaktorkatastrophe von Fukushima den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 bekräftigt, in Italien erneuerte die Bevölkerung in einem Referendum ihr Nein zur Kernkraft.

Fukushima: Probleme ohne Ende

Die Reparaturtrupps in der Atomruine Fukushima haben ein Problem mit einer Dekontaminierungsanlage auch am Montag nicht in den Griff bekommen. Der Betreiberkonzern Tepco hoffe, das neue System zur Reinigung hochgradig verseuchten Wassers an diesem Dienstag in Betrieb nehmen zu können, berichteten japanische Medien.

Statt immer neues Wasser in das AKW zu pumpen, soll das verseuchte Wasser recycelt und zur weiteren Kühlung verwendet werden. Die neue Anlage gilt als wichtiger Schritt beim Versuch, die beschädigten Reaktoren zu stabilisieren. Das will Tepco bis zum Januar erreicht haben.

Eigentlich sollte die Anlage bereits seit Freitag laufen. Bei einer der Komponenten des neuen Systems, das Cäsium absorbieren soll, seien die Strahlenwerte jedoch schneller auf die Höchstgrenze gestiegen als gedacht. Unterdessen öffnete Tepco die Tür des Reaktorgebäudes 2, um die auf 99 Prozent gestiegene Luftfeuchtigkeit zu senken. Bei so hoher Luftfeuchtigkeit können die Männer nicht arbeiten. Durch das langsam erfolgte Öffnen der Doppeltür könnte zwar schwach verseuchte Luft entwichen sein, es gebe aber keine Auswirkungen auf die Umwelt, hieß es.

be/Reuters/DPA
 
 
 
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