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19. Oktober 2009, 17:23 Uhr

Metzgermeister bestätigt Vorwürfe

Es stank «verwest», «ranzig» oder «käsig», und die Oberfläche war mitunter «grün, schmierig» - mit solchen Worten hat am Montag die Staatsanwaltschaft die Gammelfleisch- Vorwürfe gegen einen niederbayerischen Metzgermeister beschrieben. In dem Prozess vor dem Deggendorfer Landgericht gab der 56 Jahre alte Angeklagte dann unumwunden zu, dass alle Vorwürfe gegen ihn richtig seien.

Es stank «verwest», «ranzig» oder «käsig», und die Oberfläche war mitunter «grün, schmierig» - mit solchen Worten hat am Montag die Staatsanwaltschaft die Gammelfleisch- Vorwürfe gegen einen niederbayerischen Metzgermeister beschrieben. In dem Prozess vor dem Deggendorfer Landgericht gab der 56 Jahre alte Angeklagte dann unumwunden zu, dass alle Vorwürfe gegen ihn richtig seien. Über Jahre hinweg hatte der Ex-Geschäftsführer von zwei Fleischgesellschaften tonnenweise verdorbenes und minderwertiges Fleisch verkauft.

Dank seines Geständnisses kann der Mann nun mit einer maximal zweijährigen Bewährungsstrafe rechnen. Die Wirtschaftsstrafkammer, die Staatsanwältin und die drei Anwälte des Mannes hatten sich bereits im Vorfeld darauf geeinigt. Das Urteil soll an diesem Dienstag verkündet werden. Zudem soll es eine Geldstrafe für den Metzger geben, und das schon bestehende Berufsverbot soll bis Mai 2011 verlängert werden. Im Rahmen der Absprache wurde schon ein Teil der früheren Anklagepunkte fallengelassen.

Die Staatsanwältin brauchte fast zweieinhalb Stunden, um die verbliebenen Straftaten aufzulisten - immer noch mehrere hundert Fälle. Der Metzgermeister aus Metten hatte Geschäftsbeziehungen zu einer Reihe von Unternehmen in ganz Deutschland und im Ausland. So soll er auch Betriebe in den Niederlanden, Österreich und Russland beliefert haben. Diese Firmen exportierten ihre Produkte dann bis nach Afrika und Hongkong weiter.

Laut Anklage ließ der Metzger beispielsweise verdorbenes Schweinefleisch unter frischeres Fleisch mischen. In anderen Fällen wurden billigere Fleischprodukte statt der bestellten teureren Ware geliefert. Einmal hatte der Metzger sogar Fleisch, das ein Abnehmer wegen der Qualitätsmängel nicht annahm und zurückschickte, zum Weiterverkauf wieder eingelagert. Mitunter waren bei den Waren die Haltbarkeitsdaten seit Jahren abgelaufen. Als der Fall 2006 bekanntwurde, fanden die Ermittler in einem Kühlhaus sogar noch Fleischpackungen, auf dem das Mindesthaltbarkeitsdatum 2001 stand. Insgesamt wurden damals zig Tonnen beschlagnahmt. Davon wurden mehr als 800 Proben genommen - jede vierte wurde bei Laboruntersuchungen als ungenießbar eingestuft.

Manchmal griff der 56-Jährige zu noch dreisteren Tricks, um seine mangelhafte Ware loszuwerden. So musste einmal ein Mitarbeiter das Fleisch umdrehen, damit die noch etwas appetitlichere Unterseite oben lag. Selbst als er bereits ein vorläufiges Berufsverbot hatte, handelte der Metzger im Auftrag einer Firma seiner Ehefrau weiter und trickste auch da.

Der Fall des Metzgers aus dem Landkreis Deggendorf hatte im Sommer 2006 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und auch die Fleischkontrolleure im Freistaat bloßgestellt. Aufgeflogen war der Fall nämlich nicht durch eine penible Überwachung. Vielmehr stolperte ein Pilzsucher im Wald über einen Koffer mit brisanten Akten eines ehemaligen Angestellten des Metzgermeisters. Der Pilzsammler trug die Papiere zur Polizei und brachte so die Ermittlungen ins Rollen.

Verteidiger Klaus Gussmann sagte, es handle sich letztlich nur um einzelne Verfehlungen des Metzgers. Die meisten Lieferungen des Mannes seien völlig korrekt gewesen. Die Anklagepunkte bewegten sich im «Promillebereich» des gesamten Geschäfts des 56-Jährigen. «Es gab Ausreißer, aber es handelt sich nicht um einen großen Skandal», meinte der Münchner Anwalt.

Da es sich bei den meisten Waren um eher minderwertiges Fleisch wie Schweinepfoten, Knochen oder Schwänze handelte, blieb der Betrugsschaden mit rund 82 000 Euro trotz der großen Handelsmenge gering. Gussmann sprach daher auch von «Abfallprodukten» - die freilich in den afrikanischen und asiatischen Empfängerländern noch zu Lebensmitteln weiterverarbeitet werden.

DPA
 
 
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